{"title":"5. Das Projekt einer transdisziplinären Rahmenwissenschaft von der Personalität aus den 1920er Jahren und seine Neubegründung heute","authors":"H. Plessner","doi":"10.1515/9783110666373-007","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"Helmuth Plessner wendet sich in seinen philosophischen Büchern der 1920er Jahre ausdrücklich nicht nur an Philosophen, sondern auch an Biologen, Mediziner, Psychologen, Psychiater, Pädagogen, Soziologen, Kulturwissenschaftler, Historiker und Juristen, da es in all diesen Disziplinen das Problem gebe, die „fraktionierenden Betrachtungsweisen des Menschen“ (Plessner 1975, 37) zu überwinden. Alle diese Disziplinen setzten einerseits den common sense (ebd., XIX, XXII) und die durch geschichtliche Gewöhnung für natürlich gehaltene Alltagswelt voraus, um aus ihnen eine disziplinenspezifische Auswahl von methodisch zu bearbeitenden Problemen vorzunehmen. Andererseits gingen die empirischen, technischen und konzeptuellen Resultate der genannten Disziplinen auch wieder in den common sense und die sogenannte natürliche Welthaltung in der Lebensführung ein. Daher sei es sinnvoll, für diesen gemeinsamen Bezugspunkt auf die praktische Lebensführung auch einen gemeinsamen Rahmen zu erstellen, den man mit Max Scheler, Karl Jaspers, Georg Misch und Nicolai Hartmann eine „Wissenschaft von der Person“ (ebd., 74) nennen könne. Bei aller Kritik an cartesianischen Trennungen, die sich im institutionalisierten Wissenschaftsbetrieb verselbständigt hätten, ist diese Wissenschaft von der Person doch nicht als Ersatz für methodisch strenge Erfahrungswissenschaften, sondern als ein Rahmen für die gemeinsamen Voraussetzungen und Folgen der Disziplinierung von Wissenschaften in der Lebenswelt gedacht. Diesem Anliegen diente auch Plessners Philosophischer Anzeiger. Zeitschrift für die Zusammenarbeit von Philosophie und Einzel-wissenschaft (Bonn 1925–1930), der sich ausdrücklich nicht als Organ einer Schule, sondern als Plattform für Philosophen aus verschiedenen Richtungen und für philosophisch interessierte Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen verstand (Dietze 2006, 57–58).","PeriodicalId":282656,"journal":{"name":"Homo absconditus","volume":"52 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2019-12-16","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"0","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Homo absconditus","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://doi.org/10.1515/9783110666373-007","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
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Abstract
Helmuth Plessner wendet sich in seinen philosophischen Büchern der 1920er Jahre ausdrücklich nicht nur an Philosophen, sondern auch an Biologen, Mediziner, Psychologen, Psychiater, Pädagogen, Soziologen, Kulturwissenschaftler, Historiker und Juristen, da es in all diesen Disziplinen das Problem gebe, die „fraktionierenden Betrachtungsweisen des Menschen“ (Plessner 1975, 37) zu überwinden. Alle diese Disziplinen setzten einerseits den common sense (ebd., XIX, XXII) und die durch geschichtliche Gewöhnung für natürlich gehaltene Alltagswelt voraus, um aus ihnen eine disziplinenspezifische Auswahl von methodisch zu bearbeitenden Problemen vorzunehmen. Andererseits gingen die empirischen, technischen und konzeptuellen Resultate der genannten Disziplinen auch wieder in den common sense und die sogenannte natürliche Welthaltung in der Lebensführung ein. Daher sei es sinnvoll, für diesen gemeinsamen Bezugspunkt auf die praktische Lebensführung auch einen gemeinsamen Rahmen zu erstellen, den man mit Max Scheler, Karl Jaspers, Georg Misch und Nicolai Hartmann eine „Wissenschaft von der Person“ (ebd., 74) nennen könne. Bei aller Kritik an cartesianischen Trennungen, die sich im institutionalisierten Wissenschaftsbetrieb verselbständigt hätten, ist diese Wissenschaft von der Person doch nicht als Ersatz für methodisch strenge Erfahrungswissenschaften, sondern als ein Rahmen für die gemeinsamen Voraussetzungen und Folgen der Disziplinierung von Wissenschaften in der Lebenswelt gedacht. Diesem Anliegen diente auch Plessners Philosophischer Anzeiger. Zeitschrift für die Zusammenarbeit von Philosophie und Einzel-wissenschaft (Bonn 1925–1930), der sich ausdrücklich nicht als Organ einer Schule, sondern als Plattform für Philosophen aus verschiedenen Richtungen und für philosophisch interessierte Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen verstand (Dietze 2006, 57–58).