{"title":"文化活动","authors":"K. Schiltz","doi":"10.25371/troja.v20162733","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"Es kommt nicht häufig vor, dass Kolleginnen und Kollegen aus benachbarten Fächern so intensiv über ein Objekt diskutieren wie über die von der Forschung bislang kaum beachtete Handschrift Mus.Hs. 2129 der Österreichischen Nationalbibliothek (im Folgenden Wien 2129). 1 Nun eignet sich diese Prachthandschrift ausgezeichnet als Fallstudie, um den Dialog über die Fachgrenzen hinaus zu erproben, kombiniert sie doch auf kunstvolle Art und Weise Musik, Bild und Text (Letzteres sogar in zweifacher Gestalt: als Hochzeitsgedicht 2 und über die kommentierenden Begleittexte). Aber auch in anderer Hinsicht ist Wien 2129 geradezu prädestiniert für eine ›Probebohrung‹ auf dem Gebiet der Intermedialität in der Frühen Neuzeit. Denn das aus fünfzehn Blättern zusammengestellte Manuskript in Chorbuchformat wirkt in seiner Erscheinung geradezu paradox: Einerseits suggeriert die Beschränkung auf nur eine Komposition (in drei Partes) eine gewisse Überschaubarkeit, andererseits scheint – unterstützt durch das imponierende Format (64,1 × 58,9 cm) – gerade diese Beschränkung eine Seitengestaltung zu begünstigen, ja anzuregen, die durch ihre schiere varietà auf eine »kalkulierte Überforderung« des Betrachters zielt (ein derartiger Aufwand wird wohl kaum grundlos betrieben). 3 Zwar lassen sich zwischen einzelnen Seiten immer wieder Verbindungen herstellen und werden Themen, Formen und Motive quasi von der einen Doppelseite zur nächsten weitergereicht, aber dennoch ist jede Seite insofern individuell gestaltet, als Richard von Genua vor dem Hintergrund eines theologischen Programms immer wieder die Verhältnisse zwischen den Medien Musik, Text und Bild – kurzum die gesamte Mise-en-page – austarieren muss. 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Intermedialität, Emblematik und Lesestrukturen in Wien 2129
Es kommt nicht häufig vor, dass Kolleginnen und Kollegen aus benachbarten Fächern so intensiv über ein Objekt diskutieren wie über die von der Forschung bislang kaum beachtete Handschrift Mus.Hs. 2129 der Österreichischen Nationalbibliothek (im Folgenden Wien 2129). 1 Nun eignet sich diese Prachthandschrift ausgezeichnet als Fallstudie, um den Dialog über die Fachgrenzen hinaus zu erproben, kombiniert sie doch auf kunstvolle Art und Weise Musik, Bild und Text (Letzteres sogar in zweifacher Gestalt: als Hochzeitsgedicht 2 und über die kommentierenden Begleittexte). Aber auch in anderer Hinsicht ist Wien 2129 geradezu prädestiniert für eine ›Probebohrung‹ auf dem Gebiet der Intermedialität in der Frühen Neuzeit. Denn das aus fünfzehn Blättern zusammengestellte Manuskript in Chorbuchformat wirkt in seiner Erscheinung geradezu paradox: Einerseits suggeriert die Beschränkung auf nur eine Komposition (in drei Partes) eine gewisse Überschaubarkeit, andererseits scheint – unterstützt durch das imponierende Format (64,1 × 58,9 cm) – gerade diese Beschränkung eine Seitengestaltung zu begünstigen, ja anzuregen, die durch ihre schiere varietà auf eine »kalkulierte Überforderung« des Betrachters zielt (ein derartiger Aufwand wird wohl kaum grundlos betrieben). 3 Zwar lassen sich zwischen einzelnen Seiten immer wieder Verbindungen herstellen und werden Themen, Formen und Motive quasi von der einen Doppelseite zur nächsten weitergereicht, aber dennoch ist jede Seite insofern individuell gestaltet, als Richard von Genua vor dem Hintergrund eines theologischen Programms immer wieder die Verhältnisse zwischen den Medien Musik, Text und Bild – kurzum die gesamte Mise-en-page – austarieren muss. Man kann sich dieser Handschrift auf unterschiedliche Arten und aus unterschiedlichen Richtungen nähern, wie das auch in diesem Band geschieht: einmal, indem man den Fokus auf Fragen der Musik, der Dichtung, der Ikonographie, der