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Interpersonalität und Konversation – Voraussetzungen für eine Theorie
Der »relational turn« hat sich, ausgehend von starken Anstößen durch Steven Mitchell und seine Gruppe, seit den 1990er Jahren enorm ausgebreitet. Auf der anderen Seite gibt es in der Psychoanalyse eine stärkere Tendenz der Rückentwicklung zu non-relationalen Positionen, zum Kleinianismus und zu monadischen Denkformen. Ich diskutiere an einem Beispiel zunächst die Form der Auseinandersetzung, gehe dann auf einige Theorieprobleme ein und versuche dann zu vermitteln, dass die sozialwissenschaftliche Konversationsanalyse (KA) ein erhebliches Potenzial hat, relationale Positionen zu unterstützen – wenn nur das Vorurteil, sie sei »behavioristisch« (durch deutsche Rezeptionsbarrieren entstanden), überwunden würde. In der amerikanischen relationalen Psychoanalyse wird Gadamers »Gespräch« beständig mit »conversation« übersetzt (etwa bei Donna Orange, 2011), was zu geringeren Rezeptionsschwierigkeiten führt. Die KA ist ein international breit etabliertes Forschungsprogramm, dessen Potenziale für eine relationale Psychoanalyse attraktiv sind. Sie hat Verzweigungen zu Sozialtheorie und Linguistik, zu Interaktionsforschung und Hermeneutik, zu Intersubjektivität und Erkenntnistheorie. Vergleichbare Interessen haben auch relationale Psychoanalytiker entwickelt, ohne freilich eine eigene Forschungsmethode zu etablieren. Hier bieten sich Allianzen mit der Konversationsanalyse an. Ich skizziere am Schluss einige Möglichkeiten solcher Verbindung und eröffne Diskussionslinien um den Begriff der »Person« und der »Interpersonalität«.