Two halves

Lee McGowan
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Im ersten Teil wird aufgezeigt, dass das Dasein als Fan eng mit Konsumaspekten – nicht zuletzt mit solchen des Medienkonsums – verknüpft ist. Im Wechsel von der Mikrozur Makroperspektive werden sodann die gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen beleuchtet. Abschließend wird erläutert, inwieweit (Profi-)Fußball als postmoderne Kulturform aufzufassen ist. Die zentrale Erkenntnis der ersten Kapitel ist eine erweiterte Definition des Begriffs „Fan“, die aus den Interviews von Zuschauern resultiert. Gefragt, warum sie sich selbst für Fans halten, tauchen in fast allen Antworten Aspekte der Medienzuwendung auf: Man versteht sich als Fan, weil man absichtsvoll und regelmäßig Spiele ansieht, die Berichterstattung in den Printmedien über den Lieblingsverein verfolgt und sogar die Informationshäppchen im Teletext aufnimmt. Unter Rückgriff auf das Habituskonzept von Bourdieu argumentiert Sandvoss in der Folge, dass die Art und Weise des Konsums identitätsstiftend wirkt. Aufschlussreich auf der Individualebene ist zudem, dass der Lieblingsverein als Projektionsfläche für die eigenen Werte und Weltanschauungen dient: Die erfolgreiche Geschäftsfrau ist Chelsea-Anhängerin wegen der ruhmreichen Vergangenheit des Vereins, der glücklose freie Journalist stuft den selben Verein als erfolglos ein, der stets an den Umständen scheitert, obwohl er über gute Voraussetzungen verfügt. Beide ziehen mehr oder weniger explizit Parallelen zu ihrer eigenen Lebenssituation und identifizieren sich aufgrund der Sachverhalte, die zu ihren Auslegungen passen, mit dem Klub. Nach einer klaren Absage an Habermas’ normatives Öffentlichkeitskonzept zugunsten eines breiteren Verständnis von Öffentlichkeit wird die Verflechtung der Fans mit der Öffentlichkeitssphäre demonstriert. Über den Fußball sind sie durchaus an gesellschaftspolitischen Diskursen beteiligt, wenn dort Themen wie Ausländerfeindlichkeit oder Homosexualität virulent werden. Quintessenz des zweiten Abschnitts ist aber die gemeinschaftsbildende Funktion des Fußballs, wobei die Gemeinschaften nicht länger regional beschränkt bleiben. Vielmehr entstehen durch die verstärkte mediale Verbreitung globale „dritte Kulturen“, die losgelöst von Zeit und Ort sind. Besonders deutlich wird dies etwa am Beispiel einer Gruppe norwegischer Fans, die kontinuierlich die Spiele der englischen Liga verfolgen und dort auch ihre Lieblingsvereine haben, während das einheimische Fußballgeschehen für sie bedeutungslos ist. Die umfassende kulturwissenschaftliche Betrachtungsweise führt dazu, dass die Rolle der Medien zwar angesprochen wird, aber insgesamt unterbelichtet bleibt, obwohl vor allem die Bedeutung des Fernsehens immer wieder herausgehoben wird. Allerdings liefert der abschließende Teil des Buches hier nichts grundlegend Neues. Dass ein Fußballspiel im Fernsehen für den Betrachter eine andere Qualität hat als ein Stadionbesuch, ist evident und auch ohne Rückgriff auf Baudrillard’sche Ausführungen zu Simulation und Hyperrealität zu erklären. Aufschlussreicher sind die Abschnitte, die die Rationalisierungsprozesse im professionellen Fußball aufschlüsseln. Hier werden Parallelen gezogen zu George Ritzers Ausführungen über die „McDonaldisierung“ der Fast-Food-Industrie. Die McDonaldisierung basiert auf vier Prinzipien: Effektivität, Kalkulierbarkeit, Kontrolle und Vorhersehbarkeit. 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Abstract

Zwei überraschende Erkenntnisse hält dieses Buch gleich zu Beginn bereit: die (süddeutsche) Fußballinteressierte ist verblüfft darüber, dass Bayer Leverkusen tatsächlich Fans hat, und die Kommunikationswissenschaftlerin registriert nicht weniger erstaunt, dass man einen Fußballklub als Text auffassen kann. Sobald man das Befremden über diese beiden Sachverhalte überwindet, gestaltet sich die Lektüre aber streckenweise durchaus interessant. Sandvoss will, in der Tradition der Cultural Studies, die Gründe für die Popularität von Fußball untersuchen und gleichzeitig herausfinden, welche Konsequenzen für Gesellschaft und Kultur sich aus dieser ungebrochenen Beliebtheit ergeben. Dabei bedient er sich qualitativer Interviews mit Fußballfans sowie der teilnehmenden Beobachtung. Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil wird aufgezeigt, dass das Dasein als Fan eng mit Konsumaspekten – nicht zuletzt mit solchen des Medienkonsums – verknüpft ist. Im Wechsel von der Mikrozur Makroperspektive werden sodann die gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen beleuchtet. Abschließend wird erläutert, inwieweit (Profi-)Fußball als postmoderne Kulturform aufzufassen ist. Die zentrale Erkenntnis der ersten Kapitel ist eine erweiterte Definition des Begriffs „Fan“, die aus den Interviews von Zuschauern resultiert. Gefragt, warum sie sich selbst für Fans halten, tauchen in fast allen Antworten Aspekte der Medienzuwendung auf: Man versteht sich als Fan, weil man absichtsvoll und regelmäßig Spiele ansieht, die Berichterstattung in den Printmedien über den Lieblingsverein verfolgt und sogar die Informationshäppchen im Teletext aufnimmt. Unter Rückgriff auf das Habituskonzept von Bourdieu argumentiert Sandvoss in der Folge, dass die Art und Weise des Konsums identitätsstiftend wirkt. Aufschlussreich auf der Individualebene ist zudem, dass der Lieblingsverein als Projektionsfläche für die eigenen Werte und Weltanschauungen dient: Die erfolgreiche Geschäftsfrau ist Chelsea-Anhängerin wegen der ruhmreichen Vergangenheit des Vereins, der glücklose freie Journalist stuft den selben Verein als erfolglos ein, der stets an den Umständen scheitert, obwohl er über gute Voraussetzungen verfügt. Beide ziehen mehr oder weniger explizit Parallelen zu ihrer eigenen Lebenssituation und identifizieren sich aufgrund der Sachverhalte, die zu ihren Auslegungen passen, mit dem Klub. Nach einer klaren Absage an Habermas’ normatives Öffentlichkeitskonzept zugunsten eines breiteren Verständnis von Öffentlichkeit wird die Verflechtung der Fans mit der Öffentlichkeitssphäre demonstriert. Über den Fußball sind sie durchaus an gesellschaftspolitischen Diskursen beteiligt, wenn dort Themen wie Ausländerfeindlichkeit oder Homosexualität virulent werden. Quintessenz des zweiten Abschnitts ist aber die gemeinschaftsbildende Funktion des Fußballs, wobei die Gemeinschaften nicht länger regional beschränkt bleiben. Vielmehr entstehen durch die verstärkte mediale Verbreitung globale „dritte Kulturen“, die losgelöst von Zeit und Ort sind. Besonders deutlich wird dies etwa am Beispiel einer Gruppe norwegischer Fans, die kontinuierlich die Spiele der englischen Liga verfolgen und dort auch ihre Lieblingsvereine haben, während das einheimische Fußballgeschehen für sie bedeutungslos ist. Die umfassende kulturwissenschaftliche Betrachtungsweise führt dazu, dass die Rolle der Medien zwar angesprochen wird, aber insgesamt unterbelichtet bleibt, obwohl vor allem die Bedeutung des Fernsehens immer wieder herausgehoben wird. Allerdings liefert der abschließende Teil des Buches hier nichts grundlegend Neues. Dass ein Fußballspiel im Fernsehen für den Betrachter eine andere Qualität hat als ein Stadionbesuch, ist evident und auch ohne Rückgriff auf Baudrillard’sche Ausführungen zu Simulation und Hyperrealität zu erklären. Aufschlussreicher sind die Abschnitte, die die Rationalisierungsprozesse im professionellen Fußball aufschlüsseln. Hier werden Parallelen gezogen zu George Ritzers Ausführungen über die „McDonaldisierung“ der Fast-Food-Industrie. Die McDonaldisierung basiert auf vier Prinzipien: Effektivität, Kalkulierbarkeit, Kontrolle und Vorhersehbarkeit. Die Effektivitätssteigerung im Fußball – also die Erhöhung der Profite bei maximaler Ausnutzung der Ressourcen – besteht darin, dass Literatur · Besprechungen
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两半
这本书有两项令人惊讶的发现在第一页的时候就已经准备好了:这个(南德)人的足球练得很惊讶,他们被巴伐利亚人真的雇用了人,而这一交流科学家发现:人可以把足球俱乐部看作是歌词。如果对这两个问题的疑惑克服后,读书会很有趣。桑沃斯·霍华斯就在《文化研究学院传统》里——研究足球民众受欢迎的原因和了解这种持续不断的喜爱给社会和文化带来的影响。他们在利用球迷的质量采访以及参与的观察。这本书分成了三节。第一部分会说,身为粉丝在对待消费方面是几乎总是会考虑到的,尤其是考虑到媒体消费的方面。类似地,这场灾难揭示了一个舞台的真实情况。最后,报告确定了足球是否属于后现代文化形式(职业)。前一章的关键理解是对“粉丝”一词的广义定义,源自于接受访问的人。问为什么你认为自己粉丝的出现几乎在所有方面的Medienzuwendung答案:解读自己的粉丝,因为absichtsvoll并定期看游戏进行了媒体报导,最喜欢跟踪甚至Informationshäppchen在Teletext吸收.桑沃斯用布迪欧的格言思考时,其结论是消费方式具有惯性。启发性Individualebene上也最喜欢作为把自己的价值观和信仰的投影:成功商人是Chelsea-Anhängerin因为协会的英姿过去倒霉的自由记者将身体对于同一作为成功过,协会一贯视乎实际情况失败,尽管他拥有良好的条件.其对自身生活的了解越来越明确地与自己的生活处境颇为相似,根据根据其解释的事实事实与不同的利益群体共同识别问题。粉丝显然拒绝哈贝马斯的规范信息概念,以支持对更多公众的理解,展现出球迷与公共空间的融合。在关于足球的磋商中,不少都涉及了令人毛骨悚然的针对仇外主义和同性恋问题的粉饰政策。但第二部分的关键是足球的集体功能,社区不再受到地区限制。相反,全球“第三文化”是通过媒体日益扩散而产生的,孤立于时间和地点之外。特别是一群挪威球迷的例子,他们一直在看英国联赛的比赛,并且拥有自己最喜爱的俱乐部,而他们对本地的足球活动却毫无意义。从广义的文化角度看问题意味着虽然人们对媒体的作用表示了关切,但总体而言他们对媒体的作用仍然一味看不清,而重点是电视的重要性一直被大肆宣扬。不过,书本的最后部分并没有带来什么实质性的新发现。事实上,电视转播的足球比赛对于观众来说和入场的比赛质量是不同的,这就不难理解为什么不使用baudriard的概念来模拟和超现实。有关在职业足球中运用效率的资料,能令你更明白。正如乔治·里泽所说的,快餐业的“麦当劳化”mcandrews测序基于四个原则:效率,可预测性,控制和可预知。Effektivitätssteigerung足球中也就是提高利润发挥到最大利用了资源,在于文学·会议
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