Selbstbemächtigung und das Sprechen über den Missbrauch. Eine Untersuchung an der Schnittstelle zwischen Literaturwissenschaft, Geschichte und Psychologie

Armen Hesse
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Abstract

Trotz der in den letzten zwei Jahrzehnten breiteren Rezeption von Selbstzeugnissen von Missbrauchsopfern in der Geschichts- und Literaturwissenschaft fehlt nach wie vor eine zufriedenstellende Erklärung zur Funktion sowie eine Methodik zur Untersuchung solcher. Seit den 1990er Jahren verfolgt die Psychologie den Ansatz, traumatischen Erfahrungen im Sinne einer Rekonstruktion des Selbst schreibend zu begegnen. In diesem Sinne wird der folgende Beitrag den Aspekt der Selbstbemächtigung als narrative Strategie gegenüber identitätszersetzenden Missbrauchserfahrungen in Selbstzeugnissen der 2010er Jahre untersuchen. Dabei nimmt der Verfasser zunächst die Entwicklung des Opferstatus in Gesellschaft und Geschichtswissenschaft in den Blick. Erst die gesellschaftliche Anerkennung von Holocaustopfern und der Opferperspektive in den 1990er Jahren ermöglicht das Sprechen und Schreiben über den Missbrauch. Der kontextübergreifende und diachrone Aspekt der Selbstbemächtigung wird im Anschluss daran an der palimpsestierenden Lektüre von bereits untersuchten Interviews und Memoiren von Holocaustüberlebenden sowie der eingehenden Lektüre drei seit 2010 veröffentlichter Selbstzeugnisse versuchsweise untersucht. Der Akt der Veröffentlichung nötigt dabei die Untersuchung der narrativen Selbstbemächtigung im Primärtext gegenüber dem umgebenden Paratext, also der verlegerischen Gestaltung des Buches und medialer Begleittexte. Die Untersuchung zeigt dabei nicht nur, dass der Selbstbemächtigung vor allem in Selbstzeugnissen des ausgehenden 20. sowie 21. Jahrhunderts eine entscheidende kontextunabhängige Funktion zukommt, sondern schlägt auch eine methodische Vorgehensweise zur Untersuchung veröffentlichter, retrospektiver Selbstzeugnisse durch Geschichts- und Literaturwissenschaft vor.
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