Der Wut auf der Spur. Zur Rolle von Emotionen in Russlands Politik gegenüber dem Westen

R. Heller
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Abstract

Trotz anhaltend schwacher Wirtschaftsleistung zeigt Russland größte Entschlossenheit, seinen globalen Einfluss zu vergrößern. Dabei ist Russlands Politik hochgradig konfliktträchtig: Zum einen spielen hard power und der Rückgriff auf Gewalt als Mittel der Außenpolitik eine deutlich größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Eine Verschlechterung der Beziehungen mit dem Westen und dauerhafte Verwerfungen scheinen russische Entscheidungsträger dabei bewusst in Kauf zu nehmen. Die völkerrechtswidrige Angliederung der Krim durch Moskau im April 2014 und die verdeckte militärische Operation in der Ostukraine haben eine veritable Krise in den Beziehungen herbeigeführt. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich diese negative Entwicklung schon seit längerem angekündigt hat. Erste handfeste Verwerfungen folgten nach Russlands militärischer Intervention in Georgien 2008. Irritationen im Verhältnis gab es zudem auch vorher immer wieder. Dabei findet sich im offiziellen russischen Diskurs stets ein ähnlicher Sub-Text, der deutliche Gefühle der Wut transportiert, insbesondere über die Erfahrung von Missachtung Russlands in den internationalen Beziehungen durch den Westen.1 Welche Funktion hat diese Wut? Und vor allem: Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesem vorgebrachten Gefühl und Russlands neuer Großmachtpolitik, und wenn ja, welchen? Inhaltlich suggerieren die aus Russland vorgebrachten rhetorischen Wut-Figuren, dass hier der moralische Vorwurf einer Geringschätzung der selbst-definierten Rolle, Relevanz und Position – kurz: des sozialen Status Russlands in den internationalen Beziehungen – zum Ausdruck kommt. In diesem Sinne ist in der Forschung zunehmend darauf hingewiesen worden, dass Russlands Verhalten in den internationalen Beziehungen nicht zu verstehen sei, ohne dabei die Sorge seiner politischen Eliten um den sozialen Status des Landes als ein-
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他们在找愤怒的踪迹情感在俄罗斯对西方的政策中所起的作用
尽管俄罗斯经济表现持续低迷,但它仍然表现出最大的决心来增强其全球影响力。但俄罗斯的政策十分倾向于冲突:硬权力和使用武力作为外交政策的手段的作用要远远超过几年前。俄罗斯领导人似乎有意接受与西方关系恶化和永久性混乱。2014年4月莫斯科非法吞并了克里米亚,加上乌克兰东部秘密军事行动,两国关系陷入了危机。不过,事实是早在许多年前就有人宣布会有这样的消极发展。2008年俄罗斯对格鲁吉亚的军事干预导致了第一场切实的混乱。此外,在此之前关系老是让人误会。不过,俄国官方论调中,也常常有类似的“二层”,具体地讲了愤怒的感觉,尤其是俄国漠视外国关系的经验。1这种愤怒具有什么作用呢?最重要的是,弹出的感觉与俄罗斯的新强权政策之间是否有联系?在内容上,对俄罗斯所提的措辞暗示出对俄罗斯单方面规定的角色、相关性和立场的蔑视反映了道德方面的指责——简单地说,就是俄罗斯在国际关系中的社会地位。从这个意义上讲,有越来越多的学者认为俄罗斯无法理解其国际关系行为,除非其政治精英关注俄罗斯作为一个国家的社会地位
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