{"title":"Technik, Krieg und Medien. Zur Imagination von Idealkörpern in den zwanziger Jahren","authors":"Michael Cowan, K. Sicks","doi":"10.14361/9783839402887-001","DOIUrl":null,"url":null,"abstract":"„Wege zu Kraft und Schonheit“ versprechen Wilhelm Prager und Nicholas Kaufmann im Titel ihres „Films uber moderne Korperkultur“, der 1925 binnen weniger Monate zum Welterfolg wird. Die Eroffnungssequenz des Films aber bietet, sieht man von der Darstellung zweier antiker Skulpturen ab, nichts dergleichen: Statt der angekundigten „starken“ oder „schonen“ Korper, statt Bildern von Athleten, Nudisten und Revuetanzerinnen tritt dem Kinopublikum deren genaues Gegenteil vor Augen. In einer Serie von Miniaturen des modernen Lebens zeigt Prager konvulsivische Korper, die jede Selbstkontrolle verloren haben, mechanisierte Korper, die dem Zwangstempo der Fliesbandproduktion unterworfen sind, und bucklig-entstellte Korper, die sich in schlecht belufteten Schulraumen, Burokammern und Fabrikhallen uber Bucher, Schreibmaschinen und Werkzeuge krummen. Die Sequenz mundet in eine alptraumhafte Verfallsvision: Einem ablaufenden Stundenglas und einem Zwischentitel mit den Worten „Ihre Sunden werden an den Tag kommen“ folgt die Aufnahme einer jugendlichen Personengruppe, die nur als die degenerierte Nachkommenschaft einer Generation gedeutet werden kann, die ihre korperliche Kultivierung vollstandig vernachlassigt hat. In der Logik des Films erfullen diese Szenen eine eindeutige Funktion: Sie verorten die spateren Imaginationen einer zu Kraft und Schon-","PeriodicalId":313450,"journal":{"name":"Leibhaftige Moderne","volume":"29 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0000,"publicationDate":"2005-12-31","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":"3","resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":null,"PeriodicalName":"Leibhaftige Moderne","FirstCategoryId":"1085","ListUrlMain":"https://doi.org/10.14361/9783839402887-001","RegionNum":0,"RegionCategory":null,"ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":null,"EPubDate":"","PubModel":"","JCR":"","JCRName":"","Score":null,"Total":0}
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Abstract
„Wege zu Kraft und Schonheit“ versprechen Wilhelm Prager und Nicholas Kaufmann im Titel ihres „Films uber moderne Korperkultur“, der 1925 binnen weniger Monate zum Welterfolg wird. Die Eroffnungssequenz des Films aber bietet, sieht man von der Darstellung zweier antiker Skulpturen ab, nichts dergleichen: Statt der angekundigten „starken“ oder „schonen“ Korper, statt Bildern von Athleten, Nudisten und Revuetanzerinnen tritt dem Kinopublikum deren genaues Gegenteil vor Augen. In einer Serie von Miniaturen des modernen Lebens zeigt Prager konvulsivische Korper, die jede Selbstkontrolle verloren haben, mechanisierte Korper, die dem Zwangstempo der Fliesbandproduktion unterworfen sind, und bucklig-entstellte Korper, die sich in schlecht belufteten Schulraumen, Burokammern und Fabrikhallen uber Bucher, Schreibmaschinen und Werkzeuge krummen. Die Sequenz mundet in eine alptraumhafte Verfallsvision: Einem ablaufenden Stundenglas und einem Zwischentitel mit den Worten „Ihre Sunden werden an den Tag kommen“ folgt die Aufnahme einer jugendlichen Personengruppe, die nur als die degenerierte Nachkommenschaft einer Generation gedeutet werden kann, die ihre korperliche Kultivierung vollstandig vernachlassigt hat. In der Logik des Films erfullen diese Szenen eine eindeutige Funktion: Sie verorten die spateren Imaginationen einer zu Kraft und Schon-