进行辩论

J. Kirchheimer
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Viel seltener wird allerdings über einen dritten Aspekt des Friedensprozesses berichtet, der gerade im Hinblick auf Debatten über die gesellschaftliche und politische Wirkung von Wahrheitskommissionen nicht weniger interessant ist: die Bildungsreform und insbesondere die Revision des Curriculums, die sowohl in den Friedensverträgen von 1996 als auch in den Empfehlungen der CEH von 1999 verankert wurden. Diese Auslassung ist durchaus überraschend: Schließlich werden Wahrheitskommissionen häufig damit legitimiert, dass die offizielle Anerkennung von Verbrechen, Tätern und Opfern, einen gewissermaßen pädagogischen Effekt habe (Mendeloff 2011: 358). So argumentierte Hayner (1994: 607), dass Wahrheitskommissionen einen gesellschaftlichen Lernprozess anstoßen könnten, der die Wiederholung von Verbrechen unwahrscheinlicher mache und Geschichtsrevisionismus unterbinde. 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摘要

在1996年,在瓜地马拉国家和游击队之间多年的谈判之后,自危地马拉的和平进程和真相委员会(Comisión de Esclarecimiento Histó里科,CEH)的一系列学术辩论.收入的一个重要参考原因之一是,中美洲所扮演的国际冲突改变政策试验室的角色(2013年,布雷特;布拉格,英国)Kurtenbach 2007) .另一方面,CEH代表了机构化的新启蒙运动。委员会并没有孤立地看待若干罪行,而是试图在其历史和体制背景下解释大规模犯罪(Grandin 2012)。很多罕见圣经关于和平进程的第三个方面刚刚所产生的社会和政治影响辩论委员会不是同样有趣的是,委员会就教育改革,尤其是修正Curriculums委员会在1996年两国签署的和平协议和建议CEH被写入了1999 .经理先生事实上,海纳的想法(1994年和607)指出:“真相委员会”可能会触发一个学习社会的过程,从而减少犯罪再次发生的可能性,并妨碍历史的修正主义。萨拉特夫(1995年:113岁)将“真相委员会”形容为对过去的讨论的方法,是减少萨拉特夫的谎言(可食用的谎言)。在拉丁美洲的情况下,这样的结论是有道理的,因为保密常常成为国家采取暴力的战略选择之一。(《1.
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1996 wurde nach Jahren der Verhandlungen zwischen dem guatemaltekischen Staat und der Guerillaorganisation Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca (URNG), einer der längsten und blutigsten bewaffneten Konflikte des Kalten Krieges beendet. Seither stellen der guatemaltekische Friedensprozess und die Wahrheitskommission (Comisión de Esclarecimiento Histórico, CEH) eine wichtige Referenz für eine Reihe akademischer Debatten dar. Das liegt einerseits an der Rolle Zentralamerikas als Laboratorium für internationale Politiken der Konflikttransformation (Brett 2013; Kurtenbach 2007). Andererseits repräsentierte die CEH einen bis dato neuen Typus institutionalisierter Aufklärung. Statt einer Reihe von Vergehen isoliert zu betrachten, versuchte die Kommission, Massenverbrechen in ihrem historischen und institutionellem Zusammenhang zu erklären (Grandin 2012). Viel seltener wird allerdings über einen dritten Aspekt des Friedensprozesses berichtet, der gerade im Hinblick auf Debatten über die gesellschaftliche und politische Wirkung von Wahrheitskommissionen nicht weniger interessant ist: die Bildungsreform und insbesondere die Revision des Curriculums, die sowohl in den Friedensverträgen von 1996 als auch in den Empfehlungen der CEH von 1999 verankert wurden. Diese Auslassung ist durchaus überraschend: Schließlich werden Wahrheitskommissionen häufig damit legitimiert, dass die offizielle Anerkennung von Verbrechen, Tätern und Opfern, einen gewissermaßen pädagogischen Effekt habe (Mendeloff 2011: 358). So argumentierte Hayner (1994: 607), dass Wahrheitskommissionen einen gesellschaftlichen Lernprozess anstoßen könnten, der die Wiederholung von Verbrechen unwahrscheinlicher mache und Geschichtsrevisionismus unterbinde. Ignatieff (1995: 113), beschreibt Wahrheitskommissionen als ein Mittel, Vergangenheitsdiskurse einzuhegen, indem die Anzahl lässlicher Lügen (permissible lies) reduziert werde. Gerade im lateinamerikanischen Kontext sind solche Argumente plausibel, da Geheimhaltung oftmals selbst zu einem strategischen Element staatlicher Gewaltausübung wurde (Oettler 2008: 86). 1.
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