Zwei prägende Namen und Methoden sind hier in Beziehung gesetzt: Michael BALINT für die psychoanalytische Methode und Raoul SCHINDLER für eine psychoanalytisch-rangdynamische Methode, die „Gruppendynamik“: beide sind besonders geeignet für Training und (Lehr)Supervision. Nach einer kurzen biographischen Darstellung von Michael Balint (1896–1970) und Raoul Schindler (1923–2014) erfolgt ein Vergleich beider Methoden.Bei der dynamischen Gruppe mit bi- und multifokalen Beziehungsstrukturen haben Gruppen dieser Art sich selbst zum Thema. Interne und externe Beziehungen werden unter den Aspekten der Rangdynamik und der unterschiedlichen emotionalen Sensibilität der Gruppenmitglieder untersucht. Externe „unbeteiligte Beobachter(m/w/i)“ können konstruktive Beiträge für den Reflexionsprozess leisten. Die Expertentrainer(m/w/i) übernehmen gemäß den bekannten Diskretions- und Abstinenzregeln die Funktion von „unbeteiligten Expertenbegleitern“, die zuvor in einem separaten Prozess zusammen mit mindestens einem der Trainer(m/w/i) ihre eigenen Strategien und Interventionen in dem supervisorischen Umfeld reflektieren. Die Idee, Beziehungen zu spiegeln, realisiert sich durch die Anwendung der Methoden und Techniken der klassischen Psychoanalyse in einer Gruppe von Spezialisten – der Balintgruppe. Neu ist die Verwendung einer Gruppe selbst als „Organ“ zur systematischen Darstellung und Reflexion der Außenbeziehungen sowie der Gruppenmitglieder(m/w/i), um dies zu erreichen. Werden die „Problembereiche“ unserer eigenen Verhaltensmuster und die eigene Verwundbarkeit aufgrund von oft vor- oder gänzlich unbewussten Traumata kennengelernt, kann der gesamte Prozess dazu beitragen, sich von problematischen Beziehungen zu befreien oder sie im besten Fall neu zu formen. Abseits therapeutischer Überlegungen ist das ein konstruktiver Weg des Trainings der Selbst- und Beziehungsreflexion sowohl für angehende als auch im Beruf stehende Experten(m/w/i). Die Art der Balint-Gruppenarbeit ist daher im Wesen analytisch, doch nicht primär therapeutisch. Sie folgt dem Prinzip einer analytischen Reflexionsgruppe mit einer verhaltensmodifizierenden Einstellung. Die Teilnehmer(m/w/i) können sich der eigenen, vor- oder unbewussten Beteiligung an einer „schwierigen“ externen Beziehung innerhalb und mithilfe der Expertengruppe bewusst werden. Un- oder vorbewusste libidinöse Bindungen, die Dynamik zwischen einem Experten(m/w/i) und seinen bzw. ihren Patienten kann in einem „stellvertretenden Prozess“ innerhalb einer von Experten geleiteten, standardisierten Gruppe analysiert werden. Die Frage von virtuellen Gruppen (bspw. im Internet) wird reflektiert.
{"title":"Michael Balint und Raoul Schindler","authors":"Volkmar Ellmauthaler","doi":"10.1055/a-1674-6351","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1674-6351","url":null,"abstract":"Zwei prägende Namen und Methoden sind hier in Beziehung gesetzt: Michael\u0000 BALINT für die psychoanalytische Methode und Raoul SCHINDLER für\u0000 eine psychoanalytisch-rangdynamische Methode, die\u0000 „Gruppendynamik“: beide sind besonders geeignet für\u0000 Training und (Lehr)Supervision. Nach einer kurzen biographischen Darstellung von\u0000 Michael Balint (1896–1970) und Raoul Schindler (1923–2014)\u0000 erfolgt ein Vergleich beider Methoden.Bei der dynamischen Gruppe mit bi- und multifokalen Beziehungsstrukturen haben\u0000 Gruppen dieser Art sich selbst zum Thema. Interne und externe Beziehungen werden\u0000 unter den Aspekten der Rangdynamik und der unterschiedlichen emotionalen\u0000 Sensibilität der Gruppenmitglieder untersucht. Externe\u0000 „unbeteiligte Beobachter(m/w/i)“\u0000 können konstruktive Beiträge für den Reflexionsprozess\u0000 leisten. Die Expertentrainer(m/w/i)\u0000 übernehmen gemäß den bekannten Diskretions- und\u0000 Abstinenzregeln die Funktion von „unbeteiligten\u0000 Expertenbegleitern“, die zuvor in einem separaten Prozess zusammen mit\u0000 mindestens einem der Trainer(m/w/i) ihre eigenen\u0000 Strategien und Interventionen in dem supervisorischen Umfeld reflektieren. Die\u0000 Idee, Beziehungen zu spiegeln, realisiert sich durch die Anwendung der Methoden\u0000 und Techniken der klassischen Psychoanalyse in einer Gruppe von Spezialisten\u0000 – der Balintgruppe. Neu ist die Verwendung einer Gruppe selbst als\u0000 „Organ“ zur systematischen Darstellung und Reflexion der\u0000 Außenbeziehungen sowie der\u0000 Gruppenmitglieder(m/w/i), um dies zu erreichen.\u0000 Werden die „Problembereiche“ unserer eigenen Verhaltensmuster\u0000 und die eigene Verwundbarkeit aufgrund von oft vor- oder gänzlich\u0000 unbewussten Traumata kennengelernt, kann der gesamte Prozess dazu beitragen,\u0000 sich von problematischen Beziehungen zu befreien oder sie im besten Fall neu zu\u0000 formen. Abseits therapeutischer Überlegungen ist das ein konstruktiver\u0000 Weg des Trainings der Selbst- und Beziehungsreflexion sowohl für\u0000 angehende als auch im Beruf stehende Experten(m/w/i).\u0000 Die Art der Balint-Gruppenarbeit ist daher im Wesen analytisch, doch nicht\u0000 primär therapeutisch. Sie folgt dem Prinzip einer analytischen\u0000 Reflexionsgruppe mit einer verhaltensmodifizierenden Einstellung. Die\u0000 Teilnehmer(m/w/i) können sich der\u0000 eigenen, vor- oder unbewussten Beteiligung an einer\u0000 „schwierigen“ externen Beziehung innerhalb und mithilfe der\u0000 Expertengruppe bewusst werden. Un- oder vorbewusste libidinöse\u0000 Bindungen, die Dynamik zwischen einem Experten(m/w/i)\u0000 und seinen bzw. ihren Patienten kann in einem „stellvertretenden\u0000 Prozess“ innerhalb einer von Experten geleiteten, standardisierten\u0000 Gruppe analysiert werden. Die Frage von virtuellen Gruppen (bspw. im Internet)\u0000 wird reflektiert.","PeriodicalId":40662,"journal":{"name":"Balint-Journal","volume":" ","pages":""},"PeriodicalIF":0.2,"publicationDate":"2021-12-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"44945037","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Zusammenfassung Im zweiten Teil meines Textes lege ich den Fokus auf den mehrstufigen Trauerprozess, welcher uns erlaubt, den durch die Pandemie verursachten Verlust der Normalität und der Sicherheit erfolgreich zu verarbeiten. In Begleitung verschiedener literarischen Figuren werde ich analysieren, was passieren kann, wenn eine dieser Phasen (Leugnen, Zorn, Verhandeln, Leid, Annahme) nicht gelingt. Schliesslich lege ich dar, wie der Wiederaufbauprozess gefördert werden kann und welche Konzepte uns helfen, um unser schwieriges Zusammenleben mit der Unsicherheit zu gestalten.
{"title":"Der Mut zur Zerbrechlichkeit: Wie man dem Trauma der Pandemie begegnet und mit einer ungewissen Zeit lebt (Teil 2)","authors":"Giuliano Castigliego","doi":"10.1055/a-1500-6238","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1500-6238","url":null,"abstract":"Zusammenfassung Im zweiten Teil meines Textes lege ich den Fokus auf den mehrstufigen Trauerprozess, welcher uns erlaubt, den durch die Pandemie verursachten Verlust der Normalität und der Sicherheit erfolgreich zu verarbeiten. In Begleitung verschiedener literarischen Figuren werde ich analysieren, was passieren kann, wenn eine dieser Phasen (Leugnen, Zorn, Verhandeln, Leid, Annahme) nicht gelingt. Schliesslich lege ich dar, wie der Wiederaufbauprozess gefördert werden kann und welche Konzepte uns helfen, um unser schwieriges Zusammenleben mit der Unsicherheit zu gestalten.","PeriodicalId":40662,"journal":{"name":"Balint-Journal","volume":"22 1","pages":"68 - 79"},"PeriodicalIF":0.2,"publicationDate":"2021-09-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"49057461","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Zusammenfassung Die medizinische Anthropologie des Arztes und Mitbegründers der Psychosomatik in Deutschland, Viktor von Weizsäcker (1886-1957), ist im heutigen medizinischen Umfeld weitgehend vergessen oder unbekannt. Dieser Umstand ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass v. Weizsäcker keine klar umrissene „Schule“ gegründet hat und die sprachlich und inhaltlich komplexen Texte eine anhaltende und intensive Lektüre erfordern – in der modernen Arbeitswelt mit wenig Zeitreserven eine schwer zu überwindende Hürde. Dennoch lohnt sich das Wissen um das v. Weizsäcker’sche Denken ganz besonders in Berufen, in denen Umgangsfragen, wie z. B. zwischen Arzt/Therapeut und Patient, eine besondere Rolle spielen. Die medizinische Anthropologie gibt dazu Hinweise und stellt Instrumente bereit, die im Praxisalltag gewinnbringend Anwendung finden können. Um einen groben Überblick über die medizinische Anthropologie zu erhalten, werden im folgenden Beitrag zunächst einige grundlegende Aspekte von zwei Kernkonzepten, dem „Gestaltkreis“ und das „pathische Pentagramm“, mit seinen fünf Kategorien des „Dürfens“, „Müssens“, „Wollens“, „Sollens“ und „Könnens“ kurz erörtert. Anschließend wird die in dieser Hinsicht ganzheitlich orientierte Bewegungstherapie am Beispiel eines Patienten vorgestellt, der nach einem schweren Schädelhirntrauma u. a. an Schwindelzuständen und chronischen unspezifischen Kopfschmerzen leidet. Es wird deutlich, in welcher Weise das Gespräch und die sich wechselseitig beeinflussenden Begegnungen zwischen den Protagonisten eine entscheidende Rolle spielen.
医生兼德国精神病学联合创始人Viktor von Weizsäcker(1886-1957)的医学人类学在当今的医学环境中基本上被遗忘或不为人知。这种情况当然也是由于v.Weizsäcker没有建立一个明确定义的“学派”,而且语言和内容相关的复杂文本需要持续深入的阅读——这是在几乎没有时间储备的现代工作世界中很难克服的障碍。Weizsäcker的思想,尤其是在人际关系问题(如医生/治疗师和患者之间)发挥特殊作用的职业中。医学人类学提供指导,并提供可以在日常实践中获利的工具。为了对医学人类学有一个大致的了解,本文首先讨论了两个核心概念的一些基本方面,“格式塔圈”和“病态五角星”,包括“五月”、“必须”、“想要”、“应该”和“可以”五个类别随后,以一名严重创伤性脑损伤后出现头晕和慢性非特异性头痛的患者为例,介绍了整体运动疗法。很明显,主人公之间的对话和相互影响的遭遇是如何讨论的。我要感谢报告员。
{"title":"Der zerrissene Kämpfer: Ein Fahrradunfall mit Schädeltrauma","authors":"Michael Utech","doi":"10.1055/a-1586-1102","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1586-1102","url":null,"abstract":"Zusammenfassung Die medizinische Anthropologie des Arztes und Mitbegründers der Psychosomatik in Deutschland, Viktor von Weizsäcker (1886-1957), ist im heutigen medizinischen Umfeld weitgehend vergessen oder unbekannt. Dieser Umstand ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass v. Weizsäcker keine klar umrissene „Schule“ gegründet hat und die sprachlich und inhaltlich komplexen Texte eine anhaltende und intensive Lektüre erfordern – in der modernen Arbeitswelt mit wenig Zeitreserven eine schwer zu überwindende Hürde. Dennoch lohnt sich das Wissen um das v. Weizsäcker’sche Denken ganz besonders in Berufen, in denen Umgangsfragen, wie z. B. zwischen Arzt/Therapeut und Patient, eine besondere Rolle spielen. Die medizinische Anthropologie gibt dazu Hinweise und stellt Instrumente bereit, die im Praxisalltag gewinnbringend Anwendung finden können. Um einen groben Überblick über die medizinische Anthropologie zu erhalten, werden im folgenden Beitrag zunächst einige grundlegende Aspekte von zwei Kernkonzepten, dem „Gestaltkreis“ und das „pathische Pentagramm“, mit seinen fünf Kategorien des „Dürfens“, „Müssens“, „Wollens“, „Sollens“ und „Könnens“ kurz erörtert. Anschließend wird die in dieser Hinsicht ganzheitlich orientierte Bewegungstherapie am Beispiel eines Patienten vorgestellt, der nach einem schweren Schädelhirntrauma u. a. an Schwindelzuständen und chronischen unspezifischen Kopfschmerzen leidet. Es wird deutlich, in welcher Weise das Gespräch und die sich wechselseitig beeinflussenden Begegnungen zwischen den Protagonisten eine entscheidende Rolle spielen.","PeriodicalId":40662,"journal":{"name":"Balint-Journal","volume":"22 1","pages":"87 - 98"},"PeriodicalIF":0.2,"publicationDate":"2021-09-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"49160908","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Zusammenfassung In den letzten 25 Jahren haben die meisten Länder der westlichen Welt tiefgreifende Veränderungen ihrer Gesundheitssysteme erfahren. Die Auswirkungen des sozio-ökonomischen Kontexts auf die Balint-Gruppenarbeit wird herausgearbeitet. Die Ansätze von Enid und Michael Balint werden verbunden mit den systemtheoretischen und konstruktivistischen Modellen von Heinz von Förster und Kurt Buchinger. Das von Förster’sche Modell der „trivialen Maschine“ dient als Erläuterung, warum im modernen kommerzialisierten Gesundheitswesen die Balint’schen „Typ I-Patienten“ bevorzugt werden. „Typ II-Patienten“ hingegen werden entweder zu Typ I Patienten umdefiniert oder ganz aus dem System eliminiert. Der Zusammenhang zwischen ökonomischem Druck und der „Übersetzung“ von kranken Individuen in digitale Algorithmen wird skizziert. Die Arzt-Patient-Beziehung wird als komplexer Prozess in einem sozio-ökonomischern Kontext definiert, der Balint‘sche Begriff der Gesamtdiagnose wird aufgegriffen. In dem so dem entworfenen Modell kommt dem Leiter einer Balint-Gruppe die Aufgabe zu, für die Teilnehmer als „Experte des Nicht-Wissens“ ein Rollenmodell zu sein. Balint-Arbeit in diesem Sinne fördert die „Expertise des Nicht-Wissens“ und ermöglicht so einen verstehenden Zugang zu Typ II-Patienten, für die es in der digital konzipierten modernen Medizin keine Theorie und daher nur mangelhafte diagnostischen und therapeutische Perspektiven gibt.
摘要在过去的25年里,大多数西方国家的卫生系统都发生了深刻的变化。阐述了社会经济背景对巴林特小组工作的影响。Enid和Michael Balint的方法与Heinz von Förster和Kurt Buchinger的系统理论和建构主义模型相结合。“琐碎机器”的von Förster模型解释了为什么Balint的“I型患者”在现代商业化医疗保健中更受欢迎。另一方面,“II型患者”要么被重新定义为I型患者,要么被完全排除在系统之外。“医患关系被定义为社会经济背景下的一个复杂过程,Balint提出了全面诊断的概念。在这样设计的模型中,Balint小组的负责人被指派将参与者视为“非知识专家”。Balint在这个意义上的工作促进了“非知识的专业知识”,从而使人们能够理解II型患者,对他们来说,在数字构想的现代医学中没有理论,因此只有较差的诊断和治疗视角。
{"title":"Die Bedeutung der Balint-Arbeit in Zeiten des Umbruchs in der Medizin","authors":"P. Herzog","doi":"10.1055/a-1586-0754","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1586-0754","url":null,"abstract":"Zusammenfassung In den letzten 25 Jahren haben die meisten Länder der westlichen Welt tiefgreifende Veränderungen ihrer Gesundheitssysteme erfahren. Die Auswirkungen des sozio-ökonomischen Kontexts auf die Balint-Gruppenarbeit wird herausgearbeitet. Die Ansätze von Enid und Michael Balint werden verbunden mit den systemtheoretischen und konstruktivistischen Modellen von Heinz von Förster und Kurt Buchinger. Das von Förster’sche Modell der „trivialen Maschine“ dient als Erläuterung, warum im modernen kommerzialisierten Gesundheitswesen die Balint’schen „Typ I-Patienten“ bevorzugt werden. „Typ II-Patienten“ hingegen werden entweder zu Typ I Patienten umdefiniert oder ganz aus dem System eliminiert. Der Zusammenhang zwischen ökonomischem Druck und der „Übersetzung“ von kranken Individuen in digitale Algorithmen wird skizziert. Die Arzt-Patient-Beziehung wird als komplexer Prozess in einem sozio-ökonomischern Kontext definiert, der Balint‘sche Begriff der Gesamtdiagnose wird aufgegriffen. In dem so dem entworfenen Modell kommt dem Leiter einer Balint-Gruppe die Aufgabe zu, für die Teilnehmer als „Experte des Nicht-Wissens“ ein Rollenmodell zu sein. Balint-Arbeit in diesem Sinne fördert die „Expertise des Nicht-Wissens“ und ermöglicht so einen verstehenden Zugang zu Typ II-Patienten, für die es in der digital konzipierten modernen Medizin keine Theorie und daher nur mangelhafte diagnostischen und therapeutische Perspektiven gibt.","PeriodicalId":40662,"journal":{"name":"Balint-Journal","volume":"22 1","pages":"80 - 86"},"PeriodicalIF":0.2,"publicationDate":"2021-09-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"47201139","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Zusammenfassung Was lehrt uns die aktuelle Covid-19-Pandemie über die Arzt-Patientenbeziehung? Welche Begriffe und Konzepte haben dabei eine Bedeutung? Warum ist Balintarbeit eine ideale Technik, diese vielschichtigen Verhältnisse vertieft zu erforschen? Diesen Fragen geht die Autorin in ihrem Eröffnungsreferat der letztjährigen 59. Silser Balint-Studienwoche nach.
{"title":"Das medizinische Behandlungsverhältnis und Corona","authors":"Sabine Geistlich","doi":"10.1055/a-1517-3379","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1517-3379","url":null,"abstract":"Zusammenfassung Was lehrt uns die aktuelle Covid-19-Pandemie über die Arzt-Patientenbeziehung? Welche Begriffe und Konzepte haben dabei eine Bedeutung? Warum ist Balintarbeit eine ideale Technik, diese vielschichtigen Verhältnisse vertieft zu erforschen? Diesen Fragen geht die Autorin in ihrem Eröffnungsreferat der letztjährigen 59. Silser Balint-Studienwoche nach.","PeriodicalId":40662,"journal":{"name":"Balint-Journal","volume":"22 1","pages":"47 - 51"},"PeriodicalIF":0.2,"publicationDate":"2021-06-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"45347238","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Rudolf Knickenberg ist nach langem und mit großer Geduld ertragenem Leiden im April 2021 verstorben. Die Deutsche Balint Gesellschaft trauert um einen langjährigen Begleiter. Vor allem bei der Würzburger Tagung hat sich Rudolf Knickenberg seit 2001 mit großem Engagement für eine Verständigung zwischen der Balintgruppenarbeit und dem verhaltenstherapeutischen Ansatz der Interaktionsorientierten Fallarbeit eingesetzt. Heute sind wir in einem kooperativen, sich kennenlernenden und sich anerkennenden Prozess weiterhin miteinander tätig.
Rudolf Knickenberg在经历了漫长的痛苦和极大的耐心后于2021年4月去世。德国巴林特协会为失去一位长期伴侣而哀悼。自2001年以来,Rudolf Knickenberg一直致力于理解Balint小组工作和以互动为导向的案例工作的行为治疗方法,特别是在维尔茨堡会议上。今天,我们继续合作,相互了解,相互认可。
{"title":"Zum Tode von Rudolf Knickenberg","authors":"","doi":"10.1055/a-1500-6473","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1500-6473","url":null,"abstract":"Rudolf Knickenberg ist nach langem und mit großer Geduld ertragenem Leiden im April 2021 verstorben. Die Deutsche Balint Gesellschaft trauert um einen langjährigen Begleiter. Vor allem bei der Würzburger Tagung hat sich Rudolf Knickenberg seit 2001 mit großem Engagement für eine Verständigung zwischen der Balintgruppenarbeit und dem verhaltenstherapeutischen Ansatz der Interaktionsorientierten Fallarbeit eingesetzt. Heute sind wir in einem kooperativen, sich kennenlernenden und sich anerkennenden Prozess weiterhin miteinander tätig.","PeriodicalId":40662,"journal":{"name":"Balint-Journal","volume":"22 1","pages":"61 - 61"},"PeriodicalIF":0.2,"publicationDate":"2021-06-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"43390964","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Einleitung „Leider können wir Ihnen keinen Praktikumsplatz in der Kinderklinik mehr anbieten. Die einzige freie Station für Medizinstudenten ist noch die Palliativstation, auf die wir Sie nun einteilen werden. Ach so, und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ (Personalmanagement des Klinikums)
{"title":"Krebs, Kommunikation und ein Konzert – zwischen Wiedersehen und Abschied auf der Palliativstation","authors":"Ing. H. Krause","doi":"10.1055/a-1391-9309","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1391-9309","url":null,"abstract":"Einleitung „Leider können wir Ihnen keinen Praktikumsplatz in der Kinderklinik mehr anbieten. Die einzige freie Station für Medizinstudenten ist noch die Palliativstation, auf die wir Sie nun einteilen werden. Ach so, und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ (Personalmanagement des Klinikums)","PeriodicalId":40662,"journal":{"name":"Balint-Journal","volume":"22 1","pages":"52 - 60"},"PeriodicalIF":0.2,"publicationDate":"2021-06-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"47236703","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}