<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>die Geotechnik ist eine Grundlagendisziplin im Bauwesen und so vielfältig und bunt wie die Beträge in dieser Ausgabe der geotechnik. Wie in der gesamten Baubranche stellt sich die Geotechnik nicht nur den immer weiter steigenden technischen Anforderungen, sondern übernimmt auch im zunehmenden Maß ökologische Verantwortung. Dabei werden alte Lösungswege hinterfragt, bestätigt oder durch neue Ideen fortentwickelt.</p><p>So auch im ersten Beitrag, der sich der Baugrundverbesserung durch Rüttelstopfsäulen widmet. Das Verfahren, über eingebrachte Schottersäulen den Baugrund nicht nur zu entwässern, sondern tragfähiger zu machen, ist seit Langem bekannt und vielfach eingesetzt. Die Berechnungsansätze für großflächige Verbesserungen sind allgemein anerkannt, aber nicht auf Einzel- oder Streifenfundamente übertragbar. Theoretische Überprüfungen der Ansätze zu grundlegenden Tragmechanismen führten zum Ergebnis, dass auch für Einzelsäulen ein Verbesserungsfaktor angegeben werden kann. Damit lassen sich Rüttelstopfsäulen beliebiger Säulenanordnung bemessen sowohl mit Näherungsformeln als auch mit einer programmgesteuerten Berechnung.</p><p>Bemessungsfragen stehen auch im zweiten Beitrag im Fokus. Wie alle anderen Eurocodes folgt der neue Eurocode 7 dem semiprobabilistischen Teilsicherheitskonzept, weshalb charakteristische Baugrundkennwerte für die Bemessung benötigt werden. Historisch bedingt liegen für viele Eigenschaftsgrößen keine charakteristischen Werte vor, sondern Erfahrungswerte, die auch als Nennwerte bezeichnet werden. Für die Umrechnung der Nennwerte in charakteristische Werte kann der informative Anhangs A des neuen Eurocodes herangezogen werden, der aber nicht kritikfrei ist. Daher werden von den Verfassern des Nationalen Anhangs vom Anhang A in diesem Beitrag die Kritiken aufgegriffen, die Umrechnungen erläutert und mit zusätzlichem Hintergrundwissen angereichert.</p><p>Nachhaltigkeit in der Geotechnik geht weit über Bemessungsfragen hinaus. Sie beginnt bei der bewussten Auswahl ressourcenschonender Materialien, etwa durch den Einsatz von Zementersatzstoffen, und betrachtet auch die Kreislauffähigkeit geotechnischer Konstruktionen. Geokunststoffbewehrte Erdkörper als Brückenwiderlager – eine Bauweise, die exemplarisch zeigt, wie technische Effizienz und ökologische Verträglichkeit Hand in Hand gehen können – widmen sich diesen wichtigen Fragen. Während seit Jahrzehnten Stützkonstruktionen aus geokunststoffbewehrter Erde im Infrastrukturbau weltweit eingesetzt werden, zögerte man jedoch in Deutschland lange, diese Bauweise auch im Brückenbau anzuwenden. Heute, mit den Erfahrungen erster Pilotprojekte weiß man, dass im Vergleich zu herkömmlichen Stützkonstruktionen in Massivbauweise viele Vorteile liegen.</p><p>Der vierte Beitrag stellt die Reproduzierbarkeit von Laborversuchen an verschiedenen Sandproben in den Mittelpunkt und greift damit wichtige Fragen experimenteller Untersuchungen auf. Hierbei bedient
{"title":"Geotechnik im Wandel: Innovation, Verantwortung und Vielfalt","authors":"Prof. Dr.-Ing. Gero Marzahn","doi":"10.1002/gete.70011","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/gete.70011","url":null,"abstract":"<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>die Geotechnik ist eine Grundlagendisziplin im Bauwesen und so vielfältig und bunt wie die Beträge in dieser Ausgabe der geotechnik. Wie in der gesamten Baubranche stellt sich die Geotechnik nicht nur den immer weiter steigenden technischen Anforderungen, sondern übernimmt auch im zunehmenden Maß ökologische Verantwortung. Dabei werden alte Lösungswege hinterfragt, bestätigt oder durch neue Ideen fortentwickelt.</p><p>So auch im ersten Beitrag, der sich der Baugrundverbesserung durch Rüttelstopfsäulen widmet. Das Verfahren, über eingebrachte Schottersäulen den Baugrund nicht nur zu entwässern, sondern tragfähiger zu machen, ist seit Langem bekannt und vielfach eingesetzt. Die Berechnungsansätze für großflächige Verbesserungen sind allgemein anerkannt, aber nicht auf Einzel- oder Streifenfundamente übertragbar. Theoretische Überprüfungen der Ansätze zu grundlegenden Tragmechanismen führten zum Ergebnis, dass auch für Einzelsäulen ein Verbesserungsfaktor angegeben werden kann. Damit lassen sich Rüttelstopfsäulen beliebiger Säulenanordnung bemessen sowohl mit Näherungsformeln als auch mit einer programmgesteuerten Berechnung.</p><p>Bemessungsfragen stehen auch im zweiten Beitrag im Fokus. Wie alle anderen Eurocodes folgt der neue Eurocode 7 dem semiprobabilistischen Teilsicherheitskonzept, weshalb charakteristische Baugrundkennwerte für die Bemessung benötigt werden. Historisch bedingt liegen für viele Eigenschaftsgrößen keine charakteristischen Werte vor, sondern Erfahrungswerte, die auch als Nennwerte bezeichnet werden. Für die Umrechnung der Nennwerte in charakteristische Werte kann der informative Anhangs A des neuen Eurocodes herangezogen werden, der aber nicht kritikfrei ist. Daher werden von den Verfassern des Nationalen Anhangs vom Anhang A in diesem Beitrag die Kritiken aufgegriffen, die Umrechnungen erläutert und mit zusätzlichem Hintergrundwissen angereichert.</p><p>Nachhaltigkeit in der Geotechnik geht weit über Bemessungsfragen hinaus. Sie beginnt bei der bewussten Auswahl ressourcenschonender Materialien, etwa durch den Einsatz von Zementersatzstoffen, und betrachtet auch die Kreislauffähigkeit geotechnischer Konstruktionen. Geokunststoffbewehrte Erdkörper als Brückenwiderlager – eine Bauweise, die exemplarisch zeigt, wie technische Effizienz und ökologische Verträglichkeit Hand in Hand gehen können – widmen sich diesen wichtigen Fragen. Während seit Jahrzehnten Stützkonstruktionen aus geokunststoffbewehrter Erde im Infrastrukturbau weltweit eingesetzt werden, zögerte man jedoch in Deutschland lange, diese Bauweise auch im Brückenbau anzuwenden. Heute, mit den Erfahrungen erster Pilotprojekte weiß man, dass im Vergleich zu herkömmlichen Stützkonstruktionen in Massivbauweise viele Vorteile liegen.</p><p>Der vierte Beitrag stellt die Reproduzierbarkeit von Laborversuchen an verschiedenen Sandproben in den Mittelpunkt und greift damit wichtige Fragen experimenteller Untersuchungen auf. Hierbei bedient ","PeriodicalId":43155,"journal":{"name":"Geotechnik","volume":"48 4","pages":""},"PeriodicalIF":0.4,"publicationDate":"2025-12-16","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/gete.70011","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145754562","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Prof. Dr.-Ing. Dietmar Placzek, Prof. Dr.-Ing. Gero Marzahn, M. Eng. Felix Lehmann
Bridge abutments made of geosynthetic reinforced soil (KBE) – Experiences from the construction of several bridges in recent years
Due to the age structure of the bridge structures in the federal highway network, a significant number of replacement bridges will be necessary in the short to medium term. In order to reduce construction times, disruption to road users, and greenhouse gas emissions, the Federal Ministry of Transport is pursuing innovative construction methods. These include abutments made of geosynthetic-reinforced earth (KBE). As part of a pilot project in 2019, a permanent KBE abutment was constructed and scientifically monitored for the first time in the federal highway network. The resulting findings and experiences with subsequent similar structures, as well as the associated updates to the standards and codes, are the subject of this article.
{"title":"Brückenwiderlager aus geokunststoffbewehrter Erde (KBE) – Erfahrungen aus dem Bau mehrerer Brücken der letzten Jahre","authors":"Prof. Dr.-Ing. Dietmar Placzek, Prof. Dr.-Ing. Gero Marzahn, M. Eng. Felix Lehmann","doi":"10.1002/gete.70010","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/gete.70010","url":null,"abstract":"<p><b>Bridge abutments made of geosynthetic reinforced soil (KBE) – Experiences from the construction of several bridges in recent years</b></p><p>Due to the age structure of the bridge structures in the federal highway network, a significant number of replacement bridges will be necessary in the short to medium term. In order to reduce construction times, disruption to road users, and greenhouse gas emissions, the Federal Ministry of Transport is pursuing innovative construction methods. These include abutments made of geosynthetic-reinforced earth (KBE). As part of a pilot project in 2019, a permanent KBE abutment was constructed and scientifically monitored for the first time in the federal highway network. The resulting findings and experiences with subsequent similar structures, as well as the associated updates to the standards and codes, are the subject of this article.</p>","PeriodicalId":43155,"journal":{"name":"Geotechnik","volume":"48 4","pages":"295-303"},"PeriodicalIF":0.4,"publicationDate":"2025-11-13","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145754605","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Dr.-Ing. Julia Sorgatz, Prof. Dr.-Ing. habil. Kerstin Lesny, Dr.-Ing. Elias Tafur, Prof. Dr.-Ing. Martin Ziegler
Determination of representative ground properties according to the new Eurocode 7 (FprEN 1997:2024)
The second generation of Eurocode 7 (FprEN 1997:2024) continues to adopt the partial factor concept as the primary method for verifying geotechnical structures. For the verification of limit states, representative values of ground properties must be determined. The use of a representative value for a geotechnical parameter corresponds to that of the characteristic value according to the currently valid version of Eurocode 7. The representative values of ground properties are based on derived values from the Ground Investigation Report and must be defined either as nominal values – based on expert judgment – or as characteristic values – determined through statistical methods. Informative Annex A of FprEN 1997-1:2024 is to be used when a representative ground property is to be determined as a characteristic value. It provides guidance on the calculation of characteristic values as well as indicative values for stochastic parameters of ground properties. The article reflects the outcome of in-depth discussions between the authors in the course of developing the National Annex A. Accordingly, the procedure for determining characteristic values of ground properties as outlined in Annex A is presented and explained using supporting background information. Finally, the application of the annex is demonstrated using a calculation example.
{"title":"Bestimmung repräsentativer Baugrundkenngrößen nach dem neuen Eurocode 7 (FprEN 1997:2024)","authors":"Dr.-Ing. Julia Sorgatz, Prof. Dr.-Ing. habil. Kerstin Lesny, Dr.-Ing. Elias Tafur, Prof. Dr.-Ing. Martin Ziegler","doi":"10.1002/gete.70009","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/gete.70009","url":null,"abstract":"<p><b>Determination of representative ground properties according to the new Eurocode 7 (FprEN 1997:2024)</b></p><p>The second generation of Eurocode 7 (FprEN 1997:2024) continues to adopt the partial factor concept as the primary method for verifying geotechnical structures. For the verification of limit states, representative values of ground properties must be determined. The use of a representative value for a geotechnical parameter corresponds to that of the characteristic value according to the currently valid version of Eurocode 7. The representative values of ground properties are based on derived values from the Ground Investigation Report and must be defined either as nominal values – based on expert judgment – or as characteristic values – determined through statistical methods. Informative Annex A of FprEN 1997-1:2024 is to be used when a representative ground property is to be determined as a characteristic value. It provides guidance on the calculation of characteristic values as well as indicative values for stochastic parameters of ground properties. The article reflects the outcome of in-depth discussions between the authors in the course of developing the National Annex A. Accordingly, the procedure for determining characteristic values of ground properties as outlined in Annex A is presented and explained using supporting background information. Finally, the application of the annex is demonstrated using a calculation example.</p>","PeriodicalId":43155,"journal":{"name":"Geotechnik","volume":"48 4","pages":"277-294"},"PeriodicalIF":0.4,"publicationDate":"2025-11-07","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145761299","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"75 Jahre DGGT – Mit Zuversicht und Engagement die Zukunft gestalten","authors":"Prof. Dr. Christian Moormann","doi":"10.1002/gete.70002","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/gete.70002","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":43155,"journal":{"name":"Geotechnik","volume":"48 3","pages":"186-187"},"PeriodicalIF":0.4,"publicationDate":"2025-09-29","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/gete.70002","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145181669","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"Geotechnik – Balance zwischen technischer Robustheit, Wirtschaftlichkeit und Verantwortung","authors":"Dr.-Ing. Thomas Voigt","doi":"10.1002/gete.70004","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/gete.70004","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":43155,"journal":{"name":"Geotechnik","volume":"48 3","pages":"184-185"},"PeriodicalIF":0.4,"publicationDate":"2025-09-29","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/gete.70004","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145181668","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}