Am 24. Juni 1915 attestierte der österreichisch-ungarische Konsul Dandini in einer an den k.u.k. Außenminister István Baron Burian gerichteten Depesche den Deutschen im damals osmanischen Aleppo eine auf Gewinnung der Sympathien der Christen gerichtete Politik und warf ihnen vor, ahnungslos der »Wühlarbeit« der Entente einen großen Dienst zu erweisen und damit die Kriegsanstrengungen der Mittelmächte zu untergraben. Dieses Urteil steht in bemerkenswertem Kontrast zu Meldungen der Londoner »Times« vom 27. September, die dem deutschen Konsulat in Aleppo unterstellte, im Frühjahr 1915 türkische Massaker an Armeniern im Taurusgebiet angestiftet zu haben, eine Meldung, die auch in der französischen Presse die Runde machte und selbst von Arnold Toynbee, zu dieser Zeit Berater des britischen War Propaganda Bureau, für wahr befunden wurde. Seitdem wurde das Thema der deutschen Rolle beim Völkermord an den Armeniern zu einem Gegenstand der Kriegspropaganda und interessengeleiteter Nachkriegsdebatten. Zum einflussreichsten und bis heute vielfach wirksamsten Nachkriegsnarrativ entwickelte sich dabei die noch vor Kriegsende 1918 von Henry Morgenthau – dem amerikanischen Botschafter in Istanbul (1913–16) – überlieferte Ansicht, die jungtürkische Deportationspolitik sei von den Deutschen inspiriert worden, sowie dessen Schlussfolgerung, nur das Deutsche Reich hätte den Völkermord an den Armeniern verhindern können. Während der Versailler Verhandlungen 1919 kam auf deutscher Seite der Zurückweisung dieser Anschuldigungen eine gewisse Bedeutung zu. Neuere Forschungen über die Rolle der Deutschen im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs zeichnen ein deutlich komplexeres und differenzierteres Bild, zu dem auch Seyffarths Biografie des deutschen Konsuls in Aleppo, Walter Rößler, einige wichtige Nuancen beiträgt. Die alte syrische Handelsstadt Aleppo entwickelte sich in den frühen Sommermonaten 1915 zu einem Knotenpunkt für die am Ende tödlichen Deportationen, denen die osmanischen Armenier der östlichen Provinzen Kleinasiens seit dem Frühjahr unterworfen waren und die sich zu einem umfassenden Genozid auswuchsen. Aleppo – unter anderem ein Bahnkreuz, in dem die Linien des MGZ 78/1 (2019): 252–255 OLDENBOURG
{"title":"Kai Seyffarth, Entscheidung in Aleppo. Walter Rößler (1871–1929). Helfer der verfolgten Armenier. Eine Biografie, Bremen: Donat 2015, 352 S. (= Geschichte und Frieden, 32), EUR 16,80 [ISBN 978‑3‑943425‑53‑6]","authors":"Rolf Hosfeld","doi":"10.1515/MGZS-2019-0043","DOIUrl":"https://doi.org/10.1515/MGZS-2019-0043","url":null,"abstract":"Am 24. Juni 1915 attestierte der österreichisch-ungarische Konsul Dandini in einer an den k.u.k. Außenminister István Baron Burian gerichteten Depesche den Deutschen im damals osmanischen Aleppo eine auf Gewinnung der Sympathien der Christen gerichtete Politik und warf ihnen vor, ahnungslos der »Wühlarbeit« der Entente einen großen Dienst zu erweisen und damit die Kriegsanstrengungen der Mittelmächte zu untergraben. Dieses Urteil steht in bemerkenswertem Kontrast zu Meldungen der Londoner »Times« vom 27. September, die dem deutschen Konsulat in Aleppo unterstellte, im Frühjahr 1915 türkische Massaker an Armeniern im Taurusgebiet angestiftet zu haben, eine Meldung, die auch in der französischen Presse die Runde machte und selbst von Arnold Toynbee, zu dieser Zeit Berater des britischen War Propaganda Bureau, für wahr befunden wurde. Seitdem wurde das Thema der deutschen Rolle beim Völkermord an den Armeniern zu einem Gegenstand der Kriegspropaganda und interessengeleiteter Nachkriegsdebatten. Zum einflussreichsten und bis heute vielfach wirksamsten Nachkriegsnarrativ entwickelte sich dabei die noch vor Kriegsende 1918 von Henry Morgenthau – dem amerikanischen Botschafter in Istanbul (1913–16) – überlieferte Ansicht, die jungtürkische Deportationspolitik sei von den Deutschen inspiriert worden, sowie dessen Schlussfolgerung, nur das Deutsche Reich hätte den Völkermord an den Armeniern verhindern können. Während der Versailler Verhandlungen 1919 kam auf deutscher Seite der Zurückweisung dieser Anschuldigungen eine gewisse Bedeutung zu. Neuere Forschungen über die Rolle der Deutschen im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs zeichnen ein deutlich komplexeres und differenzierteres Bild, zu dem auch Seyffarths Biografie des deutschen Konsuls in Aleppo, Walter Rößler, einige wichtige Nuancen beiträgt. Die alte syrische Handelsstadt Aleppo entwickelte sich in den frühen Sommermonaten 1915 zu einem Knotenpunkt für die am Ende tödlichen Deportationen, denen die osmanischen Armenier der östlichen Provinzen Kleinasiens seit dem Frühjahr unterworfen waren und die sich zu einem umfassenden Genozid auswuchsen. Aleppo – unter anderem ein Bahnkreuz, in dem die Linien des MGZ 78/1 (2019): 252–255 OLDENBOURG","PeriodicalId":40790,"journal":{"name":"MILITARGESCHICHTLICHE ZEITSCHRIFT","volume":"78 1","pages":"252 - 255"},"PeriodicalIF":0.1,"publicationDate":"2019-05-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://sci-hub-pdf.com/10.1515/MGZS-2019-0043","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"48460936","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"历史学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Barock mutet die Titellänge des zu besprechenden Buches an, seine Fülle ist es nicht minder. Nach einer der gängigen Definitionen kommt das Wort »barock« aus dem Portugiesischen und bedeutet schiefe oder ungleichmäßig geformte Perle. Der Begriff bedeutet auf Italienisch merkwürdig und auf Französisch bizarr. Eine Perle für die Militär-Luftfahrtgeschichte stellt der Versuch, einen internationalen Überblick über landgestützte Fernbomber im Ersten Weltkrieg zu geben, ohne Zweifel dar, zumal der Band mit zahlreichen Fotos, Dokumenten, Skizzen, Typenblättern, Karten und Tabellen aufwartet. Der Autor nähert sich dem Thema in 16 Kapiteln. Zunächst gibt er einen Überblick über die internationale Flugzeugentwicklung bis 1914 und stellt die Bewertung des neuen Kriegsmittels durch die verantwortlichen Militärs dar (S. 7–40), die diese nach Ansicht des Autors häufig sträflich unterschätzt hatten. In Deutschland wurde zunächst dem Luftschiff der Vorzug gegeben. Zwischenüberschriften hätten in diesem Abschnitt die Lesefreundlichkeit erhöht. Es bleibt zudem ein Rätsel, warum das Gliederungsprinzip des Buches gleichwieder durchbrochenwird und sich hier Karten zu den Luftangriffen 1917/18 sowie die Abbildung eines britischen Bombers von 1916/17 finden (S. 35–40). Eine Zusammenschau der ersten Kriegseinsätze im Jahre 1914 schließt sich an. Der Bewertung Wilhelm Hellmolds, wonach es an Erfahrungen im Luftkrieg fehlte, ist zum einen sicher zuzustimmen, zum anderen bleibt es dem Rezensenten ein Rätsel, warum Hellmold ausgerechnet den ersten Bombenangriff aus einem Flugzeug 1911 vernachlässigt (S. 41–46). Die nächsten beiden Kapitel widmen sich der Aufstellung der ersten deutschen Bomberformation, der »Brieftauben-Abteilung Ostende« (S. 47–57) sowie der Konstruktion des ersten zweimotorigen deutschen Bombers im Jahre 1914 durch den eher als »Rhönvater« in den 1920er Jahren bekannten Oskar Ursinus (S. 58–71). Es folgt (S. 72–135) ein Überblick über die strategischen und taktischen Einsätze auf demWeg Frankreichs zur Bomberentwicklung. Auch hier täuscht der Titel. Denn es werden nicht nur französische Bomber und deren Missionen vorgestellt, sondern auch die französische Luftverteidigung gegen deutsche Angriffe. Ebenso erfolgt der Vergleich zwischen der Wirkung deutscher BombenMGZ 78/1 (2019): 234–236 OLDENBOURG
{"title":"Wilhelm Hellmold, Entwicklung und Einsatz landgestützter Fernbomber bei den kriegführenden Mächten. Skizzen und Informationen über den internationalen Bomberbau im 1. Weltkrieg 1914–1918, Aachen: Helios 2017, 398 S., EUR 48,00 [ISBN 978‑3‑86933‑185‑0]","authors":"H. Potempa","doi":"10.1515/MGZS-2019-0037","DOIUrl":"https://doi.org/10.1515/MGZS-2019-0037","url":null,"abstract":"Barock mutet die Titellänge des zu besprechenden Buches an, seine Fülle ist es nicht minder. Nach einer der gängigen Definitionen kommt das Wort »barock« aus dem Portugiesischen und bedeutet schiefe oder ungleichmäßig geformte Perle. Der Begriff bedeutet auf Italienisch merkwürdig und auf Französisch bizarr. Eine Perle für die Militär-Luftfahrtgeschichte stellt der Versuch, einen internationalen Überblick über landgestützte Fernbomber im Ersten Weltkrieg zu geben, ohne Zweifel dar, zumal der Band mit zahlreichen Fotos, Dokumenten, Skizzen, Typenblättern, Karten und Tabellen aufwartet. Der Autor nähert sich dem Thema in 16 Kapiteln. Zunächst gibt er einen Überblick über die internationale Flugzeugentwicklung bis 1914 und stellt die Bewertung des neuen Kriegsmittels durch die verantwortlichen Militärs dar (S. 7–40), die diese nach Ansicht des Autors häufig sträflich unterschätzt hatten. In Deutschland wurde zunächst dem Luftschiff der Vorzug gegeben. Zwischenüberschriften hätten in diesem Abschnitt die Lesefreundlichkeit erhöht. Es bleibt zudem ein Rätsel, warum das Gliederungsprinzip des Buches gleichwieder durchbrochenwird und sich hier Karten zu den Luftangriffen 1917/18 sowie die Abbildung eines britischen Bombers von 1916/17 finden (S. 35–40). Eine Zusammenschau der ersten Kriegseinsätze im Jahre 1914 schließt sich an. Der Bewertung Wilhelm Hellmolds, wonach es an Erfahrungen im Luftkrieg fehlte, ist zum einen sicher zuzustimmen, zum anderen bleibt es dem Rezensenten ein Rätsel, warum Hellmold ausgerechnet den ersten Bombenangriff aus einem Flugzeug 1911 vernachlässigt (S. 41–46). Die nächsten beiden Kapitel widmen sich der Aufstellung der ersten deutschen Bomberformation, der »Brieftauben-Abteilung Ostende« (S. 47–57) sowie der Konstruktion des ersten zweimotorigen deutschen Bombers im Jahre 1914 durch den eher als »Rhönvater« in den 1920er Jahren bekannten Oskar Ursinus (S. 58–71). Es folgt (S. 72–135) ein Überblick über die strategischen und taktischen Einsätze auf demWeg Frankreichs zur Bomberentwicklung. Auch hier täuscht der Titel. Denn es werden nicht nur französische Bomber und deren Missionen vorgestellt, sondern auch die französische Luftverteidigung gegen deutsche Angriffe. Ebenso erfolgt der Vergleich zwischen der Wirkung deutscher BombenMGZ 78/1 (2019): 234–236 OLDENBOURG","PeriodicalId":40790,"journal":{"name":"MILITARGESCHICHTLICHE ZEITSCHRIFT","volume":"78 1","pages":"234 - 236"},"PeriodicalIF":0.1,"publicationDate":"2019-05-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://sci-hub-pdf.com/10.1515/MGZS-2019-0037","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"47365111","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"历史学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Reiner Möckelmann ist ein ehemaliger bundesdeutscher Diplomat, der mit einer positiv aufgenommenen Biografie Franz von Papens auf sich aufmerksam gemacht hat. Nun hat er eine quellengesättigte und umfassende Biografie der Bismarck-Enkelin Hannah von Bredow vorgelegt. Furchtlos mag sie gewesen sein, aber vielleicht auch eine femme fatale? Hannah von Bredow, Tochter Herbert von Bismarcks und Enkelin Otto von Bismarcks, war eine eigenständige Frau mit festen politischen und christlichreligiösen Grundsätzen. Aber als sich Helene Jessen im Herbst 1937 von ihrem Ehemann und Bredows Brieffreund, dem promovierten Ökonomen Sidney Jessen, trennte, erkannte das Gericht Bredow als Scheidungsgrund an. War dies die Rache einer betrogenen Ehefrau, oder umgekehrt deren Versuch, sich von den oppositionellen Auffassungen ihres Ehemannes und dessen vermeintlichen Geliebten zu distanzieren? Das Buch bleibt in diesem Punkt wohl bewusst vage. Aber dass Hannah von Bredow ebenso wie Jessen von den Nationalsozialisten nichts hielt, steht außer Frage. Sie war zwar war keine Republikanerin und auch keine Demokratin, vielmehr war sie Monarchistin – wenngleich eine MGZ 78/1 (2019): 264–266 OLDENBOURG
有请弗罗斯特·米勒曼是一位前德国外交官,他以弗朗茨·冯·教皇的传记开头引人注目。他刚刚出版了Bredow的俾斯麦孙女Hannah的全面参考资料她无所畏惧但亦会成为致命的女人?布雷多的出生女,来自Bismarcks的赫伯特,以及其孙女奥托,是一位独立的女性,具有坚定的政治和基督教信仰。然而当海伦娜·杰森于1937年秋天与丈夫和已故的已故经济学家西德尼·杰森分手时,法庭认定Bredow代表离婚。这到底是被欺骗的妻子的报复,还是反过来试图与丈夫的观点和他假定的情人疏远呢?我认为这本书在这方面仍然含糊其辞。但毫无疑问,Hannah von Bredow和jesen对纳粹半信半疑老实说,她不是共和党人,也不是民主党人,而是君主制的——不过1919年的摩尔斯·78:266个奥尔登堡
{"title":"Reiner Möckelmann, Hannah von Bredow. Bismarcks furchtlose Enkelin gegen Hitler, Darmstadt: Theiss 2018, 272 S., EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑8062‑3662‑0]","authors":"W. Heinemann","doi":"10.1515/MGZS-2019-0047","DOIUrl":"https://doi.org/10.1515/MGZS-2019-0047","url":null,"abstract":"Reiner Möckelmann ist ein ehemaliger bundesdeutscher Diplomat, der mit einer positiv aufgenommenen Biografie Franz von Papens auf sich aufmerksam gemacht hat. Nun hat er eine quellengesättigte und umfassende Biografie der Bismarck-Enkelin Hannah von Bredow vorgelegt. Furchtlos mag sie gewesen sein, aber vielleicht auch eine femme fatale? Hannah von Bredow, Tochter Herbert von Bismarcks und Enkelin Otto von Bismarcks, war eine eigenständige Frau mit festen politischen und christlichreligiösen Grundsätzen. Aber als sich Helene Jessen im Herbst 1937 von ihrem Ehemann und Bredows Brieffreund, dem promovierten Ökonomen Sidney Jessen, trennte, erkannte das Gericht Bredow als Scheidungsgrund an. War dies die Rache einer betrogenen Ehefrau, oder umgekehrt deren Versuch, sich von den oppositionellen Auffassungen ihres Ehemannes und dessen vermeintlichen Geliebten zu distanzieren? Das Buch bleibt in diesem Punkt wohl bewusst vage. Aber dass Hannah von Bredow ebenso wie Jessen von den Nationalsozialisten nichts hielt, steht außer Frage. Sie war zwar war keine Republikanerin und auch keine Demokratin, vielmehr war sie Monarchistin – wenngleich eine MGZ 78/1 (2019): 264–266 OLDENBOURG","PeriodicalId":40790,"journal":{"name":"MILITARGESCHICHTLICHE ZEITSCHRIFT","volume":"78 1","pages":"264 - 266"},"PeriodicalIF":0.1,"publicationDate":"2019-05-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://sci-hub-pdf.com/10.1515/MGZS-2019-0047","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"67035946","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"历史学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Auch 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ist die Geschichte der italienischen Armee in diesem Konflikt nur mäßig erforscht. Die bedeutendste militärische Persönlichkeit des Krieges, General Luigi Cadorna (1850–1928), Generalstabschef von 1914 bis 1917, war bisher nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Biografie. Umso begrüßenswerter ist es, dass einer der profiliertesten italienischen Militärhistoriker sich der Thematik angenommen hat. Marco Mondini, Professor an der Universität Padua, stützt sich neben der Sekundärliteratur in mehreren Sprachen auf das umfassende Aktenmaterial der offiziellen Untersuchungskommission, die über Cadornas Entscheidungen und die Ursachen der Niederlage von Caporetto befand, politisches Schriftgut aus dem italienischen Staatsarchiv und Akten des italienischen Militärarchivs. Überzeugend skizziert der Autor das sozio-politische Umfeld, in dem sich Cadornas Karriere bis 1914 vor allem in Stabsverwendungen und an militärischen Akademien entwickelte. In den 1890er Jahren erarbeitete Cadorna sich als Regimentskommandeur den Ruf eines strikten Vorgesetzten. Zudem schrieb er ein viel beachtetes Handbuch über Infanterietaktik, in dem er die Offensive als beste MGZ 78/1 (2019): 248–251 OLDENBOURG
{"title":"Marco Mondini, Il Capo. La Grande Guerra del generale Luigi Cadorna, Bologna: Il Mulino 2017, 390 S. (= Biblioteca storica), EUR 26,00 [ISBN 978‑88‑15‑27284‑3]","authors":"Bastian Matteo Scianna","doi":"10.1515/MGZS-2019-0042","DOIUrl":"https://doi.org/10.1515/MGZS-2019-0042","url":null,"abstract":"Auch 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ist die Geschichte der italienischen Armee in diesem Konflikt nur mäßig erforscht. Die bedeutendste militärische Persönlichkeit des Krieges, General Luigi Cadorna (1850–1928), Generalstabschef von 1914 bis 1917, war bisher nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Biografie. Umso begrüßenswerter ist es, dass einer der profiliertesten italienischen Militärhistoriker sich der Thematik angenommen hat. Marco Mondini, Professor an der Universität Padua, stützt sich neben der Sekundärliteratur in mehreren Sprachen auf das umfassende Aktenmaterial der offiziellen Untersuchungskommission, die über Cadornas Entscheidungen und die Ursachen der Niederlage von Caporetto befand, politisches Schriftgut aus dem italienischen Staatsarchiv und Akten des italienischen Militärarchivs. Überzeugend skizziert der Autor das sozio-politische Umfeld, in dem sich Cadornas Karriere bis 1914 vor allem in Stabsverwendungen und an militärischen Akademien entwickelte. In den 1890er Jahren erarbeitete Cadorna sich als Regimentskommandeur den Ruf eines strikten Vorgesetzten. Zudem schrieb er ein viel beachtetes Handbuch über Infanterietaktik, in dem er die Offensive als beste MGZ 78/1 (2019): 248–251 OLDENBOURG","PeriodicalId":40790,"journal":{"name":"MILITARGESCHICHTLICHE ZEITSCHRIFT","volume":"78 1","pages":"248 - 251"},"PeriodicalIF":0.1,"publicationDate":"2019-05-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://sci-hub-pdf.com/10.1515/MGZS-2019-0042","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"67035939","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"历史学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"Trent Hone, Learning War. The Evolution of Fighting Doctrine in the U. S. Navy, 1898–1945, Annapolis, MD: Naval Institut Press 2018, XX, 403 S., $ 34.95 [ISBN 978‑1‑682‑47293‑4]","authors":"Axel Niestlé","doi":"10.1515/MGZS-2019-0018","DOIUrl":"https://doi.org/10.1515/MGZS-2019-0018","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":40790,"journal":{"name":"MILITARGESCHICHTLICHE ZEITSCHRIFT","volume":"78 1","pages":"158 - 161"},"PeriodicalIF":0.1,"publicationDate":"2019-05-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://sci-hub-pdf.com/10.1515/MGZS-2019-0018","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"67035901","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"历史学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"Killing and Being Killed. Bodies in Battle. Perspectives on Fighters in the Middle Ages. Ed. by Jörg Rogge, Bielefeld: transcript 2017, 271 S. (= Mainz Historical Cultural Sciences, 38), EUR 29,99 [ISBN 978‑3‑8376‑3783‑0]","authors":"M. Prietzel","doi":"10.1515/MGZS-2019-0021","DOIUrl":"https://doi.org/10.1515/MGZS-2019-0021","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":40790,"journal":{"name":"MILITARGESCHICHTLICHE ZEITSCHRIFT","volume":"40 1","pages":"189 - 191"},"PeriodicalIF":0.1,"publicationDate":"2019-05-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://sci-hub-pdf.com/10.1515/MGZS-2019-0021","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"67035906","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"历史学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Der französische Botschafter in Berlin, André François-Poncet, sandte zwischen 1931 und 1938 eine ganze Reihe teils überlanger Depeschen an den Quai d’Orsay. Als studierter Germanist und langjähriger Deutschlandkenner fühlte er sich berufen, die üblichen politischen Analysen, die man in Paris von den Auslandsvertretungen erwartete, mit weitreichenden Betrachtungen über die Entwicklung des Nationalsozialismus oder den deutschen Nationalcharakter anzureichern. Die von Jean-Marc Dreyfus besorgte Auswahl umfasst entgegen des Titels jedoch nicht nur Texte aus der Feder François-Poncets (so weit sich seine Autorschaft angesichts der botschaftsinternen administrativen Prozesse überhaupt mit Sicherheit feststellen lässt), sondern auch der französischen Konsulate in Stuttgart, Königsberg oder Wien (im Falle des »Anschlusses« 1938). Ein Register steht nicht zur Verfügung, dafür hat der Herausgeber die ausgewählten und verständlicherweise gekürzt abgedruckten Dokumente zu sieben Kapiteln gruppiert, was dem interessierten Leser einen themenorientierten Zugriff auf die Quellen ermöglicht. Die im Band versammelten Dokumente berichten von der Agonie der Weimarer Republik, dem nationalsozialistischen Machtausbau, der NS-Ideologie und ‐Propaganda, der Lage der Wirtschaft und der Judenverfolgung. Der Herausgeber beabsichtigt, die ganze Bandbreite dessen, was über NS-Deutschland berichtet wurde, abzubilden. Einen besonderen Schwerpunkt bilden allerdings die judenfeindlichen Maßnahmen des »Dritten Reiches«, die auch in den französischen diplomatischen Berichten viel Raum einnahmen. Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich also nicht um eine Quellenedition, sondern um einen Dokumentenband, der sich an ein breites, historisch interessiertes Publikum richtet. Er ist aus einem Sammelband hervorgegangen, der die diplomatischen Berichte einer Vielzahl von Staaten über NS-Deutschland analysiert hat (Fremde Blicke auf das »Dritte Reich«. Berichte ausländischer Diplomaten über Herrschaft und Gesellschaft in Deutschland 1933–1945. Hrsg. von Frank Bajohr und Christoph Strupp, Göttingen 2011). Die französischen Berichte basierten auf eigenen Beobachtungen, einem Netzwerk von Informanten, Gesprächen mit anderen ausländischen Vertretern und der Pressebeobachtung. Es ist beeindruckend zu sehen, wie gut die Diplomaten zunächst über den Charakter des NS-Regimes im Bilde waren. Detailliert MGZ 78/1 (2019): 262–264 OLDENBOURG
法国大使在柏林,André弗兰çois-Poncet曾派在1931年至1938年很多二期überlanger电报,向鲁d 'Orsay .作为一位日耳曼主义者以及一位资深的德国学者,他感到有义务在巴黎用国家使团等着他做的常用政策分析在很大程度上撰写国家社会主义的发展或者德国的国家特征。jean marc Dreyfus不安的选择包括但是不顾书不仅歌词由弗兰çois-Poncets(准备好他的Autorschaft相对确定究竟botschaftsinternen行政程序和安全),而且在法国同样Konsulate在斯图加特,柯尼斯堡和维也纳(»Anschlusses«1938).没有索引,由于这一结果,出版商把所选择的、弄懂的打印过的七章文件组合起来,使感兴趣的读者可以找到找到主题的资料来源。聚集在仪队文件报告的魏玛共和国的痛苦、纳粹Machtausbau NS-Ideologie和‐宣传、经济状况和Judenverfolgung .发行人想要重制出所有关于纳粹德国的报道。然而judenfeindlichen措施构成特别重点»第三帝国的«也是法国外交报告有很多地方收入.因此,这本出版物不是参考出版物,而是一个文件册,面向一群讲求历史的听众。他是来自于这本选集中诞生的一系列国家的外交报告关于NS-Deutschland分析(陌生人重围了«»第三帝国.1930年,德国政府与社会的渗透报告Hrsg .弗兰克·巴约翰和克里斯托弗·斯特拉普2011年,哥廷根法国的报告是基于他们自己的观察,一个线人网络,和其他外国官员谈话以及观察新闻。看到外交官们最初对纳粹政权的品格究竟有多了解,的确令人印象深刻。详细资料是麦兹•78/1
{"title":"Geheime Depeschen aus Berlin. Der französische Botschafter François-Poncet und der Nationalsozialismus. Hrsg. von Jean-Marc Dreyfus. Aus dem Franz. von Birgit Lamerz-Beckschäfer, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchges. 2018, 255 S., EUR 39,95 [ISBN 978‑3‑534‑26966‑2]","authors":"Christoph Nübel","doi":"10.1515/MGZS-2019-0046","DOIUrl":"https://doi.org/10.1515/MGZS-2019-0046","url":null,"abstract":"Der französische Botschafter in Berlin, André François-Poncet, sandte zwischen 1931 und 1938 eine ganze Reihe teils überlanger Depeschen an den Quai d’Orsay. Als studierter Germanist und langjähriger Deutschlandkenner fühlte er sich berufen, die üblichen politischen Analysen, die man in Paris von den Auslandsvertretungen erwartete, mit weitreichenden Betrachtungen über die Entwicklung des Nationalsozialismus oder den deutschen Nationalcharakter anzureichern. Die von Jean-Marc Dreyfus besorgte Auswahl umfasst entgegen des Titels jedoch nicht nur Texte aus der Feder François-Poncets (so weit sich seine Autorschaft angesichts der botschaftsinternen administrativen Prozesse überhaupt mit Sicherheit feststellen lässt), sondern auch der französischen Konsulate in Stuttgart, Königsberg oder Wien (im Falle des »Anschlusses« 1938). Ein Register steht nicht zur Verfügung, dafür hat der Herausgeber die ausgewählten und verständlicherweise gekürzt abgedruckten Dokumente zu sieben Kapiteln gruppiert, was dem interessierten Leser einen themenorientierten Zugriff auf die Quellen ermöglicht. Die im Band versammelten Dokumente berichten von der Agonie der Weimarer Republik, dem nationalsozialistischen Machtausbau, der NS-Ideologie und ‐Propaganda, der Lage der Wirtschaft und der Judenverfolgung. Der Herausgeber beabsichtigt, die ganze Bandbreite dessen, was über NS-Deutschland berichtet wurde, abzubilden. Einen besonderen Schwerpunkt bilden allerdings die judenfeindlichen Maßnahmen des »Dritten Reiches«, die auch in den französischen diplomatischen Berichten viel Raum einnahmen. Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich also nicht um eine Quellenedition, sondern um einen Dokumentenband, der sich an ein breites, historisch interessiertes Publikum richtet. Er ist aus einem Sammelband hervorgegangen, der die diplomatischen Berichte einer Vielzahl von Staaten über NS-Deutschland analysiert hat (Fremde Blicke auf das »Dritte Reich«. Berichte ausländischer Diplomaten über Herrschaft und Gesellschaft in Deutschland 1933–1945. Hrsg. von Frank Bajohr und Christoph Strupp, Göttingen 2011). Die französischen Berichte basierten auf eigenen Beobachtungen, einem Netzwerk von Informanten, Gesprächen mit anderen ausländischen Vertretern und der Pressebeobachtung. Es ist beeindruckend zu sehen, wie gut die Diplomaten zunächst über den Charakter des NS-Regimes im Bilde waren. Detailliert MGZ 78/1 (2019): 262–264 OLDENBOURG","PeriodicalId":40790,"journal":{"name":"MILITARGESCHICHTLICHE ZEITSCHRIFT","volume":"78 1","pages":"262 - 264"},"PeriodicalIF":0.1,"publicationDate":"2019-05-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://sci-hub-pdf.com/10.1515/MGZS-2019-0046","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"67035944","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"历史学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}