Der Beitrag lotet am Beispiel ausgewählter Episoden aus den zweibändigen Memoiren der türkischen Unternehmerin Saffet Tanman (1912-2012) und der Geschichte ihrer osmanischen Çerkesşeyḫīzāde-Familie aus, welche Potenziale ein kollektivbiographischer Zugang für die Untersuchung der Lebenswelten osmanisch-imperialer Eliten und insbesondere der Nachkommen des Propheten Muhammad im Übergang zwischen spätosmanischer und postimperialer Zeit bietet. Bei der Lektüre und Kontextualisierung der Memoiren Saffet Tanmans werden unterschiedliche, untereinander nicht vollständig kompatible kollektive und individuelle soziale Verortungen der Autorin sowie die mit ihnen jeweils verbundenen Statusansprüche und narrativen Vermittlungsstrategien deutlich. Die mit dieser Überlagerung unterschiedlicher sozialer Referenzsysteme einhergehende Ambivalenz erlaubt es Saffet Tanman, eine hervorgehobene und besonders privilegierte Position in der sozialen Hierarchie in unterschiedlichen Kontexten auch in türkisch-republikanischer Zeit zu behaupten und für verschiedene Adressatenkreise verständlich und anschlussfähig zu machen. Die Auswertung der Memoiren trägt zu einem differenzierteren Verständnis der osmanischen und postimperialen sozialen Hierarchiegefüge bei, zeigt exemplarisch Kontinuitäten, aber auch Umdeutungen und Übersetzungsmomente auf und schreibt sich damit in eine Forschungsdiskussion ein, die den Prozesscharakter und die Polyvalenz der postosmanischen Transformation unterstreicht.
{"title":"Ein Urgroßvater aus Zentralasien für eine Tochter der Republik. Kollektivbiographische Perspektiven auf die Nachkommen des Propheten am Beispiel der Memoiren von Saffet Tanman (1912-2012)","authors":"Barbara Henning","doi":"10.3224/bios.v35i1.05","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v35i1.05","url":null,"abstract":"Der Beitrag lotet am Beispiel ausgewählter Episoden aus den zweibändigen Memoiren der türkischen Unternehmerin Saffet Tanman (1912-2012) und der Geschichte ihrer osmanischen Çerkesşeyḫīzāde-Familie aus, welche Potenziale ein kollektivbiographischer Zugang für die Untersuchung der Lebenswelten osmanisch-imperialer Eliten und insbesondere der Nachkommen des Propheten Muhammad im Übergang zwischen spätosmanischer und postimperialer Zeit bietet. Bei der Lektüre und Kontextualisierung der Memoiren Saffet Tanmans werden unterschiedliche, untereinander nicht vollständig kompatible kollektive und individuelle soziale Verortungen der Autorin sowie die mit ihnen jeweils verbundenen Statusansprüche und narrativen Vermittlungsstrategien deutlich. Die mit dieser Überlagerung unterschiedlicher sozialer Referenzsysteme einhergehende Ambivalenz erlaubt es Saffet Tanman, eine hervorgehobene und besonders privilegierte Position in der sozialen Hierarchie in unterschiedlichen Kontexten auch in türkisch-republikanischer Zeit zu behaupten und für verschiedene Adressatenkreise verständlich und anschlussfähig zu machen. Die Auswertung der Memoiren trägt zu einem differenzierteren Verständnis der osmanischen und postimperialen sozialen Hierarchiegefüge bei, zeigt exemplarisch Kontinuitäten, aber auch Umdeutungen und Übersetzungsmomente auf und schreibt sich damit in eine Forschungsdiskussion ein, die den Prozesscharakter und die Polyvalenz der postosmanischen Transformation unterstreicht.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":" 13","pages":""},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2024-02-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"139790960","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Mit Fokus auf den Staatsdienst von Nichtmuslimen liefert dieser Beitrag eine quantitative prosopographische Studie über die osmanische Beamtenschaft im 19. Jahrhundert. Die Anstellung nichtmuslimischer Beamter in der Zentral- und Provinzverwaltung war eines der eigentümlichsten Merkmale der expandierenden modernen osmanischen Bürokratie. Muslime, Christen und Juden teilten einen Geist der Kollegialität in einem multikonfessionellen Arbeitsumfeld. Sie waren in den Diensten eines Staates, der auf anderen als ethnischen oder nationalen Grundlagen aufbaute. Der derzeit vorwiegende Fokus auf monolithische Identitäten macht es allerdings schwer, die vergangene soziale Realität dieser Beamten eines Reiches mit multivalenten Identitäten zu studieren. Anderseits wurde die Rolle von Christen und Juden in der osmanischen Verwaltung bislang nicht gründlich unter Einbezug von quantitativen Methoden und Archivmaterialien geprüft und blieb daher nur anekdotischer Natur. Aber wie hoch waren ihre Anzahl und ihr Prozentsatz? Wie hoch waren die jeweiligen Anteile der armenischen, griechischen und jüdischen Beamten? Welche Konfession hatte unter ihnen die Mehrheit? Aus welchen sozialen Schichten kamen sie, und wo haben sie ihre Karriere in der Bürokratie begonnen? Vor dem Hintergrund dieser Fragen nimmt diese Untersuchung nichtmuslimische Beamte in der Gesamtheit mit quantitativen Methoden in den Blick. Hauptquelle sind die Osmanischen Personalregister, die zwischen 1879 und 1914 in 201 Bänden Akten von etwa 50.000 Personen enthalten. Sie sind nützlich, um Muster und Trends innerhalb des Beamtentums zu erkennen, und vermitteln durch eine quantitative Analyse Einblick in den historischen Kontext, in dem die Beamten lebten.
{"title":"Identitäten quantifizieren. Nichtmuslime in der spätosmanischen Beamtenschaft","authors":"Abdulhamit Kırmızı","doi":"10.3224/bios.v35i1.03","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v35i1.03","url":null,"abstract":"Mit Fokus auf den Staatsdienst von Nichtmuslimen liefert dieser Beitrag eine quantitative prosopographische Studie über die osmanische Beamtenschaft im 19. Jahrhundert. Die Anstellung nichtmuslimischer Beamter in der Zentral- und Provinzverwaltung war eines der eigentümlichsten Merkmale der expandierenden modernen osmanischen Bürokratie. Muslime, Christen und Juden teilten einen Geist der Kollegialität in einem multikonfessionellen Arbeitsumfeld. Sie waren in den Diensten eines Staates, der auf anderen als ethnischen oder nationalen Grundlagen aufbaute. Der derzeit vorwiegende Fokus auf monolithische Identitäten macht es allerdings schwer, die vergangene soziale Realität dieser Beamten eines Reiches mit multivalenten Identitäten zu studieren. Anderseits wurde die Rolle von Christen und Juden in der osmanischen Verwaltung bislang nicht gründlich unter Einbezug von quantitativen Methoden und Archivmaterialien geprüft und blieb daher nur anekdotischer Natur. Aber wie hoch waren ihre Anzahl und ihr Prozentsatz? Wie hoch waren die jeweiligen Anteile der armenischen, griechischen und jüdischen Beamten? Welche Konfession hatte unter ihnen die Mehrheit? Aus welchen sozialen Schichten kamen sie, und wo haben sie ihre Karriere in der Bürokratie begonnen? Vor dem Hintergrund dieser Fragen nimmt diese Untersuchung nichtmuslimische Beamte in der Gesamtheit mit quantitativen Methoden in den Blick. Hauptquelle sind die Osmanischen Personalregister, die zwischen 1879 und 1914 in 201 Bänden Akten von etwa 50.000 Personen enthalten. Sie sind nützlich, um Muster und Trends innerhalb des Beamtentums zu erkennen, und vermitteln durch eine quantitative Analyse Einblick in den historischen Kontext, in dem die Beamten lebten.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":" 4","pages":""},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2024-02-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"139791620","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Für Empires des 19. Jahrhunderts war die Familie eine zentrale soziale Institution, die zu ihrem Funktionieren ebenso wie zu ihrer Expansion und Verdichtung beitrug. Zugleich konnten Familien Empires durch ihre grenzüberschreitende Flexibilität destabilisieren. Der Beitrag reflektiert Potential und Ansätze familienbiographischer Forschung am Beispiel einer russischen Adelsfamilie, die zwischen 1850 und 1917 imperiale Projekte des Russländischen Reichs in Jerusalem, Konstantinopel und Riga vorantrieb. Dazu gehörten das orthodoxe Pilgerwesen, religiöse Archäologie und ein Frauenkloster. Männliche und weibliche Akteure nutzten unterschiedliche Strategien und Rhetoriken, um am religiösen empire building nach der russischen Niederlage im Krimkrieg mitzuwirken. Die Familie fungierte als Bindeglied zwischen den Individuen und der imperialen Gesellschaft. Sie war ein zentraler Handlungsraum, in dem sich gesellschaftliche Prozesse niederschlugen und in dem Menschen auf Veränderungen reagierten. Wenn Familienbiographien Ansätze der historischen Familienforschung mit denen der Biographik kombinieren, können sie drei fundamentale Ebenen verbinden: die individuelle, die familiäre und die gesellschaftliche. Der Fokus auf die Familie hilft außerdem dabei, geschlechterhistorische Fragen zu bearbeiten. Familiengeschichten zeigen Männer in gemischtgeschlechtlichen Kontexten und nicht nur als Angehörige einer vermeintlich rein männlichen Welt des imperialen Staatsdienstes. Außerdem zeigen sie das weite Handlungsspektrum von Frauen der gesellschaftlichen Elite.
{"title":"Schnittstellen: Familien, Biographien und Empires","authors":"Alexa von Winning","doi":"10.3224/bios.v35i1.02","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v35i1.02","url":null,"abstract":"Für Empires des 19. Jahrhunderts war die Familie eine zentrale soziale Institution, die zu ihrem Funktionieren ebenso wie zu ihrer Expansion und Verdichtung beitrug. Zugleich konnten Familien Empires durch ihre grenzüberschreitende Flexibilität destabilisieren. Der Beitrag reflektiert Potential und Ansätze familienbiographischer Forschung am Beispiel einer russischen Adelsfamilie, die zwischen 1850 und 1917 imperiale Projekte des Russländischen Reichs in Jerusalem, Konstantinopel und Riga vorantrieb. Dazu gehörten das orthodoxe Pilgerwesen, religiöse Archäologie und ein Frauenkloster. Männliche und weibliche Akteure nutzten unterschiedliche Strategien und Rhetoriken, um am religiösen empire building nach der russischen Niederlage im Krimkrieg mitzuwirken. Die Familie fungierte als Bindeglied zwischen den Individuen und der imperialen Gesellschaft. Sie war ein zentraler Handlungsraum, in dem sich gesellschaftliche Prozesse niederschlugen und in dem Menschen auf Veränderungen reagierten. Wenn Familienbiographien Ansätze der historischen Familienforschung mit denen der Biographik kombinieren, können sie drei fundamentale Ebenen verbinden: die individuelle, die familiäre und die gesellschaftliche. Der Fokus auf die Familie hilft außerdem dabei, geschlechterhistorische Fragen zu bearbeiten. Familiengeschichten zeigen Männer in gemischtgeschlechtlichen Kontexten und nicht nur als Angehörige einer vermeintlich rein männlichen Welt des imperialen Staatsdienstes. Außerdem zeigen sie das weite Handlungsspektrum von Frauen der gesellschaftlichen Elite.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"104 2","pages":""},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2024-02-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"139852842","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Der Aufsatz befasst sich mit Tagebüchern junger Menschen in vielen Ländern Europas, die von den Nationalsozialisten und ihren Helfern als Jüdinnen und Juden verfolgt und von denen viele ermordet worden sind. Er erörtert, was Tagebücher als historische Quellen mit anderen Selbstzeugnissen wie Memoiren und Zeitzeugeninterviews gemeinsam haben und worin sie sich wesentlich unterscheiden. An einigen Beispielen wird gezeigt, wie Tagebücher aufgrund der zeitlichen Nähe zwischen dem Erleben und der Niederschrift des Erlebten sowie der Offenheit des Erwartungshorizonts Einblicke in die unmittelbaren Reaktionen der Betroffenen und ihre unterschiedlichen Deutungen des Geschehens gewähren. Angesichts solcher Erkenntnismöglichkeiten, wie sie nur Tagebücher und Briefe bieten, wird der Frage nachgegangen, warum die Zahl der überlieferten Diarien regional unterschiedlich groß und insgesamt sehr viel geringer ist als die der Memoiren und Interviews, in denen Überlebende rückblickend von ihren Erfahrungen berichtet haben. Es wird untersucht, wie die Entscheidung für eine bestimmte Form des Tagebuchs von den Lebensbedingungen der Autorinnen und Autoren, aber auch von ihren Motivationen abhing. Die Vielfalt der Motivationen wird anhand von Tagebucheinträgen verdeutlicht, die das Bedürfnis zu schreiben explizit reflektieren. Abschließend wird die Besonderheit der untersuchten Tagebücher dadurch hervorgehoben, dass die Auseinandersetzung der Verfasserinnen und Verfasser mit der akuten Bedrohung ihres Lebens durch die Judenmörder beispielhaft dokumentiert wird.
{"title":"Holocaust-Tagebücher junger Jüdinnen und Juden","authors":"W. Kaiser","doi":"10.3224/bios.v34i2.01","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v34i2.01","url":null,"abstract":"Der Aufsatz befasst sich mit Tagebüchern junger Menschen in vielen Ländern Europas, die von den Nationalsozialisten und ihren Helfern als Jüdinnen und Juden verfolgt und von denen viele ermordet worden sind. Er erörtert, was Tagebücher als historische Quellen mit anderen Selbstzeugnissen wie Memoiren und Zeitzeugeninterviews gemeinsam haben und worin sie sich wesentlich unterscheiden. An einigen Beispielen wird gezeigt, wie Tagebücher aufgrund der zeitlichen Nähe zwischen dem Erleben und der Niederschrift des Erlebten sowie der Offenheit des Erwartungshorizonts Einblicke in die unmittelbaren Reaktionen der Betroffenen und ihre unterschiedlichen Deutungen des Geschehens gewähren. Angesichts solcher Erkenntnismöglichkeiten, wie sie nur Tagebücher und Briefe bieten, wird der Frage nachgegangen, warum die Zahl der überlieferten Diarien regional unterschiedlich groß und insgesamt sehr viel geringer ist als die der Memoiren und Interviews, in denen Überlebende rückblickend von ihren Erfahrungen berichtet haben. Es wird untersucht, wie die Entscheidung für eine bestimmte Form des Tagebuchs von den Lebensbedingungen der Autorinnen und Autoren, aber auch von ihren Motivationen abhing. Die Vielfalt der Motivationen wird anhand von Tagebucheinträgen verdeutlicht, die das Bedürfnis zu schreiben explizit reflektieren. Abschließend wird die Besonderheit der untersuchten Tagebücher dadurch hervorgehoben, dass die Auseinandersetzung der Verfasserinnen und Verfasser mit der akuten Bedrohung ihres Lebens durch die Judenmörder beispielhaft dokumentiert wird.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"2 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2023-08-14","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"126348788","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
In den ausgehenden 1970er Jahren kamen in der Schweiz – wie auch in anderen Ländern– Transformationsprozesse in Gang, die zu einer Politisierung und Neupositionierungder Gehörlosengemeinschaft und in den 1980er Jahren zur Formierung der Gehörlosenemanzipationsbewegung führten. In der Folge begannen gehörlose Menschen vermehrt, sich als politische Subjekte zu positionieren, Forderungen zu formulieren sowie Diskriminierungen und paternalistische Haltung hörender Fachleute zu kritisieren. Die Vernetzung mit einer zunehmend transnational agierenden Gehörlosencommunity und die Anlehnung an Aktionsformen anderer Emanzipationsbewegungen spielten dabei eine wichtige Rolle. Der Artikel nimmt diese Prozesse der Subjektivierung (Rancière) gehörloser Menschen als Teil einer emanzipatorischen Politik in den Blick. Wir fokussieren dabei drei maßgebliche Zielsetzungen der Bewegung, die in den 1980er Jahren entwickelt wurden und noch heute für die Politik der Gehörlosengemeinschaft zentral sind: der Zugang zur modernen Kommunikations- und Wissensgesellschaft, die offizielle Anerkennung der Gebärdensprachen und das „Empowerment“, verstanden als individueller und kollektiver Prozess, der Selbstbewusstsein und die Fähigkeit politisch zu agieren fördert. Als Quellenkorpus fungieren in erster Linie zehn leitfadengestützte-themenzentrierte Interviews mit einflussreichen gehörlosen Aktivist*innen aus den 1980er Jahren. In einem einführenden Teil diskutieren wir die methodischen Herausforderungen und notwendigen Voraussetzungen für eine gelingende Durchführung von Interviews mit Hilfe von Gebärdensprachdolmetscher*innen.
{"title":"Die Formation eines politischen Subjektes. Die Emanzipationsbewegung der Gehörlosen in der Schweiz im ausgehenden 20. Jahrhundert","authors":"Vera Blaser, Sonja Matter","doi":"10.3224/bios.v34i2.02","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v34i2.02","url":null,"abstract":"In den ausgehenden 1970er Jahren kamen in der Schweiz – wie auch in anderen Ländern– Transformationsprozesse in Gang, die zu einer Politisierung und Neupositionierungder Gehörlosengemeinschaft und in den 1980er Jahren zur Formierung der Gehörlosenemanzipationsbewegung führten. In der Folge begannen gehörlose Menschen vermehrt, sich als politische Subjekte zu positionieren, Forderungen zu formulieren sowie Diskriminierungen und paternalistische Haltung hörender Fachleute zu kritisieren. Die Vernetzung mit einer zunehmend transnational agierenden Gehörlosencommunity und die Anlehnung an Aktionsformen anderer Emanzipationsbewegungen spielten dabei eine wichtige Rolle. Der Artikel nimmt diese Prozesse der Subjektivierung (Rancière) gehörloser Menschen als Teil einer emanzipatorischen Politik in den Blick. Wir fokussieren dabei drei maßgebliche Zielsetzungen der Bewegung, die in den 1980er Jahren entwickelt wurden und noch heute für die Politik der Gehörlosengemeinschaft zentral sind: der Zugang zur modernen Kommunikations- und Wissensgesellschaft, die offizielle Anerkennung der Gebärdensprachen und das „Empowerment“, verstanden als individueller und kollektiver Prozess, der Selbstbewusstsein und die Fähigkeit politisch zu agieren fördert. Als Quellenkorpus fungieren in erster Linie zehn leitfadengestützte-themenzentrierte Interviews mit einflussreichen gehörlosen Aktivist*innen aus den 1980er Jahren. In einem einführenden Teil diskutieren wir die methodischen Herausforderungen und notwendigen Voraussetzungen für eine gelingende Durchführung von Interviews mit Hilfe von Gebärdensprachdolmetscher*innen.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"33 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2023-08-14","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"128277539","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Der Beitrag untersucht das Phänomen Fremdheit bei sog. „first-generation-students“, insbesondere im Übergang in das Studium. Anhand von zwei Fallbeispielen aus einem Projekt zu Studierendenbiographien an der Universität Wien werden aus biographie-analytischer Perspektive Argumente und Anregungen für weitere Analysen entwickelt, die darauf zielen, Fremdheitserfahrungen nicht verkürzt und vorschnell zuzuschreiben, sondern sie im komplexen Zusammenhang mit den im Laufe eines Lebens gemachten Erfahrungen zu verstehen. Dabei werden unterschiedliche Facetten kultureller und sozialer Fremdheit herausgearbeitet und im Kontext ihrer lebensgeschichtlichen Verknüpfung mit Handlungs- und Verletzungspotenzialen in Bildungsprozessen analysiert. In diesem Zusammenhang wird auch die biographische Langzeitwirkung von Benachteiligungsstrukturen auf Bildungswegen erkennbar.
{"title":"„Von der Geisterjagd“. Möglichkeiten der Sichtbarmachung und Partizipation von Aktivist:innen in der Kunstinstallation „Geister“","authors":"Alicia Gorny","doi":"10.3224/bios.v34i2.06","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v34i2.06","url":null,"abstract":"Der Beitrag untersucht das Phänomen Fremdheit bei sog. „first-generation-students“, insbesondere im Übergang in das Studium. Anhand von zwei Fallbeispielen aus einem Projekt zu Studierendenbiographien an der Universität Wien werden aus biographie-analytischer Perspektive Argumente und Anregungen für weitere Analysen entwickelt, die darauf zielen, Fremdheitserfahrungen nicht verkürzt und vorschnell zuzuschreiben, sondern sie im komplexen Zusammenhang mit den im Laufe eines Lebens gemachten Erfahrungen zu verstehen. Dabei werden unterschiedliche Facetten kultureller und sozialer Fremdheit herausgearbeitet und im Kontext ihrer lebensgeschichtlichen Verknüpfung mit Handlungs- und Verletzungspotenzialen in Bildungsprozessen analysiert. In diesem Zusammenhang wird auch die biographische Langzeitwirkung von Benachteiligungsstrukturen auf Bildungswegen erkennbar.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"7 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2023-08-14","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"129608874","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Die Frage, was durch eine empirische Forschungspraxis überhaupt erschlossen werden kann, ist abhängig von den jeweiligen theoretischen Perspektiven, in denen diese forscherische Aktivität stattfindet. Der Artikel nimmt nach einer grundlegenden Erinnerung an das Konzept der theoretischen Empirie die Bedeutung poststrukturalistischer machttheoretischer Perspektivierungen für das Feld der Übergangsforschung in den Blick. Genauer: Er fragt danach, inwiefern mit solchen machttheoretischen Positionierungen auch bestimmte methodologische Perspektivierungen verbunden sind. Nach einem Aufschlag, der den Zugang einer reflexiven Übergangsforschung umreißt und deren machttheoretische Prämissen in ihrer Relevanz für deren Forschungsfelder ausweist, werden zentrale methodologische Herausforderungen an empirische Forschung in diesen Feldern formuliert und auf existierende Methodenangebote bezogen. Letztere werden einer dezidiert praxeologischen Lesart unterzogen, die die eigene Forschungspraxis wie auch ihre „Gegenstände“ situiert und relationiert. Damit kann der Tendenz im empirischen Arbeiten, Entitäten zu isolieren, gegengesteuert werden und das existierende Methodenrepertoire bewusst dazu genutzt werden, den Prozesscharakter, die Situiertheit und relationale Verwobenheit ihrer „Gegenstände“ deutlich zu machen. Praxeologisieren, situieren und relationieren sind mithin Strategien, denen ein Irritationspotential zugeschrieben werden kann, das in der Forschung generell erwünscht, einer reflexiven Übergangsforschung aber besonders zuträglich ist.
{"title":"Praxeologisieren – Situieren – Relationieren. Zum methodologischen Gewinn machttheoretischer Überlegungen für eine reflexive Übergangsforschung","authors":"Barbara Stauber","doi":"10.3224/bios.v34i2.03","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v34i2.03","url":null,"abstract":"Die Frage, was durch eine empirische Forschungspraxis überhaupt erschlossen werden kann, ist abhängig von den jeweiligen theoretischen Perspektiven, in denen diese forscherische Aktivität stattfindet. Der Artikel nimmt nach einer grundlegenden Erinnerung an das Konzept der theoretischen Empirie die Bedeutung poststrukturalistischer machttheoretischer Perspektivierungen für das Feld der Übergangsforschung in den Blick. Genauer: Er fragt danach, inwiefern mit solchen machttheoretischen Positionierungen auch bestimmte methodologische Perspektivierungen verbunden sind. Nach einem Aufschlag, der den Zugang einer reflexiven Übergangsforschung umreißt und deren machttheoretische Prämissen in ihrer Relevanz für deren Forschungsfelder ausweist, werden zentrale methodologische Herausforderungen an empirische Forschung in diesen Feldern formuliert und auf existierende Methodenangebote bezogen. Letztere werden einer dezidiert praxeologischen Lesart unterzogen, die die eigene Forschungspraxis wie auch ihre „Gegenstände“ situiert und relationiert. Damit kann der Tendenz im empirischen Arbeiten, Entitäten zu isolieren, gegengesteuert werden und das existierende Methodenrepertoire bewusst dazu genutzt werden, den Prozesscharakter, die Situiertheit und relationale Verwobenheit ihrer „Gegenstände“ deutlich zu machen. Praxeologisieren, situieren und relationieren sind mithin Strategien, denen ein Irritationspotential zugeschrieben werden kann, das in der Forschung generell erwünscht, einer reflexiven Übergangsforschung aber besonders zuträglich ist.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"12 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2023-08-14","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"122271301","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Die (historische) Auseinandersetzung mit dem Strukturwandel und den damit verbundenen Arbeitskämpfen im Ruhrgebiet unterlag und unterliegt implizit einer maskulinen Prägung der Erinnerungskultur, die sich vornehmlich auf männliche Arbeit und Biographien stützt. Weibliches Engagement in Arbeitskämpfen, das über die Rolle als unterstützende Randfiguren hinausgeht, kann demgegenüber noch immer als blinder Fleck der Geschichtsforschung betrachtet werden. Die Ausstellung „Geister“ präsentierte die erlebte Geschichte derer, die von der klassischen Geschichtsschreibung verdrängt wurden. Durch den aktiven Einbezug damaliger Beteiligter entstand ein partizipatives, multiperspektivisches Ausstellungskonzept. In der Genese des Konzepts traten Dissonanzen und Deutungsverschiebungen zu Tage, die sich in der Lücke zwischen einer wissenschaftlich-analytischen Sicht einerseits und dem Blick von Zeitzeug:innen auf ihre eigenen Erzählungen andererseits, ergaben. Zentral für den Arbeitsprozess wurde die Frage nach der Aneignung von Geschichte und Erinnerung. Eigene wissenschaftliche und künstlerische Deutungshoheiten mussten zurückgestellt werden, um andere Deutungen zuzulassen.
{"title":"Schmelztiegel Ruhrbergbau? Die Integration türkischer „Gastarbeiter“ mit Oral-History-Interviews im Schülerlabor erforschen","authors":"Marcel Mierwald","doi":"10.3224/bios.v34i2.05","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v34i2.05","url":null,"abstract":"Die (historische) Auseinandersetzung mit dem Strukturwandel und den damit verbundenen Arbeitskämpfen im Ruhrgebiet unterlag und unterliegt implizit einer maskulinen Prägung der Erinnerungskultur, die sich vornehmlich auf männliche Arbeit und Biographien stützt. Weibliches Engagement in Arbeitskämpfen, das über die Rolle als unterstützende Randfiguren hinausgeht, kann demgegenüber noch immer als blinder Fleck der Geschichtsforschung betrachtet werden. Die Ausstellung „Geister“ präsentierte die erlebte Geschichte derer, die von der klassischen Geschichtsschreibung verdrängt wurden. Durch den aktiven Einbezug damaliger Beteiligter entstand ein partizipatives, multiperspektivisches Ausstellungskonzept. In der Genese des Konzepts traten Dissonanzen und Deutungsverschiebungen zu Tage, die sich in der Lücke zwischen einer wissenschaftlich-analytischen Sicht einerseits und dem Blick von Zeitzeug:innen auf ihre eigenen Erzählungen andererseits, ergaben. Zentral für den Arbeitsprozess wurde die Frage nach der Aneignung von Geschichte und Erinnerung. Eigene wissenschaftliche und künstlerische Deutungshoheiten mussten zurückgestellt werden, um andere Deutungen zuzulassen.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"114 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2023-08-14","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"127570929","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Hochschulen sind eine zentrale Institution zur (Re-)Produktion und Legitimation sozialer Ungleichheiten. Auf Ebene der Studierenden wurden und werden klassenspezifische Ungleichheiten eingehend beforscht, die Wissenschaftskarriere aber ist nur rudimentär untersucht worden. Die verfügbaren Studien deuten indes auf eine Unterrepräsentation von aus niedrigen sozialen Klassen stammenden Wissenschaftler:innen hin und fokussieren die Erklärung der Reproduktion dieser Ungleichheiten. Demgegenüber bezieht sich dieser Beitrag auf einen zentralen Mechanismus sozialer Aufstiegsmobilität. Basierend auf einer vergleichenden Analyse von 27 autobiographisch-narrativen Interviews mit deutschen Universitätsprofessor:innen der Rechts- und Erziehungswissenschaften unterschiedlicher Klassenherkunft wird unter Rückgriff auf Theorien des sozialen Selbst dargestellt, dass die sozialen Beziehungen und Interaktionen mit Anderen höherer Sozialklassen die Selbstbilder und die damit verbundenen biographischen Schemata der sozialen Aufsteiger:innen modifizieren. Dabei kommt den von autoritativen Anderen kommunizierten Erwartungen aufgrund der ihnen zugeschriebenen Sachautorität eine besondere Relevanz zu. Der Aufsatz leistet einen Beitrag zur sozialen Mobilitätsforschung, indem er einen wesentlichen Mechanismus sozialer Aufwärtsmobilität im akademischen Bereich beleuchtet.
{"title":"Sozialer Aufstieg und Wissenschaftskarriere. Signifikante und autoritative Andere als Initiator:innen von Bildungs- und Aufstiegsmobilität","authors":"Frerk Blome","doi":"10.3224/bios.v34i1.04","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v34i1.04","url":null,"abstract":"Hochschulen sind eine zentrale Institution zur (Re-)Produktion und Legitimation sozialer Ungleichheiten. Auf Ebene der Studierenden wurden und werden klassenspezifische Ungleichheiten eingehend beforscht, die Wissenschaftskarriere aber ist nur rudimentär untersucht worden. Die verfügbaren Studien deuten indes auf eine Unterrepräsentation von aus niedrigen sozialen Klassen stammenden Wissenschaftler:innen hin und fokussieren die Erklärung der Reproduktion dieser Ungleichheiten. Demgegenüber bezieht sich dieser Beitrag auf einen zentralen Mechanismus sozialer Aufstiegsmobilität. Basierend auf einer vergleichenden Analyse von 27 autobiographisch-narrativen Interviews mit deutschen Universitätsprofessor:innen der Rechts- und Erziehungswissenschaften unterschiedlicher Klassenherkunft wird unter Rückgriff auf Theorien des sozialen Selbst dargestellt, dass die sozialen Beziehungen und Interaktionen mit Anderen höherer Sozialklassen die Selbstbilder und die damit verbundenen biographischen Schemata der sozialen Aufsteiger:innen modifizieren. Dabei kommt den von autoritativen Anderen kommunizierten Erwartungen aufgrund der ihnen zugeschriebenen Sachautorität eine besondere Relevanz zu. Der Aufsatz leistet einen Beitrag zur sozialen Mobilitätsforschung, indem er einen wesentlichen Mechanismus sozialer Aufwärtsmobilität im akademischen Bereich beleuchtet.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"21 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2023-05-04","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"125928480","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Der Beitrag widmet sich der Untersuchung des Zusammenhangs von Migration und sozialer Mobilität durch Bildung und kombiniert hierfür eine biographieanalytische mit einer transnationalen Perspektive. Anhand der Bildungsbiographien von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte wird rekonstruiert, wie Erfahrungen in und Beziehungen zu unterschiedlichen (trans-)nationalen Kontexten mit Möglichkeiten der Bildungsmobilität zusammenspielen und welche Bedeutung diesbezüglich globale Macht- und Ungleichheitsverhältnisse entfalten. Dabei wird deutlich, dass die „Eigenlogik“ der (Bildungs-)Biographien von Jugendlichen häufig quer zu nationalstaatlichen Logiken liegt und sich vor dem Hintergrund biographischer Prozessdynamiken und Wissensbestände vollzieht. Für die Untersuchung von Bildungsmobilität in Migrationsgesellschaften ergibt sich daraus, verstärkt die Erfahrungen und Perspektiven von Jugendlichen einzubeziehen und ihre Biographien jenseits eines methodologischen Nationalismus in ihrem zeitlichen Verlauf zu analysieren.
{"title":"Bildung und soziale Mobilität dies- und jenseits von Nationalstaaten. Transnationale Perspektiven auf die Bildungsbiographien von Jugendlichen","authors":"Merle Hinrichsen","doi":"10.3224/bios.v34i1.06","DOIUrl":"https://doi.org/10.3224/bios.v34i1.06","url":null,"abstract":"Der Beitrag widmet sich der Untersuchung des Zusammenhangs von Migration und sozialer Mobilität durch Bildung und kombiniert hierfür eine biographieanalytische mit einer transnationalen Perspektive. Anhand der Bildungsbiographien von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte wird rekonstruiert, wie Erfahrungen in und Beziehungen zu unterschiedlichen (trans-)nationalen Kontexten mit Möglichkeiten der Bildungsmobilität zusammenspielen und welche Bedeutung diesbezüglich globale Macht- und Ungleichheitsverhältnisse entfalten. Dabei wird deutlich, dass die „Eigenlogik“ der (Bildungs-)Biographien von Jugendlichen häufig quer zu nationalstaatlichen Logiken liegt und sich vor dem Hintergrund biographischer Prozessdynamiken und Wissensbestände vollzieht. Für die Untersuchung von Bildungsmobilität in Migrationsgesellschaften ergibt sich daraus, verstärkt die Erfahrungen und Perspektiven von Jugendlichen einzubeziehen und ihre Biographien jenseits eines methodologischen Nationalismus in ihrem zeitlichen Verlauf zu analysieren.","PeriodicalId":197030,"journal":{"name":"BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen","volume":"30 1","pages":"0"},"PeriodicalIF":0.0,"publicationDate":"2023-05-04","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"130891195","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}