<p>Gold ist eines der weltweit begehrtesten Metalle und hat über Jahrtausende hinweg eine bedeutende Rolle in verschiedenen Kulturen gespielt. Bis heute zieht es uns in den Bann und ist nicht nur im Schmuckbereich, sondern auch in Technologie und Wirtschaft eine wertvolle Ressource. Ist es also mehr als ein glänzender Mythos? Lassen Sie sich mit spannenden Geschichten und überraschenden Fakten in die Welt des Goldes entführen.</p><p>Gold ist fraglos ein ganz besonderes Metall, einzigartig durch seinen warmen gelben Glanz. Seltenheit, Beständigkeit und Schönheit machen es zu einem perfekten Symbol, um Reichtum, Macht, Überlegenheit, bis hin zu Göttlichkeit darzustellen. Kaum eine Religion, kaum eine Macht, die das nicht nutzte um ihre Anhänger zu überzeugen und zu beeindrucken (Abbildung 1).</p><p>Maximal bringt das der kaum auf ein Foto zu bannende 46 m lange, liegende vergoldete Riesenbuddha von Bangkok zum Ausdruck (Abbildung 2). Dort finden wir auch eine Buddha-Statue aus 5,5 t massivem Gold (Abbildung 3) und jede Menge goldene Paläste und Tempel. Solche Pracht lässt auch Touristen staunen.</p><p>Wir wissen nicht, ob der 330 v.d.Z. von Alexander dem Großen niedergebrannte Königspalast von Persepolis ohne Gold auskam, wahrscheinlich nicht. Dafür sind die inneren Kuppeln der Moscheen im heutigen Isfahan mit ihren kunstvollen ornamentalen Mustern aus türkis, blau und goldgelb beeindruckende Beispiele islamischer Baukunst. (Abbildung 4).</p><p>Auch christliche Kirchen verwendeten häufig Gold für ihre Bauwerke. Ein Beispiel hierfür ist die Kathedrale von Cusco in Peru, deren Innenraum reich vergoldet ist. Sie wurde ab 1560 nach dem Abriss des Palasts des 8. Inka Viracocha von den spanischen Eroberern demonstrativ auf den kreuzsoliden Grundmauern des Inka-Palasts erbaut. Kaum dem Blenden dieses „Goldrauschs“ entronnen, ging es in ein Seminar, das mit einer Bitte um Spenden für die Straßenkinder-Waisen von Cusco endete. Die Diskrepanz war schlicht beschämend.</p><p>Aber weniger ist mehr! Gehen wir dazu in die Chiesa San Carlo Borromeo im Zentrum Luganos. Sie zeigt uns die Jungfrau Maria mit dem Kinde in barocker Umgebung. Hier unterstreicht das Gold elegant die Wirkung ohne zu blenden. (Abbildung 5).</p><p>Auch die griechisch-orthodoxe Kirche hat Gold im Repertoire. Das gilt für die Innenräume von Kirchen und Klöstern (Abbildung 6) und für die typischen Ikonen mit dem goldenen Heiligenschein. Meisterhafte zeitlose Arbeiten!</p><p>Was könnte einen Herrscher näher zu den Göttern rücken als goldene Symbole, die sonst niemand hat. Steigen wir im Alten Ägypten ein. Selbst <i>Tutanchamun</i>, ein eher zweitrangiger, jung verstorbener Pharao († 1323 v.d.Z.) bekam eine Totenmaske aus 12 kg Gold [<span>(1)</span>]. Ihr Aussehen kennen alle. Der die Mumie enthaltende innerste von 3 Särgen ist aus reinem Gold und wiegt 110 kg. Welchen Aufwand mag man da bei <i>Ramses dem Großen</i> († 1213 v.d.Z.) getrieben haben nach 66 Jahren Herrschaft? Nur seine Grabräuber
{"title":"Chemie Unterwegs: Bewundert, geliebt, begehrt und verflucht: Gold!","authors":"Dieter Sicker","doi":"10.1002/ciuz.202400043","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/ciuz.202400043","url":null,"abstract":"<p>Gold ist eines der weltweit begehrtesten Metalle und hat über Jahrtausende hinweg eine bedeutende Rolle in verschiedenen Kulturen gespielt. Bis heute zieht es uns in den Bann und ist nicht nur im Schmuckbereich, sondern auch in Technologie und Wirtschaft eine wertvolle Ressource. Ist es also mehr als ein glänzender Mythos? Lassen Sie sich mit spannenden Geschichten und überraschenden Fakten in die Welt des Goldes entführen.</p><p>Gold ist fraglos ein ganz besonderes Metall, einzigartig durch seinen warmen gelben Glanz. Seltenheit, Beständigkeit und Schönheit machen es zu einem perfekten Symbol, um Reichtum, Macht, Überlegenheit, bis hin zu Göttlichkeit darzustellen. Kaum eine Religion, kaum eine Macht, die das nicht nutzte um ihre Anhänger zu überzeugen und zu beeindrucken (Abbildung 1).</p><p>Maximal bringt das der kaum auf ein Foto zu bannende 46 m lange, liegende vergoldete Riesenbuddha von Bangkok zum Ausdruck (Abbildung 2). Dort finden wir auch eine Buddha-Statue aus 5,5 t massivem Gold (Abbildung 3) und jede Menge goldene Paläste und Tempel. Solche Pracht lässt auch Touristen staunen.</p><p>Wir wissen nicht, ob der 330 v.d.Z. von Alexander dem Großen niedergebrannte Königspalast von Persepolis ohne Gold auskam, wahrscheinlich nicht. Dafür sind die inneren Kuppeln der Moscheen im heutigen Isfahan mit ihren kunstvollen ornamentalen Mustern aus türkis, blau und goldgelb beeindruckende Beispiele islamischer Baukunst. (Abbildung 4).</p><p>Auch christliche Kirchen verwendeten häufig Gold für ihre Bauwerke. Ein Beispiel hierfür ist die Kathedrale von Cusco in Peru, deren Innenraum reich vergoldet ist. Sie wurde ab 1560 nach dem Abriss des Palasts des 8. Inka Viracocha von den spanischen Eroberern demonstrativ auf den kreuzsoliden Grundmauern des Inka-Palasts erbaut. Kaum dem Blenden dieses „Goldrauschs“ entronnen, ging es in ein Seminar, das mit einer Bitte um Spenden für die Straßenkinder-Waisen von Cusco endete. Die Diskrepanz war schlicht beschämend.</p><p>Aber weniger ist mehr! Gehen wir dazu in die Chiesa San Carlo Borromeo im Zentrum Luganos. Sie zeigt uns die Jungfrau Maria mit dem Kinde in barocker Umgebung. Hier unterstreicht das Gold elegant die Wirkung ohne zu blenden. (Abbildung 5).</p><p>Auch die griechisch-orthodoxe Kirche hat Gold im Repertoire. Das gilt für die Innenräume von Kirchen und Klöstern (Abbildung 6) und für die typischen Ikonen mit dem goldenen Heiligenschein. Meisterhafte zeitlose Arbeiten!</p><p>Was könnte einen Herrscher näher zu den Göttern rücken als goldene Symbole, die sonst niemand hat. Steigen wir im Alten Ägypten ein. Selbst <i>Tutanchamun</i>, ein eher zweitrangiger, jung verstorbener Pharao († 1323 v.d.Z.) bekam eine Totenmaske aus 12 kg Gold [<span>(1)</span>]. Ihr Aussehen kennen alle. Der die Mumie enthaltende innerste von 3 Särgen ist aus reinem Gold und wiegt 110 kg. Welchen Aufwand mag man da bei <i>Ramses dem Großen</i> († 1213 v.d.Z.) getrieben haben nach 66 Jahren Herrschaft? Nur seine Grabräuber ","PeriodicalId":9911,"journal":{"name":"Chemie in Unserer Zeit","volume":"59 6","pages":"362-369"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2025-10-13","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145772361","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"化学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"Citizen-Science: Katzenvideos für die Forschung","authors":"","doi":"10.1002/ciuz.202510009","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/ciuz.202510009","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":9911,"journal":{"name":"Chemie in Unserer Zeit","volume":"59 5","pages":""},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2025-10-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145243066","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"化学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"Vorschau auf Heft 6/2025","authors":"","doi":"10.1002/ciuz.202570503","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/ciuz.202570503","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":9911,"journal":{"name":"Chemie in Unserer Zeit","volume":"59 5","pages":""},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2025-10-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/ciuz.202570503","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145242988","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"化学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Wissen Sie, wie diese Substituenten in der organischen Farbstoffchemie genannt werden, die selbst farblos sind aber durch ihre farbverstärkenden oder antifarbverstärkenden Mesomerieeffekte die Absoptionsverhalten der farbgebenden Strukturen und damit der Farbe von organischen Verbindungen beeinflussen?
{"title":"Rätsel: Die Theorie des Blaumachens?","authors":"Deike Hatscher","doi":"10.1002/ciuz.202500046","DOIUrl":"https://doi.org/10.1002/ciuz.202500046","url":null,"abstract":"<p>Wissen Sie, wie diese Substituenten in der organischen Farbstoffchemie genannt werden, die selbst farblos sind aber durch ihre farbverstärkenden oder antifarbverstärkenden Mesomerieeffekte die Absoptionsverhalten der farbgebenden Strukturen und damit der Farbe von organischen Verbindungen beeinflussen?</p>","PeriodicalId":9911,"journal":{"name":"Chemie in Unserer Zeit","volume":"59 5","pages":""},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2025-10-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"145242952","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"化学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Kristalline Feststoffe mit offenen Gerüststrukturen (englisch „open framework structures“) sind nicht aus sich periodisch wiederholenden Anordnungen von Ionen oder Molekülen aufgebaut, sondern aus dreidimensionalen Netzen (Raumnetzstrukturen). Sie enthalten strukturimmanent offene Hohlräume und Kanäle. Am längsten sind Zeolithe und Cyanometallate (Berliner Blau) bekannt. Das Spektrum an Gerüststrukturen wurde jedoch in den letzten Jahrzehnten durch neue chemische Zusammensetzungen erheblich erweitert, wie etwa den metallorganischen (MOF) oder organischen Gerüststrukturen (COF). Im Fokus dieses Artikels stehen gemeinsame Konstruktionsprinzipien.