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Titelbild: (Ber. Wissenschaftsgesch. 1-2/2024) 封面图片: (Ber. Wissenschaftsgesch. 1-2/2024)
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-06-19 DOI: 10.1002/bewi.202480101

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Inhaltsverzeichnis: Ber. Wissenschaftsgesch. 1-2/2024 目录Ber.科学史1-2/2024
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-06-19 DOI: 10.1002/bewi.202480111
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Ehren und Erinnern (re-)konstruieren – ein Kommentar. (重新)构建荣誉和记忆--评述。
IF 0.6 2区 哲学 Q2 HISTORY & PHILOSOPHY OF SCIENCE Pub Date : 2024-04-19 DOI: 10.1002/bewi.202300027
Priv.-Doz. Dr. Alexander Pinwinkler

Das Themenfeld „Erinnern“ und „Gedächtnis“ und die damit verknüpften Praktiken und Diskurse werden seit vielen Jahren breit bearbeitet und diskutiert. Stellvertretend für den enormen Korpus an Studien und Veröffentlichungen sei hier nur auf die wegweisenden Arbeiten von Jan und Aleida Assmann zum kulturellen Gedächtnis und zur Erinnerungskultur verwiesen.1 Das vorliegende Themenheft bewegt sich damit zwar in einem sehr gut erforschten Arbeitsbereich, es vermittelt aber zugleich weiterführende Anregungen und Impulse. Diese beziehen sich vor allem auf akademische Ehrungen und deren Relevanz und symbolische Bedeutung für Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.

Thorsten Halling und Anne Oommen-Halbach heben denn auch in ihrer Einführung zum Themenheft als einen wesentlichen Ausgangspunkt ihrer Überlegungen hervor, dass gesellschaftliche und wissenschaftliche „Gedächtniskulturen“ wechselseitig stark aufeinander bezogen sind.2 Die Beiträge des Themenhefts greifen diese Feststellung auf und fragen danach, inwiefern es zu „Erinnerungstransfers“ zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit kommt. Welche Bedeutung der (Re−)Produktion und Dekonstruktion der Memoria von Wissenschaftler:innen für gesellschaftliche Identitätsentwürfe wie auch der historisch informierten Selbstdarstellung von wissenschaftlichen Fachdisziplinen, akademischen Institutionen und Fachverbänden zukommt, bildet einen weiteren Gegenstand der hier veröffentlichten Artikel.

Mit dem skizzierten konzeptionellen Ansatz leisten die Studien des Themenhefts einen wesentlichen Beitrag zu einer Verknüpfung von Gedächtniskulturforschung und Wissenschaftsgeschichte. Der vorliegende Kommentar bezieht sich auf die im Themenheft vorgestellten Fallbeispiele und stellt weitere Beispiele von Wissenschaftlern vor, deren Biografien und wissenschaftliche Memoria in den vergangenen Jahren öffentlich stark diskutiert wurden. Der Kommentar fragt danach, welche individuellen und institutionellen Akteur:innen sich an diesen Debatten beteiligten und welche Interessen und Motive diese jeweils verfolgten. Welche allgemeinen Muster sich dabei abzeichnen, und welche Fragen vorerst offenbleiben, bildet den Gegenstand abschließender Überlegungen und Reflexionen.

评论将记忆的实践和记忆的创造解释为学术和公共媒体自我理解的尝试,表现出过去的政治、面向现在和面向未来的视角和意图。如果不提及公众和政治,不与公众和政治互动,就很难想象历史和记忆的学术政治。本特刊的文章清楚地表明,围绕学术界的记忆政策争议通常涉及大量公共和私人行为者及利益集团。例如,在讨论以学者命名的奖项、街道名称或学校名称时,关于记忆和记忆的截然不同的逻辑和观点往往会发生冲突。这种根本性的两难境地在有关纳粹时代之前、期间和之后有争议的学者的辩论中尤为明显。
{"title":"Ehren und Erinnern (re-)konstruieren – ein Kommentar.","authors":"Priv.-Doz. Dr. Alexander Pinwinkler","doi":"10.1002/bewi.202300027","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300027","url":null,"abstract":"<p>Das Themenfeld „Erinnern“ und „Gedächtnis“ und die damit verknüpften Praktiken und Diskurse werden seit vielen Jahren breit bearbeitet und diskutiert. Stellvertretend für den enormen Korpus an Studien und Veröffentlichungen sei hier nur auf die wegweisenden Arbeiten von Jan und Aleida Assmann zum kulturellen Gedächtnis und zur Erinnerungskultur verwiesen.<sup>1</sup> Das vorliegende Themenheft bewegt sich damit zwar in einem sehr gut erforschten Arbeitsbereich, es vermittelt aber zugleich weiterführende Anregungen und Impulse. Diese beziehen sich vor allem auf akademische Ehrungen und deren Relevanz und symbolische Bedeutung für Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.</p><p>Thorsten Halling und Anne Oommen-Halbach heben denn auch in ihrer Einführung zum Themenheft als einen wesentlichen Ausgangspunkt ihrer Überlegungen hervor, dass gesellschaftliche und wissenschaftliche „Gedächtniskulturen“ wechselseitig stark aufeinander bezogen sind.<sup>2</sup> Die Beiträge des Themenhefts greifen diese Feststellung auf und fragen danach, inwiefern es zu „Erinnerungstransfers“ zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit kommt. Welche Bedeutung der (Re−)Produktion und Dekonstruktion der Memoria von Wissenschaftler:innen für gesellschaftliche Identitätsentwürfe wie auch der historisch informierten Selbstdarstellung von wissenschaftlichen Fachdisziplinen, akademischen Institutionen und Fachverbänden zukommt, bildet einen weiteren Gegenstand der hier veröffentlichten Artikel.</p><p>Mit dem skizzierten konzeptionellen Ansatz leisten die Studien des Themenhefts einen wesentlichen Beitrag zu einer Verknüpfung von Gedächtniskulturforschung und Wissenschaftsgeschichte. Der vorliegende Kommentar bezieht sich auf die im Themenheft vorgestellten Fallbeispiele und stellt weitere Beispiele von Wissenschaftlern vor, deren Biografien und wissenschaftliche Memoria in den vergangenen Jahren öffentlich stark diskutiert wurden. Der Kommentar fragt danach, welche individuellen und institutionellen Akteur:innen sich an diesen Debatten beteiligten und welche Interessen und Motive diese jeweils verfolgten. Welche allgemeinen Muster sich dabei abzeichnen, und welche Fragen vorerst offenbleiben, bildet den Gegenstand abschließender Überlegungen und Reflexionen.</p>","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 1-2","pages":"151-170"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-19","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300027","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140635276","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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Forscher:innen in wissenschaftlichen und öffentlichen Erinnerungskulturen. Konjunkturen und Transformationsprozesse 科学和公共纪念文化研究人员。循环和转变过程
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-04-12 DOI: 10.1002/bewi.202300024
Thorsten Halling, Anne Oommen-Halbach

Forscher:innen sind im öffentlichen Gedächtnis als Namensgeber:innen von Straßen, Plätzen und Institutionen weit über den Kontext von Universitäten und Forschungseinrichtungen hinaus allgegenwärtig. Insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialpolitik, des Nationalsozialismus und der SED-Herrschaft sind jedoch viele dieser Benennungen zunehmend umstritten.1 Gerade erinnerungspolitische Debatten führ(t)en oft zu wissenschaftshistorischen (Auftrags-)Studien und einer veränderten öffentlichen Wahrnehmung historischer Persönlichkeiten. Dieses Wechselverhältnis ist in der Wissenschaftsgeschichte vor allem für den deutschen Sprachraum bislang nur punktuell beleuchtet worden.

Gedächtnis und Erinnerung als individuelle und soziale Phänomene verbinden Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften wie wenige andere, so konstatiert die Literaturwissenschaftlerin Astrid Erll in ihrer Einführung Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen.2 Inzwischen wird dieser als kulturwissenschaftliches Paradigma bezeichnete Forschungsansatz einer andauernden (Selbst-)Historisierung unterzogen.3 Im deutschen Sprachraum sind es vor allem die Arbeiten von Aleida und Jan Assmann, die sich seit den 1990er Jahren in vielen Studien als anschlussfähig erwiesen haben, gleichwohl sie konzeptuell kritisch hinterfragt wurden.4 Aleida Assmann selbst wies darauf hin, dass die Einzeldisziplinen ihre jeweils spezifischen Perspektiven auf das Gedächtnis entwickelt haben.5

Anhand zentraler Themenfelder der Memory Studies möchten wir in dieser Einleitung entsprechende Ansätze in der Wissenschaftsgeschichte skizzieren. Der im anglo-amerikanischen Sprachraum geprägte Begriff wird hier bewusst genutzt, da er den Forschungsansatz betont, den die seit 2008 erscheinende gleichnamige Zeitschrift prägnant definiert hat:

Memory Studies examine[s] the social, cultural, cognitive, political and technological shifts affecting how, what and why individuals, groups and societies remember, and forget. The journal responds to and seeks to shape public and academic discourses on the nature, manipulation, and contestation of memory in the contemporary era.6

Der deutsche Begriff der Erinnerungskultur umfasst verschiedene Bedeutungsebenen: Analysekategorie, Forschungsgegenstand sowie einen intentionalen Aspekt, der auch als Erinnerungspolitik bezeichnet wird.7

Ausführlich diskutiert wurden die Schnittmengen von Erinnerungskultur zur Public History, verstanden als angewandte Geschichtswissenschaft, zu der Oral History, Museen, Gedenkstätten, Medien und Archive zählen.8 Traditionelle wissenschafts- und medizinhistorische Sammlungen an den Universitäten, interaktive Wissenschafts- und Technikmuseen sowie Industriedenkmale sind Bestandteil dieser Geschichtsvermittlung, die immer auch einzelne Forscher:innen ins öffentliche Gedächtnis rückt: Jüngst präsentierte die

本文以记忆研究的核心问题为基础,概述了有关科学史与公众对科学家和学者的看法之间关系的各种话题和不同概念。文章的重点是这种记忆文化所面临的各种反复出现的趋势和转变过程,以及历史学家在其中所扮演的各种角色。这篇文章也是对本特刊及其文稿的介绍,这些文稿利用医学史和教育学的典范研究,揭示了不断变化的历史参照系所产生的纪念文化的持续协商过程,特别是在处理国家社会主义遗产方面。
{"title":"Forscher:innen in wissenschaftlichen und öffentlichen Erinnerungskulturen. Konjunkturen und Transformationsprozesse","authors":"Thorsten Halling,&nbsp;Anne Oommen-Halbach","doi":"10.1002/bewi.202300024","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300024","url":null,"abstract":"<p>Forscher:innen sind im öffentlichen Gedächtnis als Namensgeber:innen von Straßen, Plätzen und Institutionen weit über den Kontext von Universitäten und Forschungseinrichtungen hinaus allgegenwärtig. Insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialpolitik, des Nationalsozialismus und der SED-Herrschaft sind jedoch viele dieser Benennungen zunehmend umstritten.<sup>1</sup> Gerade erinnerungspolitische Debatten führ(t)en oft zu wissenschaftshistorischen (Auftrags-)Studien und einer veränderten öffentlichen Wahrnehmung historischer Persönlichkeiten. Dieses Wechselverhältnis ist in der Wissenschaftsgeschichte vor allem für den deutschen Sprachraum bislang nur punktuell beleuchtet worden.</p><p>Gedächtnis und Erinnerung als individuelle und soziale Phänomene verbinden Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften wie wenige andere, so konstatiert die Literaturwissenschaftlerin Astrid Erll in ihrer Einführung <i>Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen</i>.<sup>2</sup> Inzwischen wird dieser als kulturwissenschaftliches Paradigma bezeichnete Forschungsansatz einer andauernden (Selbst-)Historisierung unterzogen.<sup>3</sup> Im deutschen Sprachraum sind es vor allem die Arbeiten von Aleida und Jan Assmann, die sich seit den 1990er Jahren in vielen Studien als anschlussfähig erwiesen haben, gleichwohl sie konzeptuell kritisch hinterfragt wurden.<sup>4</sup> Aleida Assmann selbst wies darauf hin, dass die Einzeldisziplinen ihre jeweils spezifischen Perspektiven auf das Gedächtnis entwickelt haben.<sup>5</sup></p><p>Anhand zentraler Themenfelder der <i>Memory Studies</i> möchten wir in dieser Einleitung entsprechende Ansätze in der Wissenschaftsgeschichte skizzieren. Der im anglo-amerikanischen Sprachraum geprägte Begriff wird hier bewusst genutzt, da er den Forschungsansatz betont, den die seit 2008 erscheinende gleichnamige Zeitschrift prägnant definiert hat:</p><p>Memory Studies examine[s] the social, cultural, cognitive, political and technological shifts affecting how, what and why individuals, groups and societies remember, and forget. The journal responds to and seeks to shape public and academic discourses on the nature, manipulation, and contestation of memory in the contemporary era.<sup>6</sup></p><p>Der deutsche Begriff der Erinnerungskultur umfasst verschiedene Bedeutungsebenen: Analysekategorie, Forschungsgegenstand sowie einen intentionalen Aspekt, der auch als Erinnerungspolitik bezeichnet wird.<sup>7</sup></p><p>Ausführlich diskutiert wurden die Schnittmengen von Erinnerungskultur zur <i>Public History</i>, verstanden als angewandte Geschichtswissenschaft, zu der Oral History, Museen, Gedenkstätten, Medien und Archive zählen.<sup>8</sup> Traditionelle wissenschafts- und medizinhistorische Sammlungen an den Universitäten, interaktive Wissenschafts- und Technikmuseen sowie Industriedenkmale sind Bestandteil dieser Geschichtsvermittlung, die immer auch einzelne Forscher:innen ins öffentliche Gedächtnis rückt: Jüngst präsentierte die","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 1-2","pages":"7-26"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-12","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300024","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140710697","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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Die Robert-Rössle-Straße in Berlin-Pankow. Zum Streit um die ehrende Erinnerung an einen „relativ belasteten“ Pathologen in der NS-Zeit 柏林-潘科的罗伯特-罗斯勒大街(Robert-Rössle-Straße)。关于纪念纳粹时期一位 "相对有罪 "的病理学家的争议
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-04-08 DOI: 10.1002/bewi.202300021
Thomas Beddies

Die Medizinhistoriographie weiß seit langem, dass die Medizin im „Dritten Reich“ nicht auf das kriminelle Vorgehen und die Taten einer kleinen Zahl wahlweise „verführter“ oder „verbrecherischer“ Medizinerinnen und Mediziner zu beschränken ist. Die umstandslose Anerkennung von „Machtübernahme“, „Gleichschaltung“ und „Führerprinzip“, die rücksichtslose Ausschaltung politisch oder „rassisch“ unliebsamer Kolleginnen und Kollegen, die bereitwillige Anpassung an das NS-Gesundheitssystem und die konsequente Anwendung rassenhygienischer Grundsätze und Maßnahmen durch den überwiegenden Teil der Ärzte- und Hochschullehrerschaft nach 1933 spricht gegen die Sichtweise, dass lediglich eine radikalisierte Minderheit an der NS-Medizin und ihren strafwürdigen Auswüchsen Anteil gehabt hätte. Um die Schattierungen von Täterschaft, Teilhabe, Mitläufertum und gewolltem Nichtwissen ausleuchten zu können, müssen individuelle wie auch kollektive Handlungen und Handlungsspielräume von Ärztinnen und Ärzten in der Krankenversorgung und der medizinischen Forschung im NS-Staat in den Blick genommen werden. In zahlreichen Untersuchungen, die sich auf Einzelpersonen ebenso bezogen wie auf Krankenhäuser, medizinische Fakultäten, Forschungseinrichtungen, Fachverbände und andere mehr, ist diese Arbeit in den vergangenen Jahren bereits umfangreich geleistet worden.1

Die für den vorliegenden Beitrag relevanten Forschungen zur Pathologie (und zu den Pathologen) im Nationalsozialismus wurden vornehmlich in Aachen und in Düsseldorf geleistet. In Aachen, wo bereits umfangreich zu den medizinischen Fachgesellschaften im NS gearbeitet wurde,2 identifizierte man (im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, kurz DGP) in zwei Projektphasen nicht nur die Opfer von Verfolgung, Vertreibung und Entrechtung unter den Pathologen, sondern nahm auch die Fachvertreter in den Blick, die in der NS-Zeit Verantwortung innerhalb der DGP übernommen hatten.3 Aus dem Kontext dieser Forschungen gingen auch Publikationen hervor, die sich mit der Rolle des Berliner Pathologen Robert Rössle (1876–1956) im Nationalsozialismus auseinandersetzten.4 In Düsseldorf untersuchte Timo Baumann (mit Unterstützung des Bundesverbandes Deutscher Pathologen) wissenschaftliche Inhalte und Forschungsschwerpunkte der medizinischen Spezialdisziplin Pathologie in der Zeit des Nationalsozialismus; dazu gehörten auch die Schwerpunktsetzungen „Wehrpathologie“ und „Erbpathologie“.5 Auf der Grundlage der genannten und weiterer Arbeiten soll im vorliegenden Beitrag der Streit um die Person Rössles, Ordinarius für Pathologie der Berliner Universität und Direktor des Pathologischen Instituts der Charité, in der konkurrierenden Erinnerungs- und Gedächtniskultur zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit in den Vordergrund gestellt werden. Anlass dazu gibt eine seit längerem anhaltende Umbenennungsdebatte um die Robert-Rössle-Straße im Berliner Ortsteil Buch.

Rob

几年来,柏林潘科一直在为 "罗伯特-罗斯勒大街 "的重新命名而争论不休。这位病理学家被指控在国家社会主义时期的行为和科研工作中存在机会主义态度。据说,罗伯特-罗斯勒在他的研究中,尤其是在 "家庭病理学 "研究中,遵循了纳粹时代的种族卫生范式。他使用了可疑的方法,并被指责为从科学上和作为一个普通公民适应这一制度中获利。关于街道命名的争议可以被描述为 "不和谐的记忆",阻碍了和谐的纪念文化。建议从反思性历史意识的意义上,有效利用这一争议--无论街道是否更名--进入罗斯勒的轨道,并从不同角度阐明其网络中的事实和个人纠葛。
{"title":"Die Robert-Rössle-Straße in Berlin-Pankow. Zum Streit um die ehrende Erinnerung an einen „relativ belasteten“ Pathologen in der NS-Zeit","authors":"Thomas Beddies","doi":"10.1002/bewi.202300021","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300021","url":null,"abstract":"<p>Die Medizinhistoriographie weiß seit langem, dass die Medizin im „Dritten Reich“ nicht auf das kriminelle Vorgehen und die Taten einer kleinen Zahl wahlweise „verführter“ oder „verbrecherischer“ Medizinerinnen und Mediziner zu beschränken ist. Die umstandslose Anerkennung von „Machtübernahme“, „Gleichschaltung“ und „Führerprinzip“, die rücksichtslose Ausschaltung politisch oder „rassisch“ unliebsamer Kolleginnen und Kollegen, die bereitwillige Anpassung an das NS-Gesundheitssystem und die konsequente Anwendung rassenhygienischer Grundsätze und Maßnahmen durch den überwiegenden Teil der Ärzte- und Hochschullehrerschaft nach 1933 spricht gegen die Sichtweise, dass lediglich eine radikalisierte Minderheit an der NS-Medizin und ihren strafwürdigen Auswüchsen Anteil gehabt hätte. Um die Schattierungen von Täterschaft, Teilhabe, Mitläufertum und gewolltem Nichtwissen ausleuchten zu können, müssen individuelle wie auch kollektive Handlungen und Handlungsspielräume von Ärztinnen und Ärzten in der Krankenversorgung und der medizinischen Forschung im NS-Staat in den Blick genommen werden. In zahlreichen Untersuchungen, die sich auf Einzelpersonen ebenso bezogen wie auf Krankenhäuser, medizinische Fakultäten, Forschungseinrichtungen, Fachverbände und andere mehr, ist diese Arbeit in den vergangenen Jahren bereits umfangreich geleistet worden.<sup>1</sup></p><p>Die für den vorliegenden Beitrag relevanten Forschungen zur Pathologie (und zu den Pathologen) im Nationalsozialismus wurden vornehmlich in Aachen und in Düsseldorf geleistet. In Aachen, wo bereits umfangreich zu den medizinischen Fachgesellschaften im NS gearbeitet wurde,<sup>2</sup> identifizierte man (im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, kurz DGP) in zwei Projektphasen nicht nur die Opfer von Verfolgung, Vertreibung und Entrechtung unter den Pathologen, sondern nahm auch die Fachvertreter in den Blick, die in der NS-Zeit Verantwortung innerhalb der DGP übernommen hatten.<sup>3</sup> Aus dem Kontext dieser Forschungen gingen auch Publikationen hervor, die sich mit der Rolle des Berliner Pathologen Robert Rössle (1876–1956) im Nationalsozialismus auseinandersetzten.<sup>4</sup> In Düsseldorf untersuchte Timo Baumann (mit Unterstützung des Bundesverbandes Deutscher Pathologen) wissenschaftliche Inhalte und Forschungsschwerpunkte der medizinischen Spezialdisziplin Pathologie in der Zeit des Nationalsozialismus; dazu gehörten auch die Schwerpunktsetzungen „Wehrpathologie“ und „Erbpathologie“.<sup>5</sup> Auf der Grundlage der genannten und weiterer Arbeiten soll im vorliegenden Beitrag der Streit um die Person Rössles, Ordinarius für Pathologie der Berliner Universität und Direktor des Pathologischen Instituts der Charité, in der konkurrierenden Erinnerungs- und Gedächtniskultur zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit in den Vordergrund gestellt werden. Anlass dazu gibt eine seit längerem anhaltende Umbenennungsdebatte um die Robert-Rössle-Straße im Berliner Ortsteil Buch.</p><p>Rob","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 1-2","pages":"106-127"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300021","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140730074","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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Before Mnemosyne: Wilhelmine Cultural History Exhibitions and the Genesis of Warburg's Picture Atlas** 在《涅摩西涅》之前:威廉文化史展览与沃伯格图片集的诞生**
IF 0.6 2区 哲学 Q2 HISTORY & PHILOSOPHY OF SCIENCE Pub Date : 2024-04-08 DOI: 10.1002/bewi.202300014
Matthew Vollgraff

Aby Warburg's Bilderatlas Mnemosyne, left unfinished in 1929, has attracted significant interest in recent decades. This essay offers a new interpretation of Warburg's “picture atlas,” not in relation to modernist collage and photomontage, but as an heir to scientific pedagogical exhibitions of the late Wilhelmine period. It deals in particular with two “public enlightenment” shows curated by the Leipzig medical historian Karl Sudhoff, whose work Warburg admired and employed: the first on with the history of hygiene in Dresden in 1911, the second in Leipzig, three years later, on the development of scientific images. Like Warburg, Sudhoff appreciated artworks and artifacts as sources for the history of science and medicine. His exhibitions consisted of assemblages of photographic reproductions—some of which were provided by Warburg himself—and uncannily anticipate Mnemosyne in both form and content. By examining the exchange of materials and display methods between the two scholars, the article explores how their respective visual projects reflected deeper disagreements over the public role of science, the epistemic power of images, and the persistence of the irrational in the human psyche.

阿比-沃伯格的《Bilderatlas Mnemosyne》于 1929 年未完成,近几十年来引起了人们的极大兴趣。这篇文章对沃伯格的 "图片地图集 "进行了新的诠释,不是将其与现代主义拼贴画和摄影蒙太奇联系在一起,而是将其视为威廉时代晚期科学教育展览的继承者。书中特别介绍了由莱比锡医学史学家卡尔-苏德霍夫(Karl Sudhoff)策划的两次 "公共启蒙 "展览,沃伯格非常欣赏并采用了他的作品:第一次是 1911 年在德累斯顿举办的卫生史展览,第二次是三年后在莱比锡举办的科学图像发展展览。与沃伯格一样,苏德霍夫也非常欣赏将艺术品和手工艺品作为科学史和医学史的资料来源。他的展览由照片复制品组合而成--其中一些复制品由沃伯格本人提供--在形式和内容上都与 Mnemosyne 惊人的相似。通过研究这两位学者之间的材料和展示方法的交流,文章探讨了他们各自的视觉项目如何反映了在科学的公共角色、图像的认识能力以及人类心理中非理性的持续存在等问题上更深层次的分歧。
{"title":"Before Mnemosyne: Wilhelmine Cultural History Exhibitions and the Genesis of Warburg's Picture Atlas**","authors":"Matthew Vollgraff","doi":"10.1002/bewi.202300014","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300014","url":null,"abstract":"<p>Aby Warburg's <i>Bilderatlas Mnemosyne</i>, left unfinished in 1929, has attracted significant interest in recent decades. This essay offers a new interpretation of Warburg's “picture atlas,” not in relation to modernist collage and photomontage, but as an heir to scientific pedagogical exhibitions of the late Wilhelmine period. It deals in particular with two “public enlightenment” shows curated by the Leipzig medical historian Karl Sudhoff, whose work Warburg admired and employed: the first on with the history of hygiene in Dresden in 1911, the second in Leipzig, three years later, on the development of scientific images. Like Warburg, Sudhoff appreciated artworks and artifacts as sources for the history of science and medicine. His exhibitions consisted of assemblages of photographic reproductions—some of which were provided by Warburg himself—and uncannily anticipate <i>Mnemosyne</i> in both form and content. By examining the exchange of materials and display methods between the two scholars, the article explores how their respective visual projects reflected deeper disagreements over the public role of science, the epistemic power of images, and the persistence of the irrational in the human psyche.</p>","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 4","pages":"432-465"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-08","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300014","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140564552","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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Transformation von Gedächtnis zwischen wissenschaftlicher Rezeption und Popularisierung: Die posthume Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Janusz Korczak 学术接受与大众化之间的记忆转换:追授雅努什-科尔扎克德国图书贸易和平奖
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-04-05 DOI: 10.1002/bewi.202300022
Anne Oommen-Halbach, Thorsten Halling

Im Jahr 1972 gerieten Leben und Werk von Janusz Korczak (1878/79–1942) für einige Monate in den Fokus der bundesrepublikanischen Feuilletons und damit einer interessierten Öffentlichkeit in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft. Der Hintergrund für dieses plötzliche Interesse an dem aus Warschau stammenden Arzt1, Pädagogen und Schriftsteller war die posthume Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Mit dieser vielfältig symbolisch aufgeladenen2 und öffentlichkeitswirksam inszenierten3 Auszeichnung wird bereits seit 1950 jährlich eine Persönlichkeit geehrt,4 die zur Verwirklichung des Gedankens des „Friedens, der Menschlichkeit und der Verständigung unter den Völkern“5 beigetragen hat. Wie umstritten der hier formulierte Anspruch, die Auswahl der jeweiligen Preisträger:innen und auch ihrer Laudator:innen in der Vergangenheit gewesen sind, belegt die 2009 erschienene Chronik des Friedenspreises mit dem bezeichnenden Titel Widerreden.6 Gerade wegen dieser permanenten kritischen Auseinandersetzung räumte Aleida Assmann (geb. 1947) im gleichen Band dem Friedenspreis einen festen Platz „im kulturellen Gedächtnis der Deutschen“ ein.7 Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin prägte zusammen mit ihrem Ehemann Jan Assmann (1938–2024) im deutschsprachigen Diskurs seit den 1990er Jahren den Begriff des „kulturellen Gedächtnisses“, beide wurden im Jahr 2018 selbst mit dem Friedenspreis ausgezeichnet.8 In der Preisbegründung wurde betont: „Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leistet sie [Aleida Assmann] in hohem Maße Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation.“9 Ein wesentlicher Aspekt ihres Forschungsansatzes ist die Analyse jenes Transformationsprozesses von unmittelbar oder zumindest mittelbar selbst Erlebtem und Erinnertem (kommunikatives Gedächtnis) zu einem von zeitgenössischen Berichten losgelösten Erinnern (kulturelles Gedächtnis).10

Für die Konjunktur von Erinnerung an Gelehrte, wie Korczak, sind Jubiläen, Jahrestage und selten auch die Verleihung von Preisen von großer Bedeutung. In den mit ihnen verbundenen öffentlichen und fachinternen Diskursen lassen sich nicht nur spezifische (erinnerungspolitische) Interessen der jeweiligen Akteure erkennen, sondern sie vermitteln auch wirkmächtige Narrative und spiegeln Aushandlungsprozesse.11 Letztere werden insbesondere im Kontext von Erinnerungen an den Holocaust oftmals als Konflikte wahrgenommen,12 die es zu reflektieren gilt. Ein zentraler Aspekt in der Analyse erinnerungskultureller Phänomene ist der virulente Gegenwartsbezug: „Erinnerungen drehen sich nicht um Vergangenheit, sondern um die Gegenwart. Die Dissonanzen der Erinnerung erklären sich weniger aus der Konfliktträchtigkeit von Vergangenheit, sondern aus Konfliktlagen und Bedürfnissen der Gegenwart.“

本文重点分析了 1972 年德国图书贸易和平奖追授犹太裔波兰医生、教育家和作家亚努什-科扎克(Janusz Korczak,1878/79-1942 年)所引发的国际争议。这场围绕奖金获得者的争论被认为是科尔扎克运动在德国的普及和科尔扎克研究制度化的重要催化剂,尤其是在教学研究领域。文章调查了记忆政策参与者在学术界、商界、政界和媒体中的各种利益和目标,并根据有关此次颁奖典礼的信件、手稿和新闻报道,强调了科扎克的作品与大屠杀纪念活动之间的紧密联系。从记忆研究和科学史的角度,特别是对建立德语卡尔扎克研究的具体影响方面,研究了学者和公众之间相互转移注意力的机制。
{"title":"Transformation von Gedächtnis zwischen wissenschaftlicher Rezeption und Popularisierung: Die posthume Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Janusz Korczak","authors":"Anne Oommen-Halbach,&nbsp;Thorsten Halling","doi":"10.1002/bewi.202300022","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300022","url":null,"abstract":"<p>Im Jahr 1972 gerieten Leben und Werk von Janusz Korczak (1878/79–1942) für einige Monate in den Fokus der bundesrepublikanischen Feuilletons und damit einer interessierten Öffentlichkeit in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft. Der Hintergrund für dieses plötzliche Interesse an dem aus Warschau stammenden Arzt<sup>1</sup>, Pädagogen und Schriftsteller war die posthume Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Mit dieser vielfältig symbolisch aufgeladenen<sup>2</sup> und öffentlichkeitswirksam inszenierten<sup>3</sup> Auszeichnung wird bereits seit 1950 jährlich eine Persönlichkeit geehrt,<sup>4</sup> die zur Verwirklichung des Gedankens des „Friedens, der Menschlichkeit und der Verständigung unter den Völkern“<sup>5</sup> beigetragen hat. Wie umstritten der hier formulierte Anspruch, die Auswahl der jeweiligen Preisträger:innen und auch ihrer Laudator:innen in der Vergangenheit gewesen sind, belegt die 2009 erschienene Chronik des Friedenspreises mit dem bezeichnenden Titel <i>Widerreden</i>.<sup>6</sup> Gerade wegen dieser permanenten kritischen Auseinandersetzung räumte Aleida Assmann (geb. 1947) im gleichen Band dem Friedenspreis einen festen Platz „im kulturellen Gedächtnis der Deutschen“ ein.<sup>7</sup> Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin prägte zusammen mit ihrem Ehemann Jan Assmann (1938–2024) im deutschsprachigen Diskurs seit den 1990er Jahren den Begriff des „kulturellen Gedächtnisses“, beide wurden im Jahr 2018 selbst mit dem Friedenspreis ausgezeichnet.<sup>8</sup> In der Preisbegründung wurde betont: „Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leistet sie [Aleida Assmann] in hohem Maße Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation.“<sup>9</sup> Ein wesentlicher Aspekt ihres Forschungsansatzes ist die Analyse jenes Transformationsprozesses von unmittelbar oder zumindest mittelbar selbst Erlebtem und Erinnertem (kommunikatives Gedächtnis) zu einem von zeitgenössischen Berichten losgelösten Erinnern (kulturelles Gedächtnis).<sup>10</sup></p><p>Für die Konjunktur von Erinnerung an Gelehrte, wie Korczak, sind Jubiläen, Jahrestage und selten auch die Verleihung von Preisen von großer Bedeutung. In den mit ihnen verbundenen öffentlichen und fachinternen Diskursen lassen sich nicht nur spezifische (erinnerungspolitische) Interessen der jeweiligen Akteure erkennen, sondern sie vermitteln auch wirkmächtige Narrative und spiegeln Aushandlungsprozesse.<sup>11</sup> Letztere werden insbesondere im Kontext von Erinnerungen an den Holocaust oftmals als Konflikte wahrgenommen,<sup>12</sup> die es zu reflektieren gilt. Ein zentraler Aspekt in der Analyse erinnerungskultureller Phänomene ist der virulente Gegenwartsbezug: „Erinnerungen drehen sich nicht um Vergangenheit, sondern um die Gegenwart. Die Dissonanzen der Erinnerung erklären sich weniger aus der Konfliktträchtigkeit von Vergangenheit, sondern aus Konfliktlagen und Bedürfnissen der Gegenwart.“","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 1-2","pages":"46-76"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300022","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140564401","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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Gelehrte als Identifikationsfiguren? Vom Umgang mit fachkultureller Erinnerung in medizinischen Fächern 学者是身份的象征?处理医学学科的学科文化记忆
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-04-05 DOI: 10.1002/bewi.202300018
Matthis Krischel, Julia Nebe, Timo Baumann

Medizinische Fachgesellschaften, Berufsverbände und Standesvertretungen verfügen über eine ausgeprägte fachkulturelle Erinnerung mit langen Traditionen. Solche Institutionen richten Jubiläums- und Gedenkveranstaltungen aus, haben historische Arbeitskreise – und neben externen Historiker:innen publizieren auch Mitglieder in wissenschaftlich-klinischen sowie berufspolitischen Zeitschriften über die Geschichte des jeweiligen medizinisches Fachs. Die parallel zu fast jedem Fach existierenden wissenschaftlichen Gesellschaften, Berufsverbände und Standesvertretungen beschäftigen sich nicht zuletzt auch mit der Benennung von Preisen und betreiben „Aufarbeitungsprojekte“, etwa zur Medizin im Nationalsozialismus. Viele wissenschaftliche Auszeichnungen, die insbesondere Fachgesellschaften verleihen, tragen den Namen einer Identifikationsfigur, typischerweise eines bekannten früheren Mitglieds; darüber hinaus sind auch oft ganze Institutionen nach einer solchen Person benannt. Mittels Beispielen aus den Fächern Humangenetik, Kreislaufforschung, Urologie und Zahnheilkunde möchten wir in diesem Beitrag schlaglichtartig aufzeigen, nach welchen Kriterien Fachvertreter:innen als Identifikationsfiguren ausgewählt werden, um Preise und Institutionen zu benennen – oder eben auch nicht; und, warum andere Personen eine solche Rolle erst erlangten, mittlerweile aber wieder verloren haben. Einleitend stellen wir dar, wie sich die Beschäftigung mit der (nationalsozialistischen) Geschichte der Medizin und Lebenswissenschaften historisch verändert hat und reflektieren kritisch die Aufarbeitungsforschung, die im Spannungsfeld zwischen historischem Erkenntnisinteresse, historisch-politischer Bildung, Geschichtspolitik und Auftragsforschung verortet ist.

Die gewählten Fallbeispiele stammen insbesondere aus unseren eigenen Forschungen zur Medizingeschichte und der Erinnerungskultur in medizinischen Institutionen mit Bezug zum Nationalsozialismus und deren Reflexion in der Nachkriegszeit. Die Frage nach einer Verstrickung in den Nationalsozialismus („NS-Belastung“) ist relevant, weil sie noch immer schwerer zu wiegen scheint als die nach dem Verhalten von Akteuren in anderen (Unrechts-)Kontexten.1 In diesem Beitrag werden nun Bezüge zu diesem Themenkomplex eröffnet, um das Spektrum von möglichen Konjunkturen von Erinnerungskultur und Geschichtspolitik von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart exemplarisch zu illustrieren.2 Gleichzeitig versuchen wir, durch den Vergleich übergreifende Trends aufzufinden.

Um als Identifikationsfigur dienen zu können, nach der etwa ein Preis oder eine Institution benannt sein kann, muss die Person sowohl nach innen, also für die benennende Körperschaft, eine Projektionsfläche für Identität und Gemeinschaft bieten als auch geeignet sein, diese Körperschaft nach außen hin zu repräsentieren. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich u. a. durch generationellen Wandel und das damit verbundene Wegfal

在这篇文章中,作者探讨了在什么情况下学者可以成为医学界的有效标识人物,以他们的名字命名奖项或机构--以及在什么情况下学者不能或不再能发挥这样的作用。通过人类遗传学家汉斯-纳赫茨海姆(Hans Nachtsheim)、循环系统研究专家鲁道夫-陶尔(Rudolf Thauer)、泌尿科专家多拉-泰勒基(Dora Teleky)以及牙医卡尔-海普尔(Karl Häupl)和埃尔斯贝特-冯-施尼泽(Elsbeth von Schnizer)的传记和接受情况,对专业文化记忆的趋势和变化进行了研究。这项研究表明,评价标准本身是可以改变的,而性别则是一个重要的影响因素。虽然正式标准(如党派和组织成员资格)历来是重要的评价标准,但作者主张今后应更加重视研究和临床实践中的行动。
{"title":"Gelehrte als Identifikationsfiguren? Vom Umgang mit fachkultureller Erinnerung in medizinischen Fächern","authors":"Matthis Krischel,&nbsp;Julia Nebe,&nbsp;Timo Baumann","doi":"10.1002/bewi.202300018","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300018","url":null,"abstract":"<p>Medizinische Fachgesellschaften, Berufsverbände und Standesvertretungen verfügen über eine ausgeprägte fachkulturelle Erinnerung mit langen Traditionen. Solche Institutionen richten Jubiläums- und Gedenkveranstaltungen aus, haben historische Arbeitskreise – und neben externen Historiker:innen publizieren auch Mitglieder in wissenschaftlich-klinischen sowie berufspolitischen Zeitschriften über die Geschichte des jeweiligen medizinisches Fachs. Die parallel zu fast jedem Fach existierenden wissenschaftlichen Gesellschaften, Berufsverbände und Standesvertretungen beschäftigen sich nicht zuletzt auch mit der Benennung von Preisen und betreiben „Aufarbeitungsprojekte“, etwa zur Medizin im Nationalsozialismus. Viele wissenschaftliche Auszeichnungen, die insbesondere Fachgesellschaften verleihen, tragen den Namen einer Identifikationsfigur, typischerweise eines bekannten früheren Mitglieds; darüber hinaus sind auch oft ganze Institutionen nach einer solchen Person benannt. Mittels Beispielen aus den Fächern Humangenetik, Kreislaufforschung, Urologie und Zahnheilkunde möchten wir in diesem Beitrag schlaglichtartig aufzeigen, nach welchen Kriterien Fachvertreter:innen als Identifikationsfiguren ausgewählt werden, um Preise und Institutionen zu benennen – oder eben auch nicht; und, warum andere Personen eine solche Rolle erst erlangten, mittlerweile aber wieder verloren haben. Einleitend stellen wir dar, wie sich die Beschäftigung mit der (nationalsozialistischen) Geschichte der Medizin und Lebenswissenschaften historisch verändert hat und reflektieren kritisch die Aufarbeitungsforschung, die im Spannungsfeld zwischen historischem Erkenntnisinteresse, historisch-politischer Bildung, Geschichtspolitik und Auftragsforschung verortet ist.</p><p>Die gewählten Fallbeispiele stammen insbesondere aus unseren eigenen Forschungen zur Medizingeschichte und der Erinnerungskultur in medizinischen Institutionen mit Bezug zum Nationalsozialismus und deren Reflexion in der Nachkriegszeit. Die Frage nach einer Verstrickung in den Nationalsozialismus („NS-Belastung“) ist relevant, weil sie noch immer schwerer zu wiegen scheint als die nach dem Verhalten von Akteuren in anderen (Unrechts-)Kontexten.<sup>1</sup> In diesem Beitrag werden nun Bezüge zu diesem Themenkomplex eröffnet, um das Spektrum von möglichen Konjunkturen von Erinnerungskultur und Geschichtspolitik von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart exemplarisch zu illustrieren.<sup>2</sup> Gleichzeitig versuchen wir, durch den Vergleich übergreifende Trends aufzufinden.</p><p>Um als Identifikationsfigur dienen zu können, nach der etwa ein Preis oder eine Institution benannt sein kann, muss die Person sowohl <i>nach innen</i>, also für die benennende Körperschaft, eine Projektionsfläche für Identität und Gemeinschaft bieten als auch geeignet sein, diese Körperschaft <i>nach außen</i> hin zu repräsentieren. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich u. a. durch generationellen Wandel und das damit verbundene Wegfal","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 1-2","pages":"77-105"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300018","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140613651","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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Erinnerungskulturen in den Wissenschaften – eine Frage hegemonialer Narrative? 科学中的记忆文化--霸权叙事问题?
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-04-04 DOI: 10.1002/bewi.202300019
Felicitas Söhner

Erinnerungskulturen sind in den Wissenschaften allgegenwärtig. Ausgehend von Halbwachs‘ Grundüberlegung existieren in differenzierten Gesellschaften verschiedene Erinnerungen (individuell-biographisch, kollektiv-kulturell) an denselben historischen Bezugspunkt (Pluralität kollektiver Gedächtnisse).1 Oft treten neben eine positivistisch geprägte „Meistererzählung“2 unterschiedliche interessensbeeinflusste Narrative.3 Die Praktiken des Erinnerns und der Darstellung von Erfahrungen werden durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen und deren hegemoniale Diskurse beeinflusst. Darüber hinaus werden in der Erzählung Vernetzungen in der untersuchten Gruppe deutlich.4

Gleichzeitig bildet einheitliche, etablierte und unhinterfragte Vergangenheitswahrnehmung innerhalb einer Gruppe ein Identitätskriterium einer Wir-Gruppe – also einer Gruppe, der sich Personen zugehörig fühlen, mit der sie sich identifizieren, der sie in Loyalität verbunden sind und mit der sie sich von anderen Personen oder Gruppen abgrenzen.5 Die weitgehend homogene Erinnerung bestimmt die Grenzen des anerkannten Wissens.6 Unter einer „kulturellen Hegemonie“ versteht man nach Laclau und Mouffe, wenn es gelingt, einen Diskurs als allgemeingültig und alternativlos zu präsentieren und zu instituieren.7 Wird dieser Konsens gebrochen, werden die Grenzen des Sagbaren neu gesetzt8 und ein Diskurswechsel kann stattfinden.9

Ein Individuum partizipiert stets gleichzeitig an mehreren sich überschneidenden gruppenspezifischen Gedächtnissen.10 Die kollektiven Bestandteile sind insbesondere dann wirkmächtig im Sinne einer Dekonstruktion tradierter Narrative, wenn das individuelle Erleben mit der kollektiven Erinnerung in Konflikt gerät oder wenn die zurückliegenden Ereignisse nicht zum aktuellen Zugehörigkeitsgefühl bzw. -wunsch passen.11 Meist zeichnet sich ein Spannungsverhältnis mehrerer zentraler Akteur:innen oder Gruppen ab, die miteinander um die Darstellung und Deutung der Vergangenheit innerhalb des Netzwerkes ringen.12

In Bezug auf Ullrich Oevermann lassen sich Deutungsmuster als „Angelpunkt zwischen Diskurs und Erfahrung“ verstehen.13 Rixta Wundrak beschreibt sie als „kollektive, typisierte Sinngehalte [mit] normativem Charakter und […] nicht ständig dem Bewusstsein zugänglich“.14 Nach Schetsche strukturieren sie das kollektive Alltagshandeln und dienen als meist implizites und selbstverständliches Orientierungswissen, wie mit Phänomenen umzugehen ist und wie diese einzuordnen sind.15 Im Unterschied zu temporären Diskursen oder Handlungsorientierungen bedeuten Deutungsmuster kulturell mächtige und langlebige normative Strukturen. Deutungsmuster sind zum einen sozial konstruiert, zum anderen lassen sie sich auf unterschiedlichen sozialen Ebenen zeigen (Individuum, Institution, Gesellschaft), außerdem sind sie his

个人和机构的记忆往往会形成霸权叙事,起到创造身份和意义的作用。如果历史是由专家而非专业历史学家撰写的,那么历史回顾和叙事通常是由某一领域的领军人物撰写的。他们试图利用自己对某些事件、背景和动机的独家知识来塑造这些叙事。为了质疑这些叙述,需要对科学记忆及其文化意义进行批判性分析。本文以德意志联邦共和国的一个精神病学改革项目为例,反思了医学口述历史项目在方法论上面临的挑战。文章特别探讨了受访者对被边缘化的共同参与者进行解释性支配的主张。
{"title":"Erinnerungskulturen in den Wissenschaften – eine Frage hegemonialer Narrative?","authors":"Felicitas Söhner","doi":"10.1002/bewi.202300019","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300019","url":null,"abstract":"<p>Erinnerungskulturen sind in den Wissenschaften allgegenwärtig. Ausgehend von Halbwachs‘ Grundüberlegung existieren in differenzierten Gesellschaften verschiedene Erinnerungen (individuell-biographisch, kollektiv-kulturell) an denselben historischen Bezugspunkt (Pluralität kollektiver Gedächtnisse).<sup>1</sup> Oft treten neben eine positivistisch geprägte „Meistererzählung“<sup>2</sup> unterschiedliche interessensbeeinflusste Narrative.<sup>3</sup> Die Praktiken des Erinnerns und der Darstellung von Erfahrungen werden durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen und deren hegemoniale Diskurse beeinflusst. Darüber hinaus werden in der Erzählung Vernetzungen in der untersuchten Gruppe deutlich.<sup>4</sup></p><p>Gleichzeitig bildet einheitliche, etablierte und unhinterfragte Vergangenheitswahrnehmung innerhalb einer Gruppe ein Identitätskriterium einer Wir-Gruppe – also einer Gruppe, der sich Personen zugehörig fühlen, mit der sie sich identifizieren, der sie in Loyalität verbunden sind und mit der sie sich von anderen Personen oder Gruppen abgrenzen.<sup>5</sup> Die weitgehend homogene Erinnerung bestimmt die Grenzen des anerkannten Wissens.<sup>6</sup> Unter einer „kulturellen Hegemonie“ versteht man nach Laclau und Mouffe, wenn es gelingt, einen Diskurs als allgemeingültig und alternativlos zu präsentieren und zu instituieren.<sup>7</sup> Wird dieser Konsens gebrochen, werden die Grenzen des Sagbaren neu gesetzt<sup>8</sup> und ein Diskurswechsel kann stattfinden.<sup>9</sup></p><p>Ein Individuum partizipiert stets gleichzeitig an mehreren sich überschneidenden gruppenspezifischen Gedächtnissen.<sup>10</sup> Die kollektiven Bestandteile sind insbesondere dann wirkmächtig im Sinne einer Dekonstruktion tradierter Narrative, wenn das individuelle Erleben mit der kollektiven Erinnerung in Konflikt gerät oder wenn die zurückliegenden Ereignisse nicht zum aktuellen Zugehörigkeitsgefühl bzw. -wunsch passen.<sup>11</sup> Meist zeichnet sich ein Spannungsverhältnis mehrerer zentraler Akteur:innen oder Gruppen ab, die miteinander um die Darstellung und Deutung der Vergangenheit innerhalb des Netzwerkes ringen.<sup>12</sup></p><p>In Bezug auf Ullrich Oevermann lassen sich Deutungsmuster als „Angelpunkt zwischen Diskurs und Erfahrung“ verstehen.<sup>13</sup> Rixta Wundrak beschreibt sie als „kollektive, typisierte Sinngehalte [mit] normativem Charakter und […] nicht ständig dem Bewusstsein zugänglich“.<sup>14</sup> Nach Schetsche strukturieren sie das kollektive Alltagshandeln und dienen als meist implizites und selbstverständliches Orientierungswissen, wie mit Phänomenen umzugehen ist und wie diese einzuordnen sind.<sup>15</sup> Im Unterschied zu temporären Diskursen oder Handlungsorientierungen bedeuten Deutungsmuster kulturell mächtige und langlebige normative Strukturen. Deutungsmuster sind zum einen sozial konstruiert, zum anderen lassen sie sich auf unterschiedlichen sozialen Ebenen zeigen (Individuum, Institution, Gesellschaft), außerdem sind sie his","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 1-2","pages":"128-150"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-04","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300019","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140613753","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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Waldorf, Montessori und Pestalozzi-Hype? – Schulnamen im Spiegel der Geschichte der Pädagogik 华德福、蒙台梭利和裴斯泰洛齐的炒作?- 教育史上的学校名称
IF 0.6 2区 哲学 Q1 Arts and Humanities Pub Date : 2024-04-04 DOI: 10.1002/bewi.202300020
Sebastian Engelmann, Katharina Weiand

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es aktuell über 32.000 allgemeinbildende Schulen – und jede dieser Schulen hat einen Namen. Mit Blick auf ihre Namensgebung unterscheiden sich die Schulen aber deutlich. Zahlreiche von ihnen sind nach ihrer geographischen Verortung benannt. Einige Namen beziehen sich beispielweise auf eine regionale Besonderheit („Schule an der Donauschleife“). Andere Schulen verweisen mit ihrem Namen auf eine lokale Gegebenheit, wie die „Turmbergschule in Weingarten“, die am Fuß des Turmbergs des kleinen Ortes in Baden-Württemberg liegt. Und wiederum andere tragen den Namen der Straße, in der sie liegen, wie die „Grundschule an der Zunftmeisterstraße“ in Mülheim an der Ruhr. Neben diesen regional- oder lokalspezifischen Namen tragen zahlreiche Schulen in Deutschland aber auch Namen bekannter Personen des öffentlichen Lebens, die in einer Verbindung zur Geschichte der Literatur, der Kunst, der Philosophie oder der Politik stehen, wie Astrid Lindgren, Friedrich Schiller oder die Geschwister Scholl. Beliebte Namenspat:innen, in der Mehrheit Namenspaten, sind auch Anne Frank, Albert Einstein, Albert Schweitzer, Alexander von Humboldt, Erich Kästner, Freiherr vom Stein, Johann Wolfgang von Goethe oder Theodor Heuss – die meisten kennen sicher eine Schule, die nach einer dieser Personen benannt ist. Aber auch die Namen mehr oder weniger bekannter Pädagog:innen finden sich an allgemeinbildenden Schulen in allen Bundesländern wieder, wie Adolf Reichwein, Friedrich Fröbel, Johann Heinrich Pestalozzi oder Maria Montessori.

Diese kurze Darstellung sagt zunächst wenig über Erinnerungsgemeinschaften oder die Identifikation von Mustern des Erinnerns aus. Relevant werden Schulnamen in diesem Sinne erst dann, wenn man sie in ein Verhältnis zu einer Referenzgröße setzt. In diesem Beitrag ist die Referenzgröße nicht etwa die in den critical place-name studies1 schon als Hintergrundfolie für Benennungspraktiken ausgewiesene erinnerte Geschichte der Nationalstaaten, in denen die Schulen liegen. Schon seit geraumer Zeit ist bekannt, dass durch die Benennung öffentlicher Institutionen eine Geografie der Erinnerung entsteht, die zumeist eine Heldengeschichte von denen transportiert, die die Nation geschaffen haben oder einen essenziellen Part zur politischen Ordnung dieser Nation beigetragen haben. Gerade bei anhaltenden Kämpfen um die Benennung von Straßen wird dies deutlich.2 In unserem Fall ist die Referenzgröße die Geschichte der Pädagogik, verstanden als über Tradition und Rezeption hergestellter Kanon.3 Dieser Kanon – und seine Repräsentation in der Öffentlichkeit – ist unweigerlich auch für die Wissenschaftsgeschichte (der Pädagogik) von Interesse, denn die aufgerufenen Personen sind zugleich Vorreiter:innen und Stichwortgeber:innen der wissenschaftlichen Pädagogik und später auch der Erziehungswissenschaft. Personen wie Johann Heinrich Pestalozzi als einer der Begründer der modernen Didakti

德国的学校经常以人名命名。因此,这些人在公共领域被铭记。本文回答了图林根联邦州的学校名称在多大程度上与科学教育史相吻合的问题。为此,首先介绍了有关教育学和教育史关键人物的争议性讨论。第二步,考虑图林根州所有学校的名称,并对个别结果进行讨论。通常情况下,为学校命名的不是教育家,而是作家、艺术家和政治人物。在所有以人名命名的学校中,只有五分之一是以教育家命名的。人们发现,教育学的关键人物很少能作为命名人,而在实践中,成功的学校创办人则是命名人的首选。因此,学校名称中的教育学历史是经过筛选的。基于这些结果,我们为学校名称研究提出了进一步的研究视角。
{"title":"Waldorf, Montessori und Pestalozzi-Hype? – Schulnamen im Spiegel der Geschichte der Pädagogik","authors":"Sebastian Engelmann,&nbsp;Katharina Weiand","doi":"10.1002/bewi.202300020","DOIUrl":"10.1002/bewi.202300020","url":null,"abstract":"<p>In der Bundesrepublik Deutschland gibt es aktuell über 32.000 allgemeinbildende Schulen – und jede dieser Schulen hat einen Namen. Mit Blick auf ihre Namensgebung unterscheiden sich die Schulen aber deutlich. Zahlreiche von ihnen sind nach ihrer geographischen Verortung benannt. Einige Namen beziehen sich beispielweise auf eine regionale Besonderheit („Schule an der Donauschleife“). Andere Schulen verweisen mit ihrem Namen auf eine lokale Gegebenheit, wie die „Turmbergschule in Weingarten“, die am Fuß des Turmbergs des kleinen Ortes in Baden-Württemberg liegt. Und wiederum andere tragen den Namen der Straße, in der sie liegen, wie die „Grundschule an der Zunftmeisterstraße“ in Mülheim an der Ruhr. Neben diesen regional- oder lokalspezifischen Namen tragen zahlreiche Schulen in Deutschland aber auch Namen bekannter Personen des öffentlichen Lebens, die in einer Verbindung zur Geschichte der Literatur, der Kunst, der Philosophie oder der Politik stehen, wie Astrid Lindgren, Friedrich Schiller oder die Geschwister Scholl. Beliebte Namenspat:innen, in der Mehrheit Namenspaten, sind auch Anne Frank, Albert Einstein, Albert Schweitzer, Alexander von Humboldt, Erich Kästner, Freiherr vom Stein, Johann Wolfgang von Goethe oder Theodor Heuss – die meisten kennen sicher eine Schule, die nach einer dieser Personen benannt ist. Aber auch die Namen mehr oder weniger bekannter Pädagog:innen finden sich an allgemeinbildenden Schulen in allen Bundesländern wieder, wie Adolf Reichwein, Friedrich Fröbel, Johann Heinrich Pestalozzi oder Maria Montessori.</p><p>Diese kurze Darstellung sagt zunächst wenig über Erinnerungsgemeinschaften oder die Identifikation von Mustern des Erinnerns aus. Relevant werden Schulnamen in diesem Sinne erst dann, wenn man sie in ein Verhältnis zu einer Referenzgröße setzt. In diesem Beitrag ist die Referenzgröße nicht etwa die in den <i>critical place-name studies</i><sup>1</sup> schon als Hintergrundfolie für Benennungspraktiken ausgewiesene erinnerte Geschichte der Nationalstaaten, in denen die Schulen liegen. Schon seit geraumer Zeit ist bekannt, dass durch die Benennung öffentlicher Institutionen eine Geografie der Erinnerung entsteht, die zumeist eine Heldengeschichte von denen transportiert, die die Nation geschaffen haben oder einen essenziellen Part zur politischen Ordnung dieser Nation beigetragen haben. Gerade bei anhaltenden Kämpfen um die Benennung von Straßen wird dies deutlich.<sup>2</sup> In unserem Fall ist die Referenzgröße die Geschichte der Pädagogik, verstanden als über Tradition und Rezeption hergestellter Kanon.<sup>3</sup> Dieser Kanon – und seine Repräsentation in der Öffentlichkeit – ist unweigerlich auch für die Wissenschaftsgeschichte (der Pädagogik) von Interesse, denn die aufgerufenen Personen sind zugleich Vorreiter:innen und Stichwortgeber:innen der wissenschaftlichen Pädagogik und später auch der Erziehungswissenschaft. Personen wie Johann Heinrich Pestalozzi als einer der Begründer der modernen Didakti","PeriodicalId":55388,"journal":{"name":"Berichte zur Wissenschaftsgeschichte","volume":"47 1-2","pages":"27-45"},"PeriodicalIF":0.6,"publicationDate":"2024-04-04","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/bewi.202300020","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"140597252","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":2,"RegionCategory":"哲学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
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