Markus V. Heppt, Ina Hadshiew, Afra Kempf, Antje Melzer, Carola Berking
<p>Die aktinische Keratose (AK) ist eine häufige Hauterkrankung und kann in ein kutanes Plattenepithelkarzinom übergehen; sie entsteht überwiegend auf chronisch UV-exponierter Haut.<span><sup>1, 2</sup></span> In Europa liegt ihre Prävalenz bei etwa 18%.<span><sup>3</sup></span> Aufgrund des Risikos, in ein invasives Karzinom überzugehen, sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der AK besonders wichtig.</p><p>AKs werden klinisch üblicherweise nach Olsen (Grad I–III) und histologisch (keratinozytäre intraepidermale Neoplasie [KIN] I–III) nach einem dreistufigen System klassifiziert.<span><sup>4, 5</sup></span> Die Einteilung nach KIN I–III basiert auf der Ausbreitung der atypischen Keratinozyten in der Epidermis. Bei KIN I sind diese Zellen auf das untere Drittel der Epidermis beschränkt. KIN II dagegen zeigt atypische Keratinozyten in den unteren zwei Epidermisdritteln und KIN III in allen Epidermisschichten.<span><sup>5-7</sup></span> Ursprünglich wurde angenommen, dass sich AK in einem festen Ablauf über die drei KIN-Stadien zu cSCC entwickeln. Entsprechend wurde KIN I lange Zeit ein geringes Progressionsrisiko zugeschrieben. Neue Studien zeigen jedoch, dass ein cSCC auch aus niedriggradigen AK hervorgehen kann. KIN I-Läsionen wurden dabei am häufigsten als direkte Vorstufe eines kutanen Plattenepithelkarzinoms identifiziert.<span><sup>6, 8</sup></span> Zwar verbleibt ein Großteil der AK im bestehenden Stadium oder bildet sich sogar zurück, das individuelle Progressionsrisiko ist jedoch nicht vorhersagbar. Aus diesem Grund empfehlen nationale und internationale Leitlinien die konsequente Überwachung und Behandlung aller AK unabhängig vom Schweregrad.<span><sup>9, 10</sup></span></p><p>Für die Behandlung der AK stehen zahlreiche Behandlungsansätze zur Verfügung. Sie reichen von physikalischen Maßnahmen wie Kryotherapie und photodynamischer Therapie über ablative Verfahren bis hin zu topischen Wirkstoffen.<span><sup>1, 11</sup></span> Tirbanibulin-1%-Salbe zur topischen Behandlung der AK wurde im Juli 2021 von der <i>Europäischen Arzneimittelagentur</i> und im Dezember 2020 von der <i>US-amerikanischen Food and Drug Administration</i> zugelassen.<span><sup>12, 13</sup></span> Tirbanibulin ist indiziert zur Feldbehandlung von nicht-hyperkeratotischer, nicht-hypertropher AK (Olsen Grad I) im Gesicht oder auf der Kopfhaut bei Erwachsenen. Im Unterschied zu anderen topischen Therapien ist das Behandlungsregime mit Tirbanibulin deutlich kürzer. Es wird lediglich einmal täglich über einen Zeitraum von 5 aufeinanderfolgenden Tagen angewendet. Die Verträglichkeit und Wirksamkeit von Tirbanibulin zur Reduktion von AK wurde in einer Phase-I-Studie (NCT02337205), einer Phase-IIa-Studie (NCT02838628) und zwei doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Phase-III-Studien (NCT03285477 und NCT03285490) nachgewiesen. Die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren leicht ausgeprägt und vorübergehend.<span><sup>14</sup></span> Die Behandlu
{"title":"Real-World-Daten zu Tirbanibulin bei aktinischer Keratose in Deutschland - Prospektive multizentrische nichtinterventionelle KLIR-Studie","authors":"Markus V. Heppt, Ina Hadshiew, Afra Kempf, Antje Melzer, Carola Berking","doi":"10.1111/ddg.15876_g","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.15876_g","url":null,"abstract":"<p>Die aktinische Keratose (AK) ist eine häufige Hauterkrankung und kann in ein kutanes Plattenepithelkarzinom übergehen; sie entsteht überwiegend auf chronisch UV-exponierter Haut.<span><sup>1, 2</sup></span> In Europa liegt ihre Prävalenz bei etwa 18%.<span><sup>3</sup></span> Aufgrund des Risikos, in ein invasives Karzinom überzugehen, sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der AK besonders wichtig.</p><p>AKs werden klinisch üblicherweise nach Olsen (Grad I–III) und histologisch (keratinozytäre intraepidermale Neoplasie [KIN] I–III) nach einem dreistufigen System klassifiziert.<span><sup>4, 5</sup></span> Die Einteilung nach KIN I–III basiert auf der Ausbreitung der atypischen Keratinozyten in der Epidermis. Bei KIN I sind diese Zellen auf das untere Drittel der Epidermis beschränkt. KIN II dagegen zeigt atypische Keratinozyten in den unteren zwei Epidermisdritteln und KIN III in allen Epidermisschichten.<span><sup>5-7</sup></span> Ursprünglich wurde angenommen, dass sich AK in einem festen Ablauf über die drei KIN-Stadien zu cSCC entwickeln. Entsprechend wurde KIN I lange Zeit ein geringes Progressionsrisiko zugeschrieben. Neue Studien zeigen jedoch, dass ein cSCC auch aus niedriggradigen AK hervorgehen kann. KIN I-Läsionen wurden dabei am häufigsten als direkte Vorstufe eines kutanen Plattenepithelkarzinoms identifiziert.<span><sup>6, 8</sup></span> Zwar verbleibt ein Großteil der AK im bestehenden Stadium oder bildet sich sogar zurück, das individuelle Progressionsrisiko ist jedoch nicht vorhersagbar. Aus diesem Grund empfehlen nationale und internationale Leitlinien die konsequente Überwachung und Behandlung aller AK unabhängig vom Schweregrad.<span><sup>9, 10</sup></span></p><p>Für die Behandlung der AK stehen zahlreiche Behandlungsansätze zur Verfügung. Sie reichen von physikalischen Maßnahmen wie Kryotherapie und photodynamischer Therapie über ablative Verfahren bis hin zu topischen Wirkstoffen.<span><sup>1, 11</sup></span> Tirbanibulin-1%-Salbe zur topischen Behandlung der AK wurde im Juli 2021 von der <i>Europäischen Arzneimittelagentur</i> und im Dezember 2020 von der <i>US-amerikanischen Food and Drug Administration</i> zugelassen.<span><sup>12, 13</sup></span> Tirbanibulin ist indiziert zur Feldbehandlung von nicht-hyperkeratotischer, nicht-hypertropher AK (Olsen Grad I) im Gesicht oder auf der Kopfhaut bei Erwachsenen. Im Unterschied zu anderen topischen Therapien ist das Behandlungsregime mit Tirbanibulin deutlich kürzer. Es wird lediglich einmal täglich über einen Zeitraum von 5 aufeinanderfolgenden Tagen angewendet. Die Verträglichkeit und Wirksamkeit von Tirbanibulin zur Reduktion von AK wurde in einer Phase-I-Studie (NCT02337205), einer Phase-IIa-Studie (NCT02838628) und zwei doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Phase-III-Studien (NCT03285477 und NCT03285490) nachgewiesen. Die häufigsten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren leicht ausgeprägt und vorübergehend.<span><sup>14</sup></span> Die Behandlu","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"186-194"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ddg.15876_g","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146139596","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"Verruköse livide Plaques an den Füßen","authors":"Luis Tejeda, Ivo Weidenhoffer","doi":"10.1111/ddg.15952_g","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.15952_g","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"263-265"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146139304","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"32. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Histologie (ADH) in Freiburg – Exchanges in Dermatopathology","authors":"Wolfgang Weyers, Frank Meiß","doi":"10.1111/ddg.70033","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.70033","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"287-288"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146139597","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Antigona Aliu, Ulrich Peter Wehry, Niklas Stuka, Frank Oellig, Thilo Gambichler, Alexander Kreuter
{"title":"Komplette Abheilung eines paraneoplastischen Erythema anulare centrifugum unter Bortezomib-Monotherapie","authors":"Antigona Aliu, Ulrich Peter Wehry, Niklas Stuka, Frank Oellig, Thilo Gambichler, Alexander Kreuter","doi":"10.1111/ddg.15903_g","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.15903_g","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"245-248"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146139303","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Alexander Nast, Andreas Altenburg, Matthias Augustin, Frank Bachmann, Wolf-Henning Boehncke, Markus Cornberg, Hilte Geerdes-Fenge, Brit Häcker, Peter Härle, Joachim Klaus, Michaela Köhm, Arno Köllner, Ulrich Mrowietz, Hans-Michael Ockenfels, Antonia Pennitz, Sandra Philipp, Thomas Richter, Thomas Rosenbach, Tom Schaberg, Martin Schlaeger, Gerhard Schmid-Ott, Michael Sebastian, Karisa Thölken, Ralph von Kiedrowski, Uwe Willuhn, Christoph Zeyen
The present Part 2 of the updated German S3 guideline on the treatment of psoriasis vulgaris provides recommendations for therapy selection in special clinical situations and in the presence of comorbidities. A major focus of this update is the chapter on screening for tuberculosis as well as therapy selection and management in latent tuberculosis. The recommendations regarding the use of interferon-gamma release assays and the indication for chest radiography have been extensively revised. In addition, the guidance on the suitability of systemic psoriasis therapies in patients with latent tuberculosis and on the need for preventive antituberculous treatment has been thoroughly updated. In the chapter on inflammatory bowel diseases, risankizumab and guselkumab have been added as recommended treatment options, as both agents have recently been approved for the indications Crohn's disease and ulcerative colitis. Further substantial revisions are included in the chapters on patients with a history of malignancy and viral hepatitis.
{"title":"S3 Guideline for the Treatment of Psoriasis vulgaris, adapted from EuroGuiDerm – part 2: Specific clinical and comorbid situations","authors":"Alexander Nast, Andreas Altenburg, Matthias Augustin, Frank Bachmann, Wolf-Henning Boehncke, Markus Cornberg, Hilte Geerdes-Fenge, Brit Häcker, Peter Härle, Joachim Klaus, Michaela Köhm, Arno Köllner, Ulrich Mrowietz, Hans-Michael Ockenfels, Antonia Pennitz, Sandra Philipp, Thomas Richter, Thomas Rosenbach, Tom Schaberg, Martin Schlaeger, Gerhard Schmid-Ott, Michael Sebastian, Karisa Thölken, Ralph von Kiedrowski, Uwe Willuhn, Christoph Zeyen","doi":"10.1111/ddg.16001","DOIUrl":"10.1111/ddg.16001","url":null,"abstract":"<p>The present Part 2 of the updated German S3 guideline on the treatment of psoriasis vulgaris provides recommendations for therapy selection in special clinical situations and in the presence of comorbidities. A major focus of this update is the chapter on screening for tuberculosis as well as therapy selection and management in latent tuberculosis. The recommendations regarding the use of interferon-gamma release assays and the indication for chest radiography have been extensively revised. In addition, the guidance on the suitability of systemic psoriasis therapies in patients with latent tuberculosis and on the need for preventive antituberculous treatment has been thoroughly updated. In the chapter on inflammatory bowel diseases, risankizumab and guselkumab have been added as recommended treatment options, as both agents have recently been approved for the indications Crohn's disease and ulcerative colitis. Further substantial revisions are included in the chapters on patients with a history of malignancy and viral hepatitis.</p>","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"270-282"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12875186/pdf/","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146124966","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Janne Ohlenbusch, Rachel Sommer, Kerstin Steinbrink, Markus Böhm
<p>Vitiligo ist eine häufige Hauterkrankung mit einer geschätzten weltweiten Prävalenz von 1,1% (bestätigte Diagnose) und 1,3% (unbestätigte Diagnose) basierend auf einer kürzlich durchgeführten Fragebogenstudie in den USA, Europa (einschließlich Deutschland) und Japan.<span><sup>1</sup></span> Vitiligo wird durch eine autoimmunvermittelte Zerstörung der Melanozyten verursacht, die zu weißen Flecken führt. Die nichtsegmentale Vitiligo (NSV), die die Haut symmetrisch betrifft, ist hierbei der häufigste Subtyp und betrifft häufig sichtbare Hautareale wie Gesicht, Hals und dorsale Aspekte der Hände und Finger.<span><sup>2</sup></span> Bislang gibt es nur wenige epidemiologische Daten zu den psychosozialen Auswirkungen von Vitiligo bei deutschen Patienten, wie in einem aktuellen Positionspapier betont wurde.<span><sup>3</sup></span> Ein Befall der Vitiligo in sichtbaren Hautarealen sowie das weibliche Geschlecht wurden vor einiger Zeit mit Stigmatisierung in Verbindung gebracht.<span><sup>4</sup></span> In einer umfangreichen älteren Studie aus dem Jahr 2009 mit 3319 Patienten aus zwei deutschen Vitiligo-Selbsthilfeverbänden lag der Mittelwert des <i>Dermatology Life Quality Index</i> (DLQI), dem am häufigsten verwendeten <i>Patient-Reported Outcome Measure</i> (PROM) für chronische Hauterkrankungen, bei 7,0. In dieser Studie wurden insgesamt 1023 Fragebögen ausgewertet.<span><sup>5</sup></span> Angesichts der zunehmenden Evidenz für eine beeinträchtigte Lebensqualität (QoL), Krankheitslast, Stigmatisierung und psychosoziale Komorbidität bei Patienten mit Vitiligo – wie zahlreiche klinische Studien weltweit zeigen⁶ – betonen wir den dringenden Bedarf an neuen und zusätzlichen Studien in Deutschland zu diesem speziellen Thema sowie die Notwendigkeit einer routinemäßigen Bewertung der psychosozialen Komorbidität.<span><sup>3</sup></span> Kürzlich wurde für Patienten mit nicht-segmentaler Vitiligo (NSV) und Gesichtsbeteiligung der Januskinase-(JAK)-1/2-Hemmer Ruxolitinib als erste offiziell zugelassene topische Behandlung eingeführt. Ein Befall anderer sichtbarer Areale wie der Hände, aber auch des Genitalbereichs, kann jedoch ebenfalls mit Beeinträchtigungen der Lebensqualität und des Wohlbefindens einhergehen. Aufgrund von Schamgefühl und Unbehagen wird aber eine Beteiligung des Genitalbereichs bei der Vitiligo häufig nicht thematisiert. In dieser monozentrischen Querschnitts-Pilotstudie haben wir den Einfluss der Vitiligo auf das gesundheitsbezogene Wohlbefinden im Allgemeinen und speziell im Vergleich zwischen Patienten mit und ohne genitale sowie sichtbare (Gesichts- und Hand-)Beteiligung untersucht. Darüber hinaus wurden die psychometrischen Eigenschaften des WHO-5-Fragebogens für Vitiligo getestet.</p><p>In dieser Pilotstudie haben wir – unseres Wissens erstmals – das gesundheitsbezogene Wohlbefinden bei deutschen Patienten mit Vitiligo anhand des WHO-5-Fragebogens erfasst. Zahlreiche internationale Untersuchungen zeigen, dass Vitiligo mit einer
{"title":"Wohlbefinden bei Patienten mit Vitiligo mit Beteiligung der sichtbaren Hautareale und der Genitalregion in Deutschland– eine fragebogengestützte Pilotstudie","authors":"Janne Ohlenbusch, Rachel Sommer, Kerstin Steinbrink, Markus Böhm","doi":"10.1111/ddg.15891_g","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.15891_g","url":null,"abstract":"<p>Vitiligo ist eine häufige Hauterkrankung mit einer geschätzten weltweiten Prävalenz von 1,1% (bestätigte Diagnose) und 1,3% (unbestätigte Diagnose) basierend auf einer kürzlich durchgeführten Fragebogenstudie in den USA, Europa (einschließlich Deutschland) und Japan.<span><sup>1</sup></span> Vitiligo wird durch eine autoimmunvermittelte Zerstörung der Melanozyten verursacht, die zu weißen Flecken führt. Die nichtsegmentale Vitiligo (NSV), die die Haut symmetrisch betrifft, ist hierbei der häufigste Subtyp und betrifft häufig sichtbare Hautareale wie Gesicht, Hals und dorsale Aspekte der Hände und Finger.<span><sup>2</sup></span> Bislang gibt es nur wenige epidemiologische Daten zu den psychosozialen Auswirkungen von Vitiligo bei deutschen Patienten, wie in einem aktuellen Positionspapier betont wurde.<span><sup>3</sup></span> Ein Befall der Vitiligo in sichtbaren Hautarealen sowie das weibliche Geschlecht wurden vor einiger Zeit mit Stigmatisierung in Verbindung gebracht.<span><sup>4</sup></span> In einer umfangreichen älteren Studie aus dem Jahr 2009 mit 3319 Patienten aus zwei deutschen Vitiligo-Selbsthilfeverbänden lag der Mittelwert des <i>Dermatology Life Quality Index</i> (DLQI), dem am häufigsten verwendeten <i>Patient-Reported Outcome Measure</i> (PROM) für chronische Hauterkrankungen, bei 7,0. In dieser Studie wurden insgesamt 1023 Fragebögen ausgewertet.<span><sup>5</sup></span> Angesichts der zunehmenden Evidenz für eine beeinträchtigte Lebensqualität (QoL), Krankheitslast, Stigmatisierung und psychosoziale Komorbidität bei Patienten mit Vitiligo – wie zahlreiche klinische Studien weltweit zeigen⁶ – betonen wir den dringenden Bedarf an neuen und zusätzlichen Studien in Deutschland zu diesem speziellen Thema sowie die Notwendigkeit einer routinemäßigen Bewertung der psychosozialen Komorbidität.<span><sup>3</sup></span> Kürzlich wurde für Patienten mit nicht-segmentaler Vitiligo (NSV) und Gesichtsbeteiligung der Januskinase-(JAK)-1/2-Hemmer Ruxolitinib als erste offiziell zugelassene topische Behandlung eingeführt. Ein Befall anderer sichtbarer Areale wie der Hände, aber auch des Genitalbereichs, kann jedoch ebenfalls mit Beeinträchtigungen der Lebensqualität und des Wohlbefindens einhergehen. Aufgrund von Schamgefühl und Unbehagen wird aber eine Beteiligung des Genitalbereichs bei der Vitiligo häufig nicht thematisiert. In dieser monozentrischen Querschnitts-Pilotstudie haben wir den Einfluss der Vitiligo auf das gesundheitsbezogene Wohlbefinden im Allgemeinen und speziell im Vergleich zwischen Patienten mit und ohne genitale sowie sichtbare (Gesichts- und Hand-)Beteiligung untersucht. Darüber hinaus wurden die psychometrischen Eigenschaften des WHO-5-Fragebogens für Vitiligo getestet.</p><p>In dieser Pilotstudie haben wir – unseres Wissens erstmals – das gesundheitsbezogene Wohlbefinden bei deutschen Patienten mit Vitiligo anhand des WHO-5-Fragebogens erfasst. Zahlreiche internationale Untersuchungen zeigen, dass Vitiligo mit einer ","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"208-215"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ddg.15891_g","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146139600","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Julian Kött, Johannes Dupont, Katharina Langen, Christian Drerup
<p>Sehr geehrte Herausgeber,</p><p>Wir beobachten teledermatologische Konsultationen, die bei unserem teledermatologischen Dienst „doctorderma“ von Patienten eingereicht werden, die erwähnen, dass sie über die Entwicklung einer Tinea capitis im Haar besorgt sind. In Q3/24 handelte es sich zunehmend jedoch nicht um eine Pilzinfektion, sondern um einen gutartigen Naevus flammeus (Feuermal), der typischerweise im Nacken auftritt.</p><p>Tinea capitis erfährt eine steigende Aufmerksamkeit von Dermatologen weltweit und in Deutschland seit 2023.<span><sup>1-4</sup></span> Bislang waren in Deutschland <i>Microsporum canis</i>, <i>Trichophyton mentagrophytes</i> und <i>Trichophyton benhamiae</i> die drei häufigsten Erreger, die bei Tinea capitis gemeldet wurden, aber <i>Trichophyton tonsurans</i> breitet sich weiter aus. Eine monozentrische Beobachtungsstudie der Technischen Universität München meldete einen Anstieg von <i>Trichophyton tonsurans</i> von 33,3% (zwischen 2019 und 2021) auf 68,8% im Jahr 2022.<span><sup>2</sup></span> In unserer Online-Klinik erfassen wir die Tinea capitis zwischen 0,1% (n = 1) in Q1/2023 (Q1-Quartal 1) und Q2/2023 bis 0,58% (n = 11) aller Diagnosen (Tabelle 1).</p><p>Die Beobachtung, dass sich Patienten mit der Frage nach einer „Pilzinfektion nach Friseurbesuch“ direkt an uns wenden, korreliert deutlich mit der (sozial-)medialen Berichterstattung zu diesem Thema. Erstmals berichteten große Tageszeitungen im Juli 2024 darüber (spiegel-online.de: „Ausbreitung von Hautpilzinfektionen durch Trendfrisuren“, 06.07.2024; bild.de: „Gefährliche Pilzinfektion der Haut – Mediziner warnen vor Trendfrisuren“, 15.07.2024). In den sozialen Medien wurde das Thema bereits im April 2024 aufgegriffen, insbesondere durch Videos auf TikTok und Instagram, die als „viral reels“ Millionen von Aufrufen erzielten. Diese Berichte scheinen zu einem Anstieg der dermatologischen Konsultationen aus Angst vor Tinea capitis beigetragen zu haben.</p><p>In der überwiegenden Mehrheit der Fälle berichten die Patienten, dass sie einen rötlichen oder rosafarbenen Fleck auf ihrem Hinterkopf bemerken, den sie vorher noch nie gesehen haben. Meistens fällt dies mit einem kürzlichen Haarschnitt zusammen, vor allem mit einem, der den Nacken freilegt, wie etwa eine Glattrasur oder ein so genannter „Fade“. Der Naevus flammeus kann zwar schon seit der Geburt vorhanden sein, bleibt aber oft unbemerkt, bis die Haare in diesem Bereich deutlich gekürzt werden. Nach der Entdeckung der Hautveränderung sind viele Patienten beunruhigt und befürchten, dass sie sich mit Tinea capitis angesteckt haben.</p><p>In Wirklichkeit ist die Tinea capitis zwar eine bekannte Kopfhauterkrankung bei Kindern und Erwachsene,<span><sup>5</sup></span> sie weist jedoch typischerweise ausgeprägtere Symptome wie Haarausfall, schuppige Stellen und Juckreiz auf, die typischerweise nicht mit einem Naevus flammeus in Verbindung gebracht werden.<span><sup>6, 7</sup></span></p><p>Seit Q1/2023 haben wir 136
{"title":"Zunahme teledermatologischer Konsultationen bei Verdacht auf Tinea capitis – Beobachtung fälschlich identifizierter Naevi flammei","authors":"Julian Kött, Johannes Dupont, Katharina Langen, Christian Drerup","doi":"10.1111/ddg.15896_g","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.15896_g","url":null,"abstract":"<p>Sehr geehrte Herausgeber,</p><p>Wir beobachten teledermatologische Konsultationen, die bei unserem teledermatologischen Dienst „doctorderma“ von Patienten eingereicht werden, die erwähnen, dass sie über die Entwicklung einer Tinea capitis im Haar besorgt sind. In Q3/24 handelte es sich zunehmend jedoch nicht um eine Pilzinfektion, sondern um einen gutartigen Naevus flammeus (Feuermal), der typischerweise im Nacken auftritt.</p><p>Tinea capitis erfährt eine steigende Aufmerksamkeit von Dermatologen weltweit und in Deutschland seit 2023.<span><sup>1-4</sup></span> Bislang waren in Deutschland <i>Microsporum canis</i>, <i>Trichophyton mentagrophytes</i> und <i>Trichophyton benhamiae</i> die drei häufigsten Erreger, die bei Tinea capitis gemeldet wurden, aber <i>Trichophyton tonsurans</i> breitet sich weiter aus. Eine monozentrische Beobachtungsstudie der Technischen Universität München meldete einen Anstieg von <i>Trichophyton tonsurans</i> von 33,3% (zwischen 2019 und 2021) auf 68,8% im Jahr 2022.<span><sup>2</sup></span> In unserer Online-Klinik erfassen wir die Tinea capitis zwischen 0,1% (n = 1) in Q1/2023 (Q1-Quartal 1) und Q2/2023 bis 0,58% (n = 11) aller Diagnosen (Tabelle 1).</p><p>Die Beobachtung, dass sich Patienten mit der Frage nach einer „Pilzinfektion nach Friseurbesuch“ direkt an uns wenden, korreliert deutlich mit der (sozial-)medialen Berichterstattung zu diesem Thema. Erstmals berichteten große Tageszeitungen im Juli 2024 darüber (spiegel-online.de: „Ausbreitung von Hautpilzinfektionen durch Trendfrisuren“, 06.07.2024; bild.de: „Gefährliche Pilzinfektion der Haut – Mediziner warnen vor Trendfrisuren“, 15.07.2024). In den sozialen Medien wurde das Thema bereits im April 2024 aufgegriffen, insbesondere durch Videos auf TikTok und Instagram, die als „viral reels“ Millionen von Aufrufen erzielten. Diese Berichte scheinen zu einem Anstieg der dermatologischen Konsultationen aus Angst vor Tinea capitis beigetragen zu haben.</p><p>In der überwiegenden Mehrheit der Fälle berichten die Patienten, dass sie einen rötlichen oder rosafarbenen Fleck auf ihrem Hinterkopf bemerken, den sie vorher noch nie gesehen haben. Meistens fällt dies mit einem kürzlichen Haarschnitt zusammen, vor allem mit einem, der den Nacken freilegt, wie etwa eine Glattrasur oder ein so genannter „Fade“. Der Naevus flammeus kann zwar schon seit der Geburt vorhanden sein, bleibt aber oft unbemerkt, bis die Haare in diesem Bereich deutlich gekürzt werden. Nach der Entdeckung der Hautveränderung sind viele Patienten beunruhigt und befürchten, dass sie sich mit Tinea capitis angesteckt haben.</p><p>In Wirklichkeit ist die Tinea capitis zwar eine bekannte Kopfhauterkrankung bei Kindern und Erwachsene,<span><sup>5</sup></span> sie weist jedoch typischerweise ausgeprägtere Symptome wie Haarausfall, schuppige Stellen und Juckreiz auf, die typischerweise nicht mit einem Naevus flammeus in Verbindung gebracht werden.<span><sup>6, 7</sup></span></p><p>Seit Q1/2023 haben wir 136 ","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"243-244"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ddg.15896_g","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146139351","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"OA","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Victoria Martínez-Sernández, Sandra Martínez-Fernández, Gonzalo Peón-Currás, Sabela Fernández-Aguado, Evelin Cecilia Cervantes-Pérez, Maria Teresa Abalde-Pintos
{"title":"Real-world use of anifrolumab in refractory cutaneous lupus: case series and review of the literature.","authors":"Victoria Martínez-Sernández, Sandra Martínez-Fernández, Gonzalo Peón-Currás, Sabela Fernández-Aguado, Evelin Cecilia Cervantes-Pérez, Maria Teresa Abalde-Pintos","doi":"10.1111/ddg.16004","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.16004","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":" ","pages":""},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146124928","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
{"title":"35. Deutscher Hautkrebskongress der ADO 2025 in Essen Erkrankungszahlen steigen weiter – Dermato-Onkologie stellt sich der Herausforderung","authors":"Dirk Schadendorf","doi":"10.1111/ddg.70029","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.70029","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":"24 2","pages":"285-286"},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146139353","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}
Felipe Bochnia Cerci, Isadora R Scaburi, Umer Nadir, Stanislav N Tolkachjov
{"title":"Pore-guided needle insertion: a simple technique to reduce pain during local anesthesia.","authors":"Felipe Bochnia Cerci, Isadora R Scaburi, Umer Nadir, Stanislav N Tolkachjov","doi":"10.1111/ddg.16006","DOIUrl":"https://doi.org/10.1111/ddg.16006","url":null,"abstract":"","PeriodicalId":14758,"journal":{"name":"Journal Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","volume":" ","pages":""},"PeriodicalIF":3.8,"publicationDate":"2026-02-05","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"146124930","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":4,"RegionCategory":"医学","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}