C. Weyh, C. Pilat, K. Krüger, Torsten Frech, Emil Schubert, F. Mooren
Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten berufsbedingten Erkrankungen in der Metallindustrie. Die Berufsgruppe der Schweißer fällt dort durch hohe Prävalenzen auf. Daher sind Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung dieser Zielgruppe von großem Interesse. Die vorliegende Studienreihe hatte zum Ziel, gesundheitliche Probleme von Schweißern zu analysieren und Möglichkeiten der Verhaltens- und Verhältnisprävention zu untersuchen. Eine Fragebogenuntersuchung bei 143 Schweißern in 34 Unternehmen der deutschen Industrie ergab, dass die 12-Monats-Prävalenz von unteren Rückenschmerzen 71%, Nackenschmerzen 61% und Schulterschmerzen 55% betrug. Insgesamt 42% der Befragten weisen eine körperliche Freizeitaktivität unter dem von der WHO empfohlenen Umfang auf. Eine niedrige Freizeitaktivität sowie Nackenschmerzen konnten als unabhängige Risikofaktoren für das Auftreten von unteren Rückenschmerzen identifiziert werden.In einem weiteren Studienteil wurden die Auswirkungen eines individualisierten und progressiven 24-wöchigen Ausdauer- oder Krafttrainingsprogramms bei 77 berufstätigen Schweißern untersucht. Es konnten differenzierte Auswirkungen auf arbeitsbedingte Beanspruchungen und auf verschiedene Dimensionen von Gesundheit und Leistung gezeigt werden. Zum Erreichen präventiver Effekte sollten Bewegungsinterventionen mit systematischem, langfristigem und progressivem Charakter ausgewählt werden. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen allerdings auch, dass die Barrieren zur Teilnahme an Bewegungsprogrammen hoch sind und gezielte Maßnahmen zur Motivation und Implementierung geschaffen werden müssen.Neben Maßnahmen der Verhaltensprävention wurden auch verhältnispräventive Aspekte in einem ganzheitlichen Ansatz berücksichtigt. So konnten durch Verwendung eines ergonomisch modifizierten Schweißbrenners bei einer Schweißsimulation die beanspruchte Muskulatur um bis zu 9% entlastet und die Arbeitsqualität gesteigert werden.Insgesamt scheinen Maßnahmen der Verhaltensprävention wie ein systematisches Training sowie der Verhältnisprävention im Sinne der Arbeitsergonomie effektive Strategien in der Prävention und Gesundheitsförderung bei Schweißern darzustellen.
{"title":"Die Bedeutung der Verhaltens- und\u0000 Verhältnisprävention in der Metallindustrie: Empirische\u0000 Untersuchungen am Beispiel der Berufsgruppe Schweißer","authors":"C. Weyh, C. Pilat, K. Krüger, Torsten Frech, Emil Schubert, F. Mooren","doi":"10.1055/a-1714-2006","DOIUrl":"https://doi.org/10.1055/a-1714-2006","url":null,"abstract":"Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten\u0000 berufsbedingten Erkrankungen in der Metallindustrie. Die Berufsgruppe der\u0000 Schweißer fällt dort durch hohe Prävalenzen auf. Daher\u0000 sind Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung\u0000 dieser Zielgruppe von großem Interesse. Die vorliegende Studienreihe\u0000 hatte zum Ziel, gesundheitliche Probleme von Schweißern zu analysieren\u0000 und Möglichkeiten der Verhaltens- und\u0000 Verhältnisprävention zu untersuchen. Eine Fragebogenuntersuchung\u0000 bei 143 Schweißern in 34 Unternehmen der deutschen Industrie ergab, dass\u0000 die 12-Monats-Prävalenz von unteren Rückenschmerzen 71%,\u0000 Nackenschmerzen 61% und Schulterschmerzen 55% betrug. Insgesamt\u0000 42% der Befragten weisen eine körperliche\u0000 Freizeitaktivität unter dem von der WHO empfohlenen Umfang auf. Eine\u0000 niedrige Freizeitaktivität sowie Nackenschmerzen konnten als\u0000 unabhängige Risikofaktoren für das Auftreten von unteren\u0000 Rückenschmerzen identifiziert werden.In einem weiteren Studienteil wurden die Auswirkungen eines individualisierten\u0000 und progressiven 24-wöchigen Ausdauer- oder Krafttrainingsprogramms bei\u0000 77 berufstätigen Schweißern untersucht. Es konnten\u0000 differenzierte Auswirkungen auf arbeitsbedingte Beanspruchungen und auf\u0000 verschiedene Dimensionen von Gesundheit und Leistung gezeigt werden. Zum\u0000 Erreichen präventiver Effekte sollten Bewegungsinterventionen mit\u0000 systematischem, langfristigem und progressivem Charakter ausgewählt\u0000 werden. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen allerdings auch, dass die\u0000 Barrieren zur Teilnahme an Bewegungsprogrammen hoch sind und gezielte\u0000 Maßnahmen zur Motivation und Implementierung geschaffen werden\u0000 müssen.Neben Maßnahmen der Verhaltensprävention wurden auch\u0000 verhältnispräventive Aspekte in einem ganzheitlichen Ansatz\u0000 berücksichtigt. So konnten durch Verwendung eines ergonomisch\u0000 modifizierten Schweißbrenners bei einer Schweißsimulation die\u0000 beanspruchte Muskulatur um bis zu 9% entlastet und die\u0000 Arbeitsqualität gesteigert werden.Insgesamt scheinen Maßnahmen der Verhaltensprävention wie ein\u0000 systematisches Training sowie der Verhältnisprävention im Sinne\u0000 der Arbeitsergonomie effektive Strategien in der Prävention und\u0000 Gesundheitsförderung bei Schweißern darzustellen.","PeriodicalId":42423,"journal":{"name":"Bewegungstherapie und Gesundheitssport","volume":" ","pages":""},"PeriodicalIF":0.4,"publicationDate":"2022-02-01","publicationTypes":"Journal Article","fieldsOfStudy":null,"isOpenAccess":false,"openAccessPdf":"","citationCount":null,"resultStr":null,"platform":"Semanticscholar","paperid":"42181384","PeriodicalName":null,"FirstCategoryId":null,"ListUrlMain":null,"RegionNum":0,"RegionCategory":"","ArticlePicture":[],"TitleCN":null,"AbstractTextCN":null,"PMCID":"","EPubDate":null,"PubModel":null,"JCR":null,"JCRName":null,"Score":null,"Total":0}